Das Rad Revital Bad in Menzenschwand ist eine wichtige Einrichtung der Stadt St. Blasien. Rene Morar, seit Mitte November Geschäftsführer, soll herausfinden, wie das städtische Unternehmen zukunftsfähig gemacht werden kann. Er sieht ein „gutes Potenzial“. Viele Menschen schätzen das Radonbad mit seinem vielfältigen Angebot. Diskutiert wird über die Einrichtung im Menzenschwander Tal dennoch immer wieder in Gemeinderat und Stadtverwaltung. Das Defizit ist und war jedes Jahr Thema. Zuletzt trübte verschwundenes Geld die Stimmung.

Bürgermeister Adrian Probst.
Bürgermeister Adrian Probst. | Bild: Sebastian Barthmes

Mittlerweile gibt es in der Angelegenheit ein Urteil – in dem Gerichtsverfahren ging es jedoch nur um 18.000 Euro, rund 100.000 Euro waren tatsächlich abhandengekommen. Außerdem gab es in der Verhandlung vor dem Amtsgericht auch starke Kritik an der Kommune und der internen Organisation des Bades. Welche Konsequenzen zieht die Stadt nun aus dem Geschehenen?

Mit Priorität

Ein wichtiger Schritt sei es gewesen, das Radonbad auf der Prioritätenliste nach oben zu setzen, sagt Bürgermeister Adrian Probst im Gespräch mit dieser Zeitung. An dem Tag im Jahr 2018, an dem er und der Beirat vom unerklärlichen Fehlbetrag erfahren hätten, habe es einen Moduswechsel hin zum Krisenmanagement gegeben. Der Gemeinderat wurde seither in kurzen Abständen informiert und neue Abläufe in der Verwaltung des Bades eingeführt. Der damalige Geschäftsführer Bernhard Meyer erhielt den Auftrag, eine Datengrundlage für weitere strategische Entscheidungen zu erarbeiten.

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Als Höhepunkt der Krise kann möglicherweise der Sommer 2020 betrachtet werden: Aufgrund der Corona-Krise war das Bad geschlossen. Außerdem gab es keine Betriebsleitung, bei der über Jahre viele Kompetenzen gebündelt waren. Die internen Arbeitsabläufe im Bad waren nicht richtig koordiniert, Mitarbeiter beklagten fehlende Ansprechpartner, das Betriebsklima war schlecht. Bürgermeister Adrian Probst beschreibt die Situation so: „Das Flugzeug (Radonbad) fliegt weitgehend ohne funktionierende Instrumente.“

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In dieser Zeit sei der Gedanke gereift, dass es einen Geschäftsführerwechsel geben müsse. Schließlich wurde Rene Morar als Interimschef engagiert. „Das war für uns der erste wesentliche Schritt, um die Akutphase abzuschließen“, sagt Bürgermeister Probst.

Rene Morar ist neuer Geschäftsführer des Radon Revital Bades in Menzenschwand.
Rene Morar ist neuer Geschäftsführer des Radon Revital Bades in Menzenschwand. | Bild: Sebastian Barthmes

Es gibt den Beirat, die Stadtverwaltung und auch Wirtschaftsprüfer und natürlich die Geschäftsführung – hätte man nicht Probleme früher erkennen und gegensteuern können? Für das operative Geschäft sei die Geschäftsführung zuständig, sagt Probst, nicht der Beirat. Der habe im Falle des Fehlbetrages sofort gehandelt, als er darüber informiert wurde. Auch für die Neuausrichtung des Unternehmens bräuchten der Beirat, der Gemeinderat und die Stadtverwaltung eine verlässliche Datengrundlage, sonst könne man nur mit Annahmen arbeiten. Wenn also Vorstellungen, wie man vorgehen soll, nicht übereinstimmen, müsse man etwas austauschen.

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Das sei im November geschehen. Ziel war es, einfache Strukturen mit klaren Zuständigkeiten zu schaffen sowie das Personal zu qualifizieren und zu motivieren, erläutert Probst. Zudem sei die Betrachtung der Wirklichkeit die Grundlage für das unternehmerische Handeln, nicht das politische Gefühl.

Optimistischer neuer Chef

Nach ersten Monaten als Geschäftsführer sehe er optimistisch in die Zukunft, sagte Morar und griff das Bild vom Flugzeug auf: „Die Kontrollinstrumente mussten neu geeicht und ausgetauscht werden.“ Das sei in einer ersten Phase auch dank der Mitarbeiter gelungen, die mehr könnten, als bislang von ihnen gefordert worden sei. Die Datenverarbeitung wurde neu strukturiert und die Deckungsbeiträge der einzelnen Bereiche wurden analysiert.

Positive Stimmung

Es gelinge nun, ein realistisches Bild des Unternehmens zu zeichnen. Die Stimmung unter den Mitarbeitenden habe sich „massiv verändert“, sagte er auch mit Blick auf den zurückliegenden Gerichtsprozess, auch wenn der Schatten des Geschehenen immer noch vorhanden sei. Aber: „Jetzt ist man auf der Schiene des Neuanfangs“, sagt Morar.

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Die Zukunftsfrage sei natürlich immer noch nicht beantwortet, sagt Bürgermeister Adrian Probst, alle Möglichkeiten würden bedacht. Besonders wichtig sei dabei, dass das auch gegenüber den Mitarbeitern klar kommuniziert werde. Nach der bisherigen intensiven Beschäftigung sagt Rene Morar: Die Transformation, die auch durch das Coronavirus ausgelöst wurde, sei schmerzhaft, aber „ich sehe es relativ gelassen, dass das Unternehmen auszurichten ist“.