Eine zunächst verbale Auseinandersetzung zwischen einem 31-Jährigen und einer Bekannten ist handgreiflich fortgesetzt worden – die junge Frau ist dabei verletzt worden. Wegen Körperverletzung musste sich der Mann nun vor dem Amtsgericht St. Blasien verantworten. Gerichtsdirektorin Susanne Lämmlin-Daun verurteilte den mehrfach Vorbestraften zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung.

Die Vorstrafen

Mehrere Eintragungen des 31-jährigen Angeklagten weist das Bundeszentralregister aus, alle Verurteilungen erfolgten wegen Vermögensdelikten, unter anderem wegen Betruges. Zuletzt verbüßte er eine Haftstrafe und wurde im April 2020 aus der Haft entlassen. Anschließend nahm ihn die junge Frau, die er über Bekannte kennengelernt hatte, in St. Blasien bei sich auf.

Der Vorfall

Das Verhältnis gestaltete sich aber als nicht ganz einfach. Ende Mai 2020 eskalierte die Situation, es kam zu einer Auseinandersetzung, die zunächst verbal ausgetragen wurde. Die junge Frau zog sich daraufhin in ihr Schlafzimmer zurück, der Angeklagte folgte ihr. Da sie sich bedrängt fühlte und sich nicht anders zu helfen wusste, verpasste sie ihrem Mitbewohner eine Ohrfeige, der Auftakt zu Angriffen des Angeklagten. Er ohrfeigte die junge Frau mehrfach, stieß sie heftig gegen einen Schrank und setzte sich, nachdem sie gestürzt war, auf ihren Rücken, bevor er von ihr abließ. Die junge Frau erlitt eine Gehirnerschütterung, Prellungen und Schürfungen. Nach der Tat reiste der Angeklagte nach Niedersachsen ab, wo er seither lebt und eine schulische Maßnahme absolviert.

Geständnis und Plädoyer der Staatsanwaltschaft

Er räumte das Geschehen unumwunden ein. Staatsanwalt Pascal Attrodt beantrage eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, wobei er zulasten des Angeklagten die hohe Rückfallgeschwindigkeit – die Tat ereignete sich nur wenige Wochen nach der Haftentlassung – ins Feld führte. Für eine Strafaussetzung zur Bewährung sah er keinen Raum, nicht zuletzt im Hinblick auf das Vorliegen eines Bewährungsbruchs.

Die Verteidigung

Anders sah dies Verteidigerin Petra Pfahl. Zugunsten ihres Mandanten wollte sie berücksichtigt wissen, dass seine Tat erst durch die Ohrfeige der jungen Frau ausgelöst wurde. Und: Der Angeklagte sei zwar vorbestraft, aber nicht einschlägig, sondern wegen Vermögensdelikten, fuhr sie fort. Zudem seien die Kindheit ihres Mandanten und seine schwere Erkrankung zu berücksichtigen.

Der Hintergrund des Angeklagten

Er hatte zuvor von einer Kindheit in verschiedenen Heimen und Pflegefamilien und einer schweren Herzerkrankung in Alter von 18 Jahren berichtet, die zum Abbruch seiner Ausbildung geführt hatte und ihn bis heute beeinträchtigt. Für eine Bewährung sprach aus Sicht der Verteidigerin die enge Bindung an seine Partnerin, mit der er drei Kinder hat, und seine schulische Weiterbildung.

Das Urteil

Richterin Lämmlin-Daun verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, deren Vollstreckung sie zur Bewährung aussetzte. Zudem muss er zur Schadenswiedergutmachung 1000 Euro an die junge Frau zahlen. Sie habe den Eindruck gewonnen, dass der Angeklagte sich die Tat zur Warnung dienen lassen werde, sagte sie zu der Strafaussetzung zur Bewährung.

Die Begründung

Zudem sei er nicht einschlägig vorbestraft, was die Tat zwar nicht besser mache, aber bei der Frage der Bewährung zur berücksichtigen sei. Was den Bewährungsbruch betreffe, sei aber zu berücksichtigen, dass das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und der jungen Frau nicht ganz einfach gewesen sei und diese zuerst die Hand erhoben habe. Alles in allem hielt es die Richterin für vertretbar, die Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen.