Die große Vielfalt klanglicher Möglichkeiten der St. Blasier Domorgel hat eindrücklich der künstlerische Leiter der Internationalen Domkonzerte, Bernhard Marx, in seinem Konzertprogramm demonstriert. Angefangen mit Bach über Balbastre und Beethoven bis Vierne erstreckte sich sein Programm nicht nur über vier Jahrhunderte, sondern bot zudem eine große Bandbreite kompositorischer Ausdrucksformen.

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Bachs Sinfonia D-Dur aus der Leipziger Ratswahl-Kantate von 1731 „Wir danken dir Gott, wir danken dir“ wirkte mit ihren quirligen Läufen in der Oberstimme zu abgesetzten Harmonieakkorden der Begleitung ausgesprochen munter und unterhaltsam. Bach hat sie vermutlich auf eine weltliche Kantatenvorlage komponiert, die er mehrfach verarbeitete, unter anderem auch in einer Partita für Violine Solo.

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Fröhlich spielte Marx auf in der folgenden Triosonate Bachs, einer für die Orgel speziellen Kompositionsart, da der Organist, wie Marx zu Beginn ausführte, in der Lage ist, alle drei herkömmlich einem Trio zugeordneten Instrumente alleine auszuführen: eines in der rechten, eines in der linken Hand und das Bassinstrument im Pedal. Mit fliegenden Fingern eilte das Allegro dahin, während das Largo in gemessenem Schreittempo und mit deutlich voneinander abgesetzten, fugierten Einsätzen erklang. Ein verspieltes, mit aufgelockerten Stakkati durchsetztes Allegro beschloss diese Komposition.

Als Hommage an den französischen Nationalfeiertag, an dem dieses Konzert erklang, spielte Marx Balbastres „Marche des Marseillais et l‘Air ‚Ca ira‘“ von 1792. Der triumphalen Themenvorstellung folgten in programmmusikalischer Manier teils tumultartig kampfbetonte, teils überraschend zart geflötete Variationen mit prägnantem Jubel als Schluss. Wie Vogelgezwitscher klangen im Vergleich die folgenden Stücke für die Flötenuhr aus der Feder Ludwig van Beethovens aus dem Jahr 1799, geschrieben für die in der Zeit des Komponisten beliebten Musikautomaten. Wie Marx zu Beginn erläuterte, war das Manuskript dieser Kompositionen verschollen, wurde aber anhand einer im Zweiten Weltkrieg ebenfalls verloren gegangenen Walze 1927 rekonstruiert.

In Louis Viernes dritter Orgelsymphonie, einem sinfonischen Werk, brachte Marx sein überragendes Können auf dem Instrument voll zur Geltung. Bestimmt, mit markanten Absätzen zwischen den Floskeln, braust der volle Orgelklang zu Beginn daher, macht dann einem lyrischen zweiten Thema Platz, das in sich gleitend abwärts steigt, um sich in erneutem Aufbau zu gigantischen Klangmassen zu steigern. Im „Cantilène“ bezeichneten zweiten Satz erhebt sich aus dem sphärisch anmutenden Einsatz eine klagende Linie, weitet sich quasi ins wehmütig Erzählerische aus.

Geschäftig, energiegeladen und vorwärtsdrängend kommt das kleinteilig strukturierte „Intermezzo“ daher, von Marx zu Recht mit Dukas‘ „Zauberlehrling“ verglichen. Das folgende „Adagio“ prägt im Gegensatz dazu eine schwer lastende Trauergeste aus, an ein inniges Gebet gemahnend, das sich in der Folge ganz in ein verinnerlichtes Pianissimo zurücknimmt und schließlich mit dem Aufleuchten einer aufsteigenden Linie entspannt ausklingt. Das Finale wirkt wie in Aufbruchstimmung begriffen. In extremer Intensivierung türmen sich Schicht auf Schicht, wobei es Marx meisterlich gelang, die mannigfachen Details dieser komplexen Anlage deutlich unterscheidbar zu artikulieren.

Lang anhaltender Applaus war der Lohn für dieses abwechslungsreiche Konzertprogramm, den Marx seinerseits mit einer weich fließenden, wie ein im Raum schwebendes Traumgebilde wirkenden Zugabe belohnte.

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