Herr Kaiser, wie wird die Fastnacht in Zeiten von Corona aussehen?

Bis wir wieder einen Normalzustand haben, wird es – unabhängig von Fastnacht – noch längere Zeit dauern. Ich möchte an den historischen Verzicht zu Beginn der 1990er Jahre erinnern sowie an die erst in den letzten Jahren abgesagten Umzüge in den Rheinmetropolen. Die Fastnacht lebt von Veränderungen, das Rad jetzt aber neu zu erfinden, ginge fehl. Ich hoffe nur für alle Zünfte, dass Besucher der Veranstaltungen wieder vernünftiger werden und sich an das halten, was die Veranstalter vorgeben. Die aktuelle Lage zeigt, dass wir eine hohe Eigenverantwortung benötigen. Gibt es diese nicht, wird es auch langfristig keine Fastnacht mehr geben, wie wir sie kennen.

Wird es statt der gewohnte Fastnacht ein Ersatzprogramm geben?

Jetzt von einem Ersatzprogramm zu sprechen, ist verfrüht. Ich habe mich mit Frederic Aich und den anderen Vorstandskolleginnen und -kollegen bereits ausgetauscht. Wir werden zunächst Gespräche mit den relevanten Gemeindevertretern führen sowie die Zünfte aus der Raumschaft kontaktieren. Die aktuelle Situation ist keine einfache und schwer einzuschätzen. Ein Alleingang könnte in alle Richtungen fatal sein, daher fahren wir erst einmal „auf Sicht“. Ein kleiner Ausblick sei aber gewagt: Das Stellen eines Narrenbaums oder etwa eine Online-Mottowahl kann es sicherlich auch im Jahr 2021 geben. Ob es einen Zunftabend im kommenden Jahr gibt, bleibt ebenso offen, wie die Organisation unseres Wagenbauerumzugs.

Sollte man angesichts der Situation die Fastnacht nicht gleich absagen?

Jeder der gerne Fastnacht macht weiß, wie hart uns alle eine Absage erwischt. Besonders den über die Dorfgrenzen bekannte Wagenbauerumzug würde es hart treffen – keine Frage. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir als Narrenzunft gut aufgestellt sind. Wir sehen es auch als Chance, neue Konzepte auszuarbeiten. Hierzu holen wir auch die Wagenbauer ins Boot, denn diese sind Sinnbild für unseren Fastnachtssonntag. Wir dürfen aber die Verantwortung gegenüber uns und der Gesellschaft nicht vernachlässigen. Eine Absage wäre hart, aber zugleich auch eine Chance für das Jahr 2022.

Was für Ziele haben sie sich als neuer Zunftmeister gesetzt?

Mit einer sehr jungen Vorstandschaft setzen wir ein klares Signal für die kommenden Jahre. Die Narrenzunft sowie die traditionsreiche Fastnacht in Häusern wird es nur dann weiterhin geben, wenn wir neue Mitglieder gewinnen können. Um diese auch mit einem entsprechenden Häs auszustatten, wird dies eine der ersten operativen Aufgaben sein. Wir müssen zugleich überlegen, wie wir zukünftig wieder am Fastnachtssonntag etwas am Abend anbieten können. Meine Hasen sind am Sonntag nach dem Umzug mit der Halle beschäftigt, die Wagenbauer feiern ihre krönenden Abschlüsse. Leider war hier in den letzten Jahren nichts mehr zum Feiern in der Halle angeboten. Hier sind wir offen für Vorschläge – auch aus der örtlichen Gastronomie.

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