Nein, isoliert fühlte man sich ganz und gar nicht beim virtuellen Karfreitagsgottesdienst, dem ersten Zoom-Gottesdienst der evangelischen Christusgemeinde St. Blasien überhaupt. Dazu war viel zu viel Sicht-, Hör- und auch Gesprächserlebnis zwischen den Teilnehmern. In gewisser Weise konnte man sogar mehr, zumindest eine andere Form von Nähe spüren, als das bei einem herkömmlichen Präsenzgottesdienst möglich ist, und das war dann doch eine erstaunliche Erfahrung.

Das könnte Sie auch interessieren

Gut 50 Gläubige, vorwiegend aus St. Blasien und Weinheim/Bergstraße, hatten sich zu diesem Anlass eingewählt, denn Pfarrerin Monika Lehmann-Etzelmüller in Weinheim und Pfarrerin Lisa Rudzki, St. Blasien, zelebrierten den Gottesdienst gemeinsam – jeweils vor dem heimischen Rechner. Virtuell zugeschaltet hatte sich auch Pfarrer Traugott Weber, Lisa Rudzkis Amtsvorgänger in St. Blasien.

Die junge Pfarrerin ist von ihrer ehemaligen Kirchengemeinde Weinheim her, wo sie ihr Vikariat absolviert hat, mit Zoom-Gottesdiensten gut vertraut. Zwei Premieren brachte der Karfreitagsgottesdienst in St. Blasien aber auch für sie mit sich: Es war ihr erster Abendmahlsgottesdienst als Pfarrerin in St. Blasien und ihr erster Zoom-Gottesdienst mit Abendmahl überhaupt.

Dass man ihn so intensiv erlebte, lag deutlich auch an den Mitmachangeboten. Allein die Lesung der Leidensgeschichte Jesu nach Markus, Kapitel 15, die mit berühmten Passionsszenen der Kunstgeschichte unterlegt und abschnittsweise von musikalischen Beiträgen unterbrochen wurde, schaffte eine emotionale Nähe zum Passionsgeschehen, die sich im gewohnten gottesdienstlichen Setting so nicht einstellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Als die Teilnehmer anschließend den zuvor gehörten Passionstext auf ihren Bildschirmen schwarz auf weiß in großer Schrift und voller Länge sehen, werden sie nun aufgefordert, das für sie wichtigste Wort der Geschichte via Chat in die Runde zu schicken. Ungewohnte Aufgabe, die einen in ungewohnter Weise über diesen altbekannten Text stolpern lässt. „Gottes Sohn“ ist da zu lesen, oder „Kreuz“ oder „Finsternis“.

Die Teilnehmer schreiben auch, was sie gerade denken, was sie fühlen. „Der Tod, der Schmerz macht mir Angst“, schreibt eine Frau.

Das könnte Sie auch interessieren

Augenblicke einer ungewohnten Form von Nähe erlebte man auch beim Abendmahl, als Teilnehmer wie Akteure vor ihren Monitoren Brot und Wein in der virtuellen Gemeinschaft achtsam verzehrt haben. Auch Lisa Rudzki selbst hat der Zoom-Gottesdienst viel gegeben: „Zum Beispiel das Erlebnis, miteinander verbunden zu sein, obwohl man gar nicht miteinander am selben Ort ist“, sagt sie.