Außer der Sonderausstellung mit dem Titel „Trialog“ und der Dauerausstellung zu Hans Thoma ist im Hans-Thoma-Museum viel moderne Künstlerprominenz versammelt. Zwar steht derzeit keine Einzelpräsentation zum Werk von Otto Dix auf dem Programm. Dennoch bietet das Haus ein so wertvolles wie schönes Blatt von Otto Dix: eine Farblithographie aus dem Jahr 1966, die der Künstler dem Thoma-Museum handschriftlich gewidmet hat.

Symbol der Wiedereröffnung

Denn 1967, zwei Jahre vor seinem Tod, wurde Dix mit dem Hans-Thoma-Staatspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Lithografie ist das Symbol der Wiedereröffnung nach langer Corona-Pause, sie ist das Bernauer Bild des Monats. „Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Ausstellungen nun endlich wieder öffnen können“, sagte Museumsleiterin Margret Köpfer.

Otto Dix‘ naturnahe Lithografie mit den beiden Kindern und der Sonnenblume ist das Symbol der Wiedereröffnung des Thoma-Museums.
Otto Dix‘ naturnahe Lithografie mit den beiden Kindern und der Sonnenblume ist das Symbol der Wiedereröffnung des Thoma-Museums. | Bild: Thoma-Museum

Die Litho ist groß. Es misst 53 mal 69 Zentimeter und zeigt zwei Kinder an einem bräunlichen Tisch, der, so darf man vermuten, in einem Garten steht. Überhaupt herrschen Farbtöne vor, die man in der Natur antrifft – obwohl die Wahl der Farben keinem realistischen Konzept folgt. Die große Sonnenblume ist braun und gelb, grüne Blätter kommen hinzu, die Haare der Kinder leuchten grünlich-blond, das Licht, das den Bildhintergrund überstrahlt, scheint sonnengelb und ist zugleich von einem zarten Himmelsblau; blassrote Kontrapunkte machen die ausgewogene spätexpressionistische Komposition perfekt. Die Sonnenblume lässt die Lithografie zu einem Bild der Reife werden; zugleich steht es für Anfang, Kindheit, Jugend und einen Aufbruch, der im Rahmen einer friedvollen und anmutigen Idylle stattfindet, die im Einklang mit einer üppig gedeihenden Natur steht.

Erster Weltkrieg prägt Werke

Begonnen hatte der 1891 in Untermhaus (Gera) geborene Otto Dix ganz anders. Zunächst prägten seine Erlebnisse während des Ersten Weltkriegs seine künstlerische Arbeit. So entstand in den frühen zwanziger Jahren beispielsweise das Werk „Schützengraben“, das bedeutendste Antikriegsbild seiner Zeit. Es wurde vom Kölner Wallraff-Richartz-Museum angekauft, machte Sensation und beherrschte lange Zeit die Feuilletons. Otto Dix sei „ein Maler des bitteren und grotesken Ernstes, … der repräsentative Maler Deutschlands – vielleicht des heutigen Europa“ gewesen, schrieb 1926 zum Beispiel der Kunstkritiker Paul Ferdinand Schmidt.

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Mitte des Jahrzehnts beteiligte sich Dix an der epochalen Wanderausstellung zur Neuen Sachlichkeit, einer Kunstrichtung, der er den Stempel aufdrückte. Nach der Machtergreifung der Nazis verlor Otto Dix die Professur, die er seit 1927 an der Dresdener Kunstakademie innegehabt hatte, und zog sich an den Bodensee zurück. Zwei Wochen nach dem Attentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller wurde der Künstler vorübergehend von der Gestapo in Haft genommen (1939); nach seiner Entlassung ging Dix in die Innere Emigration.

Expressionistischer Stil

In der Nachkriegszeit wandte er sich erneut dem expressionistischen Stil zu. Willi Baumeister brachte Dix 1949 für eine Professur an der Stuttgarter Akademie ins Gespräch. Als man ihn jedoch aufforderte, Arbeitsproben einzureichen, lehnte Dix dankend ab. In den kommenden Jahren wurde der Künstler in West- und Ostdeutschland mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, so auch mit dem Hans-Thoma-Preis.