Seit Jahrzehnten befasst sich der gebürtige Slowake mit der Planung und Beratung von Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen. Gerne habe er in der Vergangenheit die Angebote des Radonbades genutzt, erzählt Morar, der seit einigen Jahren in St. Blasien lebt. Die Verbundenheit mit der Region mit der bestehenden Infrastruktur sei ein Antrieb gewesen, die Aufgabe zu übernehmen.

Leere Liegestühle und ein abgedecktes Außenbecken: Im Radon Revital Bad in Menzenschwand sind derzeit nur medizinisch notwendige und verschriebene Anwendungen möglich. Bilder: Sebastian Barthmes
Leere Liegestühle und ein abgedecktes Außenbecken: Im Radon Revital Bad in Menzenschwand sind derzeit nur medizinisch notwendige und verschriebene Anwendungen möglich. Bilder: Sebastian Barthmes | Bild: Sebastian Barthmes

Allerdings: Eine seiner Stärken sei immer die Ehrlichkeit gewesen. Er werde also klar sagen, welche Meinung er vom Unternehmen und seiner Zukunft habe, sagt Morar. Die Bestandsaufnahme, die er nun angeht, „muss gründlich sein, denn gleichzeitig entsteht auch ein neues Konzept“, erläutert er. Vor Antritt seiner neuen Tätigkeit habe er einen Drei-Tage-Quickcheck gemacht, um beispielsweise zu erfahren, was ansteht. Unklare Zuständigkeiten und die Führung insgesamt seien eines der Probleme, die in den Gesprächen mit den Mitarbeitern benannt wurden.

Defizit wegen Corona größer

Die Finanzsituation müsse er erst noch kennenlernen. Jedoch könne er schon jetzt sagen, dass das Defizit in diesem Jahr durch Covid-19 „erheblich größer“ ausfallen werde. Als Grund nannte er unter anderem die fehlenden Einnahmen aus privat bezahlten Wellnessbehandlungen, dem Saunabetrieb und dem Badebetrieb. Derzeit laufe nur das, was aus medizinischen Gründen verordnet worden ist.

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Im Jahr 2013 hatte Rene Morar einen Workshop für Mitarbeiter des Bades geleitet. Schon damals habe er Kritik der Mitarbeiter an der Struktur gehört. Aus dem Kreis der Mitarbeiter sei er wohl nun auch als Geschäftsführer vorgeschlagen worden.

Rene Morar ist in der damaligen Tschechoslowakei geboren und 1968 über Österreich nach Deutschland geflüchtet. In Deutschland und Belgien absolvierte er seine medizinische Ausbildung, in Stuttgart folgte das Ingenieurstudium, sagt der Anästhesist und Diplom-Ingenieur, dessen Schwerpunkt die medizinische Informatik ist.

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Seiner klinischen Tätigkeit folgte die Arbeit in einem großen Beratungsunternehmen, wo er die Abteilung für die Konzeption von Krankenhausneubauten aufbaute. Verantwortet habe er beispielsweise Neubauten der Universitätskliniken in Leipzig, Greifswald oder Marburg. Später machte er sich mit zwei Partnern in Ibach-Mutterslehen selbständig. Im Mittelpunkt stand die Beratung von Krankenhäusern und Einrichtungen im niedergelassenen Bereich, erläutert Morar. Das Büro zog nach Freiburg um, ging in einem größeren Beratungsunternehmen auf.

Als Berater tätig

Auch zuletzt war Rene Morar freiberuflich als Berater tätig – nach einer kurzen beruflichen Pause hat der 70-Jährige nun wieder eine Aufgabe übernommen. „Es wird kein einfacher Job“, betont er. Er habe ein Projekt übernommen, „das Maßnahmen verlangt, die vielleicht nicht sehr beliebt sein werden“.

Am Ende werde es eine Transformation geben, die allerdings nur funktionieren könne, wenn auch der Austausch mit den Mitarbeitern funktioniere. Die Kommunikation, so der neue Bad-Geschäftsführer, sei entscheidend und steigere die Motivation. Nach den bisherigen Gesprächen wisse er, dass er motivierte Mitarbeiter habe, berichtet Morar.

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Welche Projekte sind in der Vergangenheit begonnen und nicht zu Ende geführt worden, welche Bereiche sind zukunftsfähig, welche nicht – all die Fragen wolle er in den kommenden Monaten beantworten. Man könne aber auf alle Fälle nicht alles und davon jeweils nur ein wenig haben. Bei der zukünftigen Ausrichtung müsse man sich danach richten, was an Infrastruktur vorhanden ist, welche Mitarbeiter schon da sind oder welche Fachkenntnis in der Region verfügbar sei. Auf alle Fälle müsse das Radon Revital Bad als eine Einrichtung mit einem spezifischen Alleinstellungsmerkmal bekannt gemacht werden, so Morar.

Viele Lösungen seien für das Radonbad in Menzenschwand theoretisch möglich – von der Schließung bis zum Verkauf. Die Größe des Bades sei aber seiner Meinung nach nicht entscheidend und „es ist nicht gesagt, dass ein kleiner Betrieb nicht funktioniert“.

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Für Rene Morar ist es aus unterschiedlichen Gründen ein besonderes Projekt: Er lebt selbst in der Region und will die liebgewonnene Infrastruktur möglichst erhalten. Außerdem sei er bislang eben immer als Berater tätig gewesen, der Lösungen vorgeschlagen hat und dann gegangen ist. Als Geschäftsführer müsse er nun, zusammen mit den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung und im Gemeinderat, mögliche Konzepte auch umsetzen – auch wenn sie möglicherweise schmerzen werden.