Hohe Wellen hat es geschlagen, als im Radon Revital Bad ein Fehlbetrag von rund 100.000 Euro festgestellt worden war, Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermittelten. Inzwischen wurde die derzeit freigestellte Führungskraft wegen Untreue im Wege des Strafbefehls zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach ihrem Einspruch gegen den Strafbefehl begann am Dienstag nun die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht St. Blasien mit der Vernehmung eines Zeugen. Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

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„Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, beteuerte die Angeklagte angesichts des Tatvorwurfs. Sie soll von Anfang 2016 bis April 2018 Tageseinnahmen des Bades in Höhe von knapp 18.000 Euro veruntreut haben. Im selben Zeitraum hatte sie knapp 46.000 Euro bar auf ihre Privatkonten eingezahlt. Die Direktorin des Amtsgerichtes, Susanne Lämmlin-Daun, wies eingangs darauf hin, dass sie, wenn sie nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung den Vorwurf für gerechtfertigt halte, nicht an das Strafmaß des Strafbefehls gebunden sei. Auch eine höhere Strafe als die Geldstrafe von 90 Tagessätze zu je 60 Euro, die die Richterin als „extrem günstig“ bezeichnete, sei möglich. In diesem Fall käme es auch zu einem Eintrag in das Führungszeugnis.

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Die Indizienlage sei relativ eindeutig, gab die Richterin der Angeklagten für ihre Überlegungen auf den Weg. Zudem habe die Staatsanwaltschaft den in Rede stehenden Betrag zugunsten der Angeklagten heruntergerechnet. Die Angeklagte beteuerte jedoch nach wie vor ihre Unschuld.

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Sie schilderte, dass es zu ihren Aufgaben gehörte, die Tageseinnahmen bei der Bank einzuzahlen. Die Einnahmen der jeweiligen Schichten mit den entsprechenden Belegen seien jeweils in Umschläge gelegt und diese in Geldbomben deponiert worden. Diese seien in einem tagsüber nicht verschlossenen Tresor in dem für alle Mitarbeiter zugänglichen Technikraum aufbewahrt worden. Zwei- oder dreimal wöchentlich habe sie die Geldbomben dann zur Sparkasse gebracht und das Geld eingezahlt. Die Geldbomben und die Geldbeträge seien nicht kontrolliert worden, betonte die Angeklagte.

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Die Bareinzahlungen auf ihre Privatkonten erklärte sie damit, das Geld, das unter anderem aus Nebeneinnahmen, Darlehensrückzahlungen ihrer Schwiegermutter seit dem Jahr 2000 sowie Einnahmen aus der Vermietung einer Ferienwohnung stamme, zu Hause aufbewahrt und später auf ihre Konten eingezahlt zu haben. „Sie haben das Geld in der Schublade versteckt und dann 2016 bis 2018 eingezahlt? Das kann keiner glauben“, hielt Richterin Lämmlin-Daun der Angeklagten entgegen. Es sei schon eine komische Konstellation, dass sie ausgerechnet in den Jahren, in denen im Radonbad Geld verschwunden sei, so viel eingezahlt habe. Immer wenn Rechnungen fällig geworden seien, habe sie die entsprechenden Beträge auf ihre Konten eingezahlt, begründete die sie die Einzahlungen.

Frust wegen zu schlechter Bezahlung

Die Frau sprach zudem von dem Frust, im Vergleich zu dem ehemaligen Geschäftsführer zu wenig Geld für ihre Arbeit mit unzähligen Überstunden zu bekommen. Sie habe das Bad mit aufgebaut und sei mit Leib und Seele dabei gewesen, sagte sie. Den Frust bezeichnete die Richterin als möglichen Anreiz für die Tat und fragte: „Haben Sie die Überstunden selbst bezahlt?“ Die Angeklagte wies dies vehement zurück.

Der ehemalige Geschäftsführer des Radonbades erklärte, es sei Aufgabe der Angeklagten gewesen, die Einnahmen und Umsätze zu prüfen. Dies habe sie auch in seiner Anfangszeit als Geschäftsführer, als man sich noch ein Büro geteilt habe, getan. Auch später habe er sie sporadisch beim Zählen der Einnahmen gesehen. Die Angeklagte blieb indes bei ihren Angaben, die Einnahmen nicht kontrolliert zu haben.

Der Tresor

Auf die Frage der Richterin nach weiteren Möglichkeiten, wo das Geld geblieben sein könnte, erklärte der Zeuge, er sei davon ausgegangen, dass der Tresor tagsüber verschlossen gewesen sei. Falls dies aber nicht der Fall gewesen sein sollte, hätten auch weitere Personen, wie Reinigungskräfte, die ihr Material in dem Technikraum aufbewahrten, Zugang zu dem Tresor gehabt.

Korrekte Einzahlungen

Staatsanwältin Christina Siegfried brachte zur Sprache, dass während eines Urlaubs der Angeklagten die Einnahmen durch eine Mitarbeiterin korrekt bei der Sparkasse eingezahlt worden waren, während es zu zuvor und auch danach zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. Als möglichen Grund nannte die Angeklagte die Tatsache, dass die Mitarbeiterin das Geld anders als sie täglich zur Sparkasse gebracht hatte.