Ein Kunstwerk geschaffen hat in St. Blasien im Mai unbemerkt von der Öffentlichkeit das in Wien lebende Künstlerduo Roswitha Schuller und Markus Hanakam. Die Bildende Kunst kommt in Form von bewegten Bildern als rund fünfminütiges Video daher. Gezeigt wird es bei der ersten Biennale in Freiburg, veranstaltet von der Freiburger Macromedia-Akademie, die am Samstag eröffnet hat.

Das Kunstwerk heißt „The Moist Cabinet“ – ein Zitat aus dem Shakespeares-Gedicht „Venus und Adonis“. Das der filmischen Installation zugrunde liegende Motiv ist die Geschichte der Luftkurorte im Schwarzwald. „Wir sind fasziniert von der besonderen Art von Feuchtigkeit, die man im Schwarzwald findet“, sagt Roswitha Schuller. Deshalb gebe es im Film auch Moos zu sehen und fließendes Wasser, die auch in Nahaufnahmen gezeigt werden. Die Videoarbeit, in der sowohl zwei Tonspuren wie auch zwei Bildspuren nebeneinander herlaufen, wurden einerseits im Hildenbrandsaal der ehemaligen St. Blasier Lungenklinik aufgenommen, zum anderen in einem Waldstück in Lenzkirch nahe des Black Forest Institute of Art, einer Außenstelle der Macromedia-Akademie.

Bei ihren Recherchen zur Geschichte der Luftkurorte hatten Schuller und Hanakam ein Bild entdeckt, auf dem eine Pergola beim ehemaligen St. Blasier Lungensanatorium zu sehen war, eine überdachte Fläche im Freien, wo die Patienten ihre Liegekuren abhielten: „ein geschützter Innenraum mitten Wald“, sagt Roswitha Schuller. Das Ineinanderfließen von (Innen-)Räumen und Außenwelt ist ein durchgängiges Thema im Studioprogramm der Biennale, es soll sich widerspiegeln und tut das auch in „The Moist Cabinet“: Dass Wasser, Luft und Wald im Erlebnis zum geschlossenen Innenraum werden können, ist zentrales Thema dieser Arbeit.

Der Schwarzwald mit seiner Anmutung von Wohltat und Heilung hänge mit dem Motiv des Sanatoriums zusammen. Einen Tag lang hatte sich das Team im ehemaligen St. Blasier Sanatorium aufgehalten und im Speisesaal eine erdnussförmige, hellgrüne Plastik platziert, die mit dem Ambiente des Saals, das vor allem von den Wandmalereien des Künstlers Adolf Hildenbrand (1881 bis 1944) geprägt ist, Gesamtwirkung entfaltet. Auf der zweiten Videospur sieht man unter anderem eine kleine Prozession von Menschen, die sich, verdeckt von bunten Schilden, durch schöne Natur bewegen. Auf den beiden Audiospuren hört man dazu von jeder Seite her ein Gedicht, das Schauspieler eingesprochen haben: das besagte Shakespeare-Gedicht und eines von Bettina von Arnim.