„Jede Suche ist anders“, sagt Zimmermann, der Leiter des Polizeipostens St. Blasien, wenn es allgemein um Vermisstensuchen geht. Die Umstände sind wichtig, um einzuschätzen, welche Kräfte für die Suche benötigt werden, weiß der Polizeihauptkommissar: Wie alt ist die gesuchte Person, wo und wie lange wird sie vermisst.

Die Aufgabenverteilung bei der Vermisstensuche ist klar: Die Kriminalpolizei ermittelt, sammelt Hinweise und wertet diese aus oder befragt beispielsweise Menschen. Die Schutzpolizei sei für die Suche zuständig, die dann in enger Absprache mit der Kriminalpolizei erfolgt, erklärt Zimmermann.

Thomas Zimmermann, Leiter des Polizeipostens St. Blasien, war Einsatzleiter bei der Suchaktion am Montag. Adrian Probst hat als Vorsitzender der Bergwacht Schwarzwald viel Erfahrung mit Suchaktionen.
Thomas Zimmermann, Leiter des Polizeipostens St. Blasien, war Einsatzleiter bei der Suchaktion am Montag. Adrian Probst hat als Vorsitzender der Bergwacht Schwarzwald viel Erfahrung mit Suchaktionen. | Bild: Sebastian Barthmes

Hilfe durch Hundestaffeln und Spezialisten

Ist eine größere Aktion nötig, werde schnell bei den Gemeinden um Unterstützung durch die örtliche Feuerwehr gebeten, denn die Zahl der Helfer und auch die Ortskenntnis seien sehr wichtig. Auch andere Organisationen, beispielsweise Suchhundestaffeln, kommen zum Einsatz. Ist das Gelände schwierig, sind die Spezialisten von der Bergwacht gefragt.

„Die Gruppen haben ihre Erfahrungswerte“, so Zimmermann. Deshalb entscheide auch der Einsatzleiter in Absprache mit den Einsatzleitern der verschiedenen Hilfsorganisationen, was sinnvoll sei, wo und wie gesucht werden soll. Im jeweils zugeteilten Suchgebiet organisieren die unterstützenden Organisationen ihre Hilfe dann selbst.

Rational nachzuvollziehen, was der Vermisste wohl gemacht hat, wohin er gegangen sein könnte, bringe die Suchenden nicht weiter, weiß der Landesvorsitzende der Bergwacht Schwarzwald, St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst. Denn rationales Vorgehen sei in einer Extremsituation ausgeschaltet. Jede angeforderte Organisation, so auch die Bergwacht, bringe Spezialkenntnisse ein.

Moderne Technik im Einsatz

Auch Technik spiele eine immer wichtigere Rolle bei der Vermisstensuche: Die Polizei kann zum Beispiel, wie bei der Suche nach der vermissten 26-Jährigen, einen Polizeihubschrauber anfordern, aber auch Drohnen kamen bei dieser groß angelegten Suche zum Einsatz. Auch IMSI-Catcher können beispielsweise eingesetzt werden. Das Gerät simuliert ein Funknetzwerk und kann so helfen, ein Mobiltelefon zu lokalisieren, erläutert Probst.

Auf Technik sollte man sich nicht zu sehr verlassen, doch sie unterstütze die Suche auch erheblich. Als Beispiel nennt er auch E-Mountainbikes, mit denen sich Einsatzkräfte schnell durchs Gelände bewegen können.

Große Motivation bei freiwilligen Helfern

Für einen Sucheinsatz benötige man eine gute Lagedarstellung, eine ausgefeilte Kommunikation zwischen Einsatzkräften und Einsatzleitung, Technik zur Lokalisation und eine genaue digitale Dokumentation, sagt der Bergwacht-Chef. Denn werde eine Suche unterbrochen – vielleicht sogar für mehrere Tage – müsse man schnell die bereits vorhandenen Erkenntnisse abrufen können, sollte man aufgrund neuer Anhaltspunkte weitersuchen.

„Die Motivation der freiwilligen Kräfte ist enorm“, sagt Thomas Zimmermann. Die Mitglieder der Bergwacht seien in verschiedenen Gruppen am Montag beispielsweise den gesamten Schluchtensteig abgelaufen. Man müsse sich stets vorstellen, man suche nach einem nahen Verwandten, sagt Adrian Probst.

Die Kriminalpolizei hatte bereits ermittelt, dass die gesuchte Wanderin in Todtmoos angekommen war und dort auch übernachtete. Aber wohin sie von dort weiterging, konnte die Polizei auch mit Hilfe der Mobilfunkbetreiber nicht ausmachen. Aufgrund unterschiedlicher Erkenntnisse (die Wanderin verfügte zum Beispiel über eine Konuskarte, mit der sie auch Busse nutzen konnte), suchten die Kräfte auch in unterschiedliche Richtungen nach der jungen Frau, sagte Zimmermann. Neue Hinweise würden sofort bei der Suche berücksichtigt.

Wann die Suche unterbrochen wird

Irgendwann werde allerdings auch klar, dass „wir alles abgearbeitet und gemacht haben, was möglich ist“, sagt Thomas Zimmermann. Dann müsse man die Suche nach der vermissten Person so lange unterbrechen, bis neue Erkenntnisse vorliegen – die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei laufe weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Adrian Probst, der schon an vielen Aktionen beteiligt war, weiß aus Erfahrung, dass man eine Suche nie aufgeben darf: „Der Vermisste ist so lang am Leben, bis er bei uns ist.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €