St. Blasien – Die personelle Situation des Radon-Revital-Bades in Menzenschwand ist sehr angespannt. Das berichtete Geschäftsführer Jürgen Längin in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Die Folge: Über mehrere Wochen werden die Öffnungszeiten des städtischen Unternehmens geändert. An diesem Abend hatte der Gemeinderat den Prüfbericht für das Jahr 2020 festgestellt und den Geschäftsführer Jürgen Längin entlastet.

Eine Vollzeitkraft habe den Vertrag gekündigt, eine weitere werde wohl längere Zeit krankheitsbedingt ausfallen. „Es ist momentan sehr, sehr schwierig“, sagte der Geschäftsführer. Und Bürgermeister Adrian Probst ergänzte: „Nach Corona haben wir ein ganz massives Fachkräfteproblem, und Verbesserungen kann man nur bedingt durch eigenes Zutun erreichen.“ Der Mitarbeitermangel habe auch zur Folge, dass neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum eingearbeitet werden können, erläuterte Längin.

Eigentliches Thema waren die Jahresabschlüsse der beiden Radonbad-Unternehmen. Die wirtschaftliche Situation des Bades werde vor allem im Jahresabschluss der Radonbad Menzenschwand GmbH und Co. KG sichtbar, erläuterte Wirtschaftsprüfer Robert Ketterer vom beauftragten Unternehmen Solidaris aus Freiburg. Insgesamt habe die Prüfung zu keinen Einwendungen geführt. „Der Jahresabschluss war in Ordnung“, sagte er.

Verlust von 555.250 Euro

Das Radon-Revital-Bad habe das Jahr 2020 mit einem Verlust in Höhe von rund 555.250 Euro (2019: 401.000 Euro; 2018: 469.000 Euro) abgeschlossen. Zu den Gründen sagte Ketterer: „Das sind die Auswirkungen von Corona, der Umsatz hat sich praktisch halbiert.“ Das Defizit wurde von der Stadt ausgeglichen. 665.000 Euro schoss die Stadt in dem Jahr zu, erläuterte der Prüfer und fügte an: „Das Unternehmen hat eigentlich keine Liquidität. Ohne das Geld der Stadt wäre das Bad nicht lebensfähig.“ Die Patronatserklärung der Kommune, die auch weiterhin gelte, sichere also den Betrieb des Bades.

Das erste Coronajahr hätte aus Sicht der Stadt noch viel schlimmer zu Ende gehen können, sagte Bürgermeister Probst. Tatsächlich habe die Kommune aber einen Zuschuss in Höhe von 285.000 Euro erhalten. Das Land hatte ein Unterstützungsprogramm für Bäder in kommunaler Trägerschaft aufgelegt. Die Stadt musste also nicht den ganzen Verlust selber stemmen. Einen Zuschuss in Höhe von mehr als 400.000 Euro erhielt die Stadt auch 2021. Den erhielt die Domstadt St. Blasien allerdings als heilklimatischer Kurort und nicht speziell für das Bad.

Namensänderung angestrebt

Defizitär ist das Radon-Revital-Bad in Menzenschwand von Anfang an, jedoch wurde es vor der Corona-Pandemie auch durch das Unterschlagen von rund 100.000 Euro erschüttert. Strafrechtlich wurde die Angelegenheit bereits abgeschlossen.

Gemeinderat Fabian Schmidt wollte in der Ratssitzung aber wissen, ob von dem veruntreuten Geld wieder etwas an das städtische Unternehmen zurückgeflossen sei. Bislang sei das nicht der Fall, sagte Geschäftsführer Jürgen Längin. Es könnte aber durchaus sein, dass die Versicherung noch zahle. Die entsprechenden Unterlagen seien bereits eingereicht worden, erläuterte er.

Seit einem Jahr gibt es in Menzenschwand keine Radontherapie mehr, da die Radontherapie zu niedrig und deren Deckungsbeitrag zu gering war. Das Radon werde deshalb mittelfristig auch aus dem Namen verschwinden, hieß es auf Nachfrage dieser Zeitung aus dem Rathaus. In der Gemeinderatssitzung hatte Bürgermeister Probst einen Hinweis auf die Änderung gegeben und vom Revital Bad gesprochen. Bei Pressemitteilungen und auch auf der Stadt-Homepage werde bereits nur noch vom Revital Bad gesprochen, sagte Susanne Gilg. Weil der Begriff aber an vielen Stellen zu sehen ist, beispielsweise auch auf Handtüchern, gehe man pragmatisch vor und lasse das Radon dort weg, wo es ohne großen Aufwand möglich ist.