30 Jahre lang war Werner Spitz als Grund- und Hauptschullehrer an der Fürstabt-Gerbert-Schule in St. Blasien tätig, im Sommer ist er nun in den Ruhestand gegangen. Viel hat sich in diesen drei Jahrzehnten verändert, nicht nur in Sachen Lehrpläne, sondern auch betreffend den Umgang der Kinder untereinander und mit den Lehrern. Das Entscheidende am Unterrichten war für Spitz immer der persönliche Bezug zu den Schülern.

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Bevor Werner Spitz 1990 nach St. Blasien wechselte, war er zunächst zwei Jahre in Stuttgart tätig. In der Fürstabt-Gerbert-Schule unterrichtete er in den ersten acht Jahren die Fächer Mathematik, Werken/Technik und Sachkunde in der Hauptschule, bevor er in die Grundschule wechselte und dort auch andere Fächer lehrte. Viel hat sich in dieser Zeit verändert, sagt er.

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Etwa alle zehn Jahre habe es einen neuen Lehrplan gegeben, dem die Lehrer Rechnung hätten tragen müssen, so Spitz. Geändert habe sich auch die Methodik, der Lehrer sei mehr der Impulsgeber, gefragt sei das selbstentdeckende Lernen. Zudem habe der bürokratische Aufwand zugenommen, vieles müsse nun genau dokumentiert werden.

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Vor allem aber habe sich das Verhalten der Kinder verändert, erklärt Spitz. War der Lehrer früher eine Respektsperson, sei das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer heute eher locker und ungezwungener, fuhr er fort. Heutzutage seien die Schüler offener und suchten das Gespräch. Zugenommen habe allerdings die Zahl der Problemfälle in der Schule, es gebe vermehrt verhaltensauffällige Schüler.

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Dies sei eine Folge der gesellschaftlichen Veränderungen, so die Einschätzung des Pädagogen. Und manchen, wenn auch wenigen Kindern, fehle einfach der Respekt, sie kennen ihrer Grenzen nicht. Aber nicht nur das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler, sondern auch zwischen den Kindern habe sich verändert, so Spitz. Immer wieder seien die Kinder brutal zueinander, auch das Mobbing habe stark zugenommen. Seit zehn Jahren gibt es daher an der Fürstabt-Gerbert-Schule das Projekt „Faustlos“, um Gewalt zwischen den Schülern einzudämmen. Die Kinder lernten dabei, so Spitz, Probleme mit dem Kopf und nicht mit den Fäusten zu lösen.

Praktische Tätigkeiten

Während seiner Lehrtätigkeit habe er immer großen Wert auf praktische Tätigkeiten gelegt. So hat Spitz beispielsweise mit den Schülern im Rahmen von Wetterbeobachtungen Windfahnen und Regenmesser gebaut, Zahnräder im Rahmen der Getriebelehre oder Nagelbretter im Geometrieunterricht zum Einsatz gebracht – Learning By Doing. „Anschaulicher Unterricht ist wichtig“, sagt der erfahrene Pädagoge. Und auch die Schüler hatten viel Spaß an solchen Projekten.

Wochenpläne selbst zustellen

Die Corona-Krise überschattete die letzten Monate seines Berufslebens. Da spielte er schon mal Briefträger, um die Wochenpläne bei den Schülern abzuliefern. Als schwierig habe sich insbesondere die fehlende Rückmeldung der Schüler erwiesen, im Präsenzunterricht habe man unmittelbar auf die Schwierigkeiten mit dem Stoff eingehen und entsprechend üben können, sagt er.

Über Unterricht hinaus engagiert

Viele Erinnerungen verbindet Werner Spitz mit seiner Zeit als Lehrer, in der für ihn der persönliche Bezug das Entscheidende am Unterrichten war. Über das Schulische hinaus engagierte er sich für Theaterfahrten, den Besuch des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck alle vier Jahre und den Lebenslauf – Höhepunkte und Abwechslung im Schuljahr.

Persönliche Rückmeldungen

Und dann sind da noch die vielen kleinen persönlichen Rückmeldungen oder kleine Schreiben der Schüler, aufmunternd und erheiternd, erklärte Spitz rückblickend. Ein Erstklässler schrieb ihm am Ende des Schuljahres: „herrspitz, du bist der beste lerrer der weld“.