Frau Rudzki, wie kamen Sie zu der Rolle der Fernsehpfarrerin?

Das war reiner Zufall. Vor der Christuskirche habe ich eine Dame vom SWR getroffen, die für die Ausstattung zuständig ist. Sie wollte sich ansehen, wie eine evangelische Kirche im Schwarzwald aussieht und ausgestattet sein muss. Wir sind ins Gespräch gekommen und dann wurde ich ein paar Tage später angerufen und gefragt, ob ich die Rolle der Pfarrerin in dem Tatort übernehmen würde. Denn die Verantwortlichen waren auf der Suche nach einer jungen Pfarrerin. Ich könnte mir vorstellen, dass gezeigt werden soll, dass die evangelische Kirche auch jung, cool und weiblich sein kann. Aber das ist nur eine Vermutung.

Haben Sie sofort zugesagt?

Nein, ich habe zunächst einmal abgesagt, da ich am Drehtag Schule hatte und in der Gemeinde einiges los war. Und auch die Zustimmung der Landeskirche war erforderlich. Aber das alles ließ sich klären und nachdem neben der Landeskirche auch der Kirchengemeinderat zugestimmt hatte, habe ich letztendlich zugesagt.

Wie ging es dann weiter? War ihre Expertise gefragt?

In einer Videokonferenz mit Regisseurin und Regieassistentin habe ich erst einmal den Ablauf einer Konfirmation geschildert. Gemeinsam haben wir überlegt, welche Teile der Konfirmation in dem Tatort gezeigt werden sollen. Ich habe dann den Ablauf zusammengestellt und Konfirmationssprüche herausgesucht.

Gab es dafür Vorgaben?

Ja, die Sequenz sollte nicht länger als drei Minuten dauern.

Wie sah es mit der Ausstattung der ehemaligen Dorfkirche aus, die mittlerweile schließlich nicht mehr als Kirche genutzt wird?

Wir haben den Taufstein und den Kerzenständer, die sich früher in der Kirche befanden und heute in St. Blasien gelagert sind, zwei Kirchenbänke sowie Abendmahlsgeschirr und Antependium (Altartuch) zur Verfügung gestellt. Das große Kreuz wurde vom SWR angefertigt und dem Original nachempfunden.

Was war für Sie die besondere Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Die größte Herausforderung war, die Dreharbeiten auszublenden und die Szene der Realität entsprechend zu gestalten. Wichtig war dabei, die Kamera und das ganze Drumherum zu ignorieren, und mich nur auf die Konfirmanden und die Gemeinde zu konzentrieren. Herausfordernd war zudem, die Spannung auch bei der 25. Wiederholung der Szene zu halten und, insbesondere beim Segen, nicht einfach den Text aufzusagen.

Ihr Mann Thomas stand auch mit vor der Kamera. Wie kam es zu seiner Mitarbeit am Dreh?

Mein Mann hatte angefragt, ob er bei den Dreharbeiten als Zuschauer dabei sein dürfte. Da aber noch Komparsen gesucht wurden, wurde er kurzerhand engagiert. Und am Tag vor dem Dreh wurde er gefragt, ob er die Rolle des Mitglieds des Kirchengemeinderates, das den Konfirmanden die Konfirmationsurkunde übergibt, übernehmen könnte.

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Gab es Reaktionen?

Ja, sie waren durchweg positiv.

Ihr Fazit?

Es war eine tolle Sache und eine gute Gelegenheit, einer breiten Öffentlichkeit – den letzten Tatort haben immerhin knapp zehn Millionen Menschen gesehen – zu zeigen, dass die evangelische Kirche auch jung und weiblich sein kann. Für mich war meine Mitwirkung an den Dreharbeiten auch eine Art der Verkündigung.