Frau Manthei, wie kamen Sie denn überhaupt auf die Idee, an diesem Wettbewerb teilzunehmen?

Die Ausschreibung hierfür habe ich in der Badischen Bauernzeitung gelesen und fühlte mich sofort angesprochen. Bewertungskriterien wie die biologische Vielfalt auf der Betriebsfläche sowie die betriebliche naturschonende Bewirtschaftung waren schon immer mein Ziel.

Wie zeichnet sich Ihr Betrieb hierin aus?

Relevante Bewirtschaftungsmerkmale, die bei mir unter anderem zutreffen, sind das Arbeiten mit leichten Traktoren und Maschinen, das Mähen ausschließlich mit Messerbalken (Amphibien- und Insektenschutz), das Düngen nur mit betriebseigenem Rottemist und verdünnter Jauche, ohne Gülle, als Winterfutter hauptsächlich Heu, unter 25 Prozent Silage und die biologische Wirtschaftsweise.

Wie erreichen Sie die biologische Vielfalt?

Günstige Verhältnisse hierfür sind schon gegeben durch die unterschiedlichen Standorte von sehr mager und trocken bis sehr feucht. Keine bis mäßige Düngung und später Schnitt fördern das Wachstum von Kräutern und Blumen. Baumhecken mit Sträuchern am Rand und Streuobstbäume schaffen Lebensraum für viele Tiere, vor allem auch für Insekten und Vögel. Das mit viel Handarbeit mühsam zu pflegende Feuchtbiotop bietet wohl die größte Vielfalt an Pflanzen und Tieren; hier wachsen seltene Pflanzen wie Fieberklee, Wollgras, Sonnentau und mehrere Orchideenarten. Auch Frösche, Bergmolche, Salamander und viele Heuschrecken fühlen sich hier wohl.

Seit wann arbeiten Sie schon nach diesen Maximen?

Landwirtschaft und Naturschutz gehörten für mich schon immer untrennbar zusammen: Nur in einer vielfältigen, gesunden Naturumgebung, auf einem lebendigen Boden können gesunde Nahrungsmittel wachsen für Mensch und Tier. Ich absolvierte eine sehr vielseitige Gärtnerlehre an einer biologisch-dynamischen Gartenbauschule im schönen Thunerseegebiet in der Schweiz. Danach kam ich nach Urberg, wo ich ab 1981 an der damaligen anthroposophischen Kurklinik Studenhof als Angestellte in Garten und Landwirtschaft von Anfang an biologisch-dynamisch arbeitete. Wiesen, Schafe und etwas Wald waren damals schon vorhanden, später kamen Kühe dazu. Seit rund 20 Jahren bewirtschafte ich nun den Betrieb selbstständig im Nebenerwerb ohne besondere Ansprüche an die Wirtschaftlichkeit.

Aber etwas finanziellen Ertrag wird es doch geben?

Vermarktet werden Jungrinder oder Jungbullen, am liebsten zur Weiterzucht, außerdem Lammfleisch, Schnittblumen als Bauernsträuße und etwas Beerenobst. Für den Schnittblumenanbau, der wenig Fläche beansprucht, sehe ich noch Intensivierungsmöglichkeiten. Den Hauptanteil bilden jedoch die Zuschüsse. Die Reparaturkosten für die Maschinen sind ziemlich hoch und der finanzielle Ertrag verringert sich entsprechend.

Und wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Als Gärtnerin und Landwirtin aus Leidenschaft möchte ich diesen kleinen, vielseitigen, in schöner Landschaft liegenden Betrieb so lange wie möglich weiterführen und noch mehr Nahrungsangebot für die Vögel, Wildbienen und Schmetterlinge schaffen, deren drastischer Rückgang mich besonders schmerzt. Etliche wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass auch elektromagnetische Strahlung das Insektensterben mitverantwortet. Umso wichtiger, dass funkfreie Zonen erhalten bleiben oder geschaffen werden. An den Waldrändern möchte ich blüten- und beerentragende Sträucher pflanzen wie Kornelkirsche, Pfaffenhütchen, Weißdorn, Roter Hartriegel und Wildrosen. Als frühe Bienenweide habe ich diesen Herbst schon Wildkrokusse, Winterlinge und Traubenhyazinthen an den Heckenrändern gepflanzt. Zum gegebenen Zeitpunkt, hoffe ich, werden sich Menschen finden, die den Betrieb – Eigentümerin von Hofgebäude und Flächen ist inzwischen eine Stiftung – mit ähnlichen Idealen weiterführen: Biologisch-dynamische Landwirtschaft mit Schwerpunkt Naturpflege.