Wissenschaftlich erwiesen ist, dass Lärm krank machen kann. In Menzenschwand leiden die Bürger seit Jahren unter dem Motorradlärm auf der L 146, der im ganzen Ort zu hören ist. Im vergangenen Jahr hatten sich einige Bürger zusammengetan, um sich am Lutzbrunnenparkplatz oberhalb von Menzenschwand gegen Raserei und Lärmbelästigung stark zu machen. So auch jetzt. Innerhalb von zweieinhalb Stunden wurden 530 Motorradfahrer gezählt.

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Seit sieben Uhr morgens dröhnte Motorradlärm durch das Geißental – so wie im Sommer an jedem Wochenende bei gutem Wetter. Immer wieder begaben sich einige Menzenschwander zum Lutzbrunnenparkplatz, um die Situation zu beobachten. Dort hatten sich Menzenschwander in der Vergangenheit gelegentlich getroffen und dann im vergangenen Jahr gemeinsame Aktionen vereinbart.

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Am Sonntag waren einige Menzenschwander, aber auch zwei Bernauer Bürger, die der inzwischen aufgelösten Bürgerinitiative gegen Motorradlärm St. Blasien angehört hatten, vor Ort. Sie hatten ein Schild mit der Aufschrift „Nicht willkommen“ an der Straße aufgestellt, auf dem ein rasender Motorradfahrer zu sehen ist. Und ein Bürger stand am Straßenrand mit einem Schild, das einen nach oben zeigenden grünen Daumen auf der einen Seite und einem nach unten zeigenden roten Daumen auf der anderen Seite zeigt.

Das Schild wurde den Motorradfahrern je nach Fahrweise gezeigt, der rote Daumen kam dabei wesentlich häufiger zum Einsatz. Unflätige Gesten und Stinkefinger waren die Reaktionen vieler Motorradfahrer auf die Aktion, nicht wenige ließen auch die Motoren ihrer Maschinen extra laut aufheulen oder machten gar „Männle“ (Fahren nur auf dem Hinterrad). Viel Zustimmung gab es dagegen von Autofahrern, die anerkennend hupten, und von Radfahrern. „Da habt ihr Recht“, rief eine Radlerin.

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„Sie sind diejenigen, die unser Hobby zum Sterben bringen“, hielt ein junger Motorradfahrer den Lärmgegnern vor. Als lächerlich bezeichnete er den Hinweis, dass sich die Bewohner entlang der bei Motorradfahrern beliebten Strecken von dem Lärm belästigt fühlen. „Für mich ist das Musik“, sagte er und verabschiedete sich mit den Worten: „Stören wir die Anwohner weiter“. Und das tat er denn auch, indem er im Davonfahren den Motor seiner Maschine mehrfach aufheulen ließ.

Aber es gab auch andere Fahrer. Einer wies freundlich daraufhin, dass das Schild mit der Aufschrift „Nicht willkommen“ zu pauschal sei, da sich viele Fahrer verkehrskonform verhielten. Dass es sich bei dem abgebildeten Motorradfahrer um einen Raser handele, wie ihm die Aktivisten erklärten, werde nicht deutlich, argumentierte er. Und stieß damit auf Verständnis – noch vor Ort wurde dem Schild der Zusatz „Raser“ nicht willkommen zugefügt.

Im Laufe des Vormittags traf auch eine Polizeistreife ein, die nicht, wie in der Vergangenheit häufiger der Fall, von den Lärmgegnern, sondern von Motorradfahrern in Hinblick auf die Aktion gerufen worden war. Die Beamten hatten aber lediglich den zu geringen Abstand des Schildes zur Straße zu bemängeln.

In den Reihen der Aktiven werden nun weitere Aktionen besprochen. In Rede steht, in der unterhalb des Lutzbrunnenparkplatzes gelegenen scharfen Kurve, die wegen der dort gefahrenen waghalsigen Fahrmanöver und des dafür gespendeten Beifalls auch Applauskurve genannt wird, entsprechende Stoffbanner auszuhängen. Denn dort werden die Fahrmanöver immer wieder gefilmt und die Aufnahmen ins Netz gestellt. Und Aufnahmen, auf denen die Anwohnerproteste zu sehen sind, dürften wenig attraktiv sein, erhofft man sich. Auch über eine Demonstration an einem Sonntag auf der Umgehungsstraße wird nachgedacht.

Die Bilanz des Vormittags: Innerhalb von zweieinhalb Stunden zählten die Bürger 530 Motorradfahrer, von denen viele schnell und laut unterwegs waren. Einer hatte sogar zusätzlich zu den Geräuschen seiner Maschine laute Musik laufen.

Eines habe sie die Erfahrung in der Vergangenheit gelehrt, erzählen die Aktiven aus Menzenschwand: Nie alleine eine Aktion starten. Denn viele der Motorradfahrer reagieren darauf aggressiv. Einer habe gar gedroht, eine der Lärmgegnerinnen den Hang hinabzuwerfen, wenn sie die von ihr gemachten Handyaufnahmen nicht löschen sollte.

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