Der organist Giampaolo Di Rosa aus Rom begeisterte bei den Domkonzerten in St. Blasien mit feinsinniger Darbietung. Den Anfang machte Giampaolo Di Rosa mit César Francks Choral III in a-moll aus dem Jahr 1890. Den mehrfachen Ausrufezeichen zu Beginn, gesetzt durch mächtig sich aufwölbende Akkordtürme, folgt das von Franck selbst stammende, gemächlich sich präsentierende Choralthema.

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Die lyrische Legatokantilene des Mittelteils wird mit sanft bewegten Begleitstimmen untermalt, die in der Folge, mit dem Charakter des Choralthemas kombiniert, zu einer immer komplexeren Satzstruktur anschwellen und in dramatischer Steigerung zum machtvollen Schlusspunkt führen. Diesem volltönenden Beginn ließ der Organist vier kurze Sonaten aus der Feder von Domenico Scarlatti folgen, mit lebhaften, ausgesprochen fröhlichen, bildhafte Assoziationen weckenden Melodien.

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Die erste erinnerte an ein deutlich hurtiger als gewöhnlich angestimmtes Jagdsignal, die zweite war tänzerisch angelegt mit einem leisen Hauch von Melancholie, die dritte beinahe im Charakter einer Spieluhr und die vierte wirkte mit ihren vollen Akkorden, dem rasanten Auf und Ab der Läufe und neckisch gegen den Strich gebürsteten Akzenten wie die Szene eines turbulenten Festes.

Anmut, gepaart mit dem spielerischen Reiz leichter Verzögerung des jeweiligen Zieltons einer Phrase, wodurch dieser im Grunde als Anfangston der folgenden gehört wurde, charakterisierte die Interpretation des Andante aus Mozarts Sonate KV 309. Und den ersten Satz aus Beethovens Waldsteinsonate in der Bearbeitung des Organisten selbst gestaltete dieser als dramatischen, energiegeladenen Gefühlssturm von schwindelerregendem Tempo.

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Bachs lyrische Vertonung des lutherischen Kirchenliedes „Schmücke dich, o liebe Seele“ hingegen wirkte mit ihren Trillerkringeln in der Melodie wie mit Goldstaub verziert, während als deren Gegenpol ein tiefer, voranschreitender Bass auch in den melodischen Pausen die polyphon gearbeitete Begleitung untermauerte.

Die folgende Improvisation des 1972 geborenen Organisten war eine sehr eigenständige, ausdrucksstarke, im Aufbau klar strukturierte, komponiert wirkende, farbenprächtige Szenerie. Sie führte die die Zuhörer nach ruhiger Themenexposition gleich in wild gestikulierende, mit Rufgesten durchsetzte Attacken. In der Folge versuchte die Melodie, sich die Führung zurückzuerobern, wurde indes von kurzen Staccatoschlägen vertrieben. Erst am Schluss kehrte mit dem ganz einfach gestalteten Abgesang Frieden ein.

Quasi attacca schloss Giampaolo Di Rosa an seine Improvisation Widors Toccata F-Dur aus der V. Orgelsymphonie an, die mit ihrem wuchtigen Stil sehr gut zum gerade Gehörten passte. Trotz dieser Wucht verstand es der Organist, die Interpretation dieser höchst anspruchsvollen Komposition mit klaren Konturen und deutlichen dynamischen Abstufungen zu strukturieren, einzelne Spielfiguren hervorzuheben und so der Klangfülle auch die entsprechende Wirkmacht zu verleihen.

Beim endgültig letzten Zusatztermin der Reihe wird am kommenden Dienstag Giulia Biagetti aus Lucca unter anderem Werke von Bach, Kirnberger, Bossi und Williams interpretieren. Außerdem kündigte der künstlerische Leiter der Internationalen Domkonzerte, Bernhard Marx, bereits als weitere Termine den 24. Oktober mit den Regensburger Domspatzen sowie das Adventskonzert am 12. Dezember an. Beide Konzerte werden voraussichtlich auch jeweils zweimal hintereinander, um 16 Uhr und um 20.15 Uhr, stattfinden.