aDie langen Wochen des Homeschoolings sind für Grundschüler und Schüler der Abschlussklassen vorbei, viele haben sich auf die Rückkehr zum Präsenzunterricht gefreut. Auch Silas, der die erste Klasse der Waldorfschule Urberg besucht, freut sich, seine Schulfreunde wieder sehen zu können. Für die Familie und vor allem Mutter Andrea Steiner war die Zeit eine große Herausforderung, zumal auch die Töchter (15 und 18 Jahre alt) zu Hause lernen mussten.

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Das durch den Lockdown bedingte Homeschooling stellt Lehrer, Schüler und Eltern vor Herausforderungen. Besonders betroffen sind die Erstklässler, die einen normalen Schulalltag nicht kennengelernt haben. Sechs Wochen nach der Einschulung erfolgte der erste Lockdown, im Dezember ging es für zwei Wochen in die Schule, bevor bis vor gut einer Woche wieder Homeschooling angesagt war.

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Da sei es für ihren Sohn Silas wie für alle Grundschüler nicht möglich gewesen, im Schulalltag anzukommen, ein Klassenverband habe sich nicht gebildet, sagte Andrea Steiner. Auch auf die Waldorfpädagogik hatte die Situation besondere Auswirkungen, so Silas‘ Mutter. In dieser Form der Pädagogik stehe der ganze Mensch im Mittelpunkt, Bewegung, Gestik und Mimik spielten eine besondere Rolle. Durch die Maskenpflicht der Lehrer nähmen die Kinder die Pädagogen allerdings ganz anders wahr als ohne Maske, so Andrea Steiner.

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Ein Problem stellte die Situation auch für den Unterricht in Englisch und Französisch, der in der Waldorfschule ab der ersten Klasse auf dem Stundenplan steht, dar. Denn im Fremdsprachenunterricht sei es wichtig, den Mund der Lehrer zu sehen. Auch bei Körpersprache, Bewegung und Musik, ebenfalls wichtige Bestandteile der Waldorfpädagogik, habe es starke Einschränkungen gegeben.

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Wie das Homeschooling in der Klasse ihres Sohnes organisiert war, lobte Andrea Steiner jedoch. Liebevoll habe die Klassenlehrerin die Aufgaben gestaltet, anders als in anderen Schulen gab es Aufgaben für jeden Tag. Und die seien so angelegt worden, dass es für Silas einfach gewesen sei, das tägliche Pensum meist in einer Stunde und weitgehend selbstständig zu bewältigen. Nur ab und zu habe sie helfen müssen. Der Erstklässler sei mit Spaß an der Arbeit gewesen, ein wichtiger Aspekt, denn die Kinder sollten Freude am Lernen haben, so Steiner. „Die Kinder sollen wollen, nicht müssen.“

Freunde werden vermisst

Etwas anderes hatte sich aber als schwierig erwiesen: Silas sei nicht ausgelastet und deshalb abends kaum ins Bett zu bekommen gewesen, sagt sie. Aber damit ist es nun vorbei, seit der Präsenzunterricht wieder begonnen hat. Silas ist, wenn er auch gerne zu Hause gelernt hat, froh, wieder in die Schule gehen zu können. Es sei nicht schön gewesen, seine Freunde nicht sehen oder mit ihnen spielen zu können, sagt er. Ganz zufrieden ist er jedoch noch nicht, denn „es ist blöd, nicht alle sehen zu können“. Das liegt an der Aufteilung der Klasse in zwei Gruppen – die Vorfreude auf eine Wiedervereinigung ist daher groß.

Die Familie unter einem Hut

Silas, Emilia (18) und Amelie (15) mussten über Wochen zu Hause lernen. Da sei es nicht leicht gewesen, einen Tagesrhythmus einzuhalten und alle Interessen unter einen Hut zu bringen, so Andrea Steiner, zumal ihr Partner Benno Kaiser nachts als Bäcker arbeitet und dann am Tag schläft. Zudem habe das Internet, auf das die beiden Mädchen, die ebenfalls die Waldorfschule besuchen, beim Lernen angewiesen sind, immer wieder versagt. Die Stimmung sei teilweise ziemlich gereizt gewesen.

Die positiven Aspekte

Als Glück im Unglück empfindet Andrea Steiner die Tatsache, dass sie bedingt durch den Lockdown derzeit zu Hause ist. Hätte sie wie gewohnt arbeiten gehen müssen, wären Familie, Landwirtschaft – Benno Kaiser und Andrea Steiner betreiben den Ziegenhof in Menzenschwand – und Beruf kaum unter einen Hut zu bringen gewesen, sagte sie. In anderer Hinsicht hatte die Familie bislang ebenfalls Glück: „Für alle wäre es schlimm gewesen, wenn die Kinder in Quarantäne gemusst hätten“, sagt die Mutter.