Die Menschen wollen in die Natur und sie gehen auch dorthin. Mit einem eigens entwickelten Konzept wollen die Kommunen des Gemeindeverwaltungsverbands St. Blasien (GVV) dieser Situation gerecht werden. Das Angebot wird von vielen Menschen genutzt und gelobt – aber es gibt auch Kritik. Gerechtfertigt sei die nicht, sagt St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst.

Weitläufig: Beim Spazieren und Wandern in der Winterlandschaft sollen die Menschen sich gut aus dem Weg gehen können.
Weitläufig: Beim Spazieren und Wandern in der Winterlandschaft sollen die Menschen sich gut aus dem Weg gehen können. | Bild: Ute Maier

Den Grundgedanken des GVV-Konzepts beschreibt Verbandsvorsitzender Probst so: „Wir möchten Angebote schaffen und uns nicht abschotten.“ Zumindest die Angebote, die, abgesehen von den Skiliften, ohnehin bestanden, und möglichst noch einige mehr wollten die Gemeinden ihren Bürgern auch in diesem durch Covid-19 geprägten Winter bieten. Denn das Ziel des Vorhabens sei die Entzerrung. Die vielen Winterliebhaber sollten sich möglichst gut aus dem Weg gehen können.

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Schon frühzeitig hatten sich die Verantwortlichen in den sieben GVV-Gemeinden Gedanken über den Winter gemacht. Denn schon im Sommer sei beispielsweise klar gewesen, dass viel mehr Menschen zu Skitouren aufbrechen wollen – die Nachfrage nach der entsprechenden Ausrüstung hatte sich mehr als verdoppelt, sagt Probst. Also überlegten Kommunen und Vereine, darunter der Loipenverein Bernau, wo zusätzliche Loipen, Rodelhänge und Wanderwege gespurt und gewalzt und wo Strecken für Skitouren ausgewiesen werden können. Auch zusätzliche Parkflächen entstanden.

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Aktive Besucherlenkung sei besser als reine Verbote, ist Adrian Probst überzeugt. Die Menschen könnten mit genügend Abstand zu anderen Menschen den Schnee und die frische Luft genießen, die Angebotsvielfalt sei auch so groß, dass die Ruhezonen für Wildtiere auch wirklich in Ruhe gelassen werden könnten.

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31 Orte in St. Blasien, Menzenschwand, Bernau, Häusern, Höchenschwand, Dachsberg, Ibach und Todtmoos sind auf der eigens erstellten Karte zu sehen. Beschrieben ist auch, ob man dort oder von dort aus rodeln oder in eine Loipe einsteigen, eine Wanderung oder Skitour beginnen kann. An allen markierten Orten sind auch Plakate mit Regeln angebracht, die beispielsweise auf die geltenden Abstandsregeln hinweisen oder um Rücksicht auf die Wildtiere bitten.

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Mit einem zusätzlichen Angebot hat es die Stadt St. Blasien in überörtliche Medien geschafft: Menschen können das sogenannte Pistenbully-Taxi (160 Euro) buchen. Dabei werden sie durch die Winterlandschaft rund um Menzenschwand gefahren. Das Angebot sei ein Testlauf und werde bereits gut angenommen – alleine am Montag habe es rund 20 Anfragen gegeben, sagt Bürgermeister Probst.

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Mit 300 PS und hohem Treibstoffverbrauch durch die Natur fahren? Das müsse nicht sein, schreiben und sagen einige Kritiker. Doch der Kritik widerspricht Probst: Natürlich verbrauche die Pistenraupe viel Treibstoff. Doch das Fahrzeug sei sowieso unterwegs, um die Loipen und Wege zu präparieren. Und die Einsätze werden wenn möglich zusammen mit den gebuchten Fahrten geplant. Es klappe auch sozusagen immer, dass durch das Angebot keine zusätzlichen Fahrten anfallen.

Die Kosten

Mit den Einnahmen mache die Stadt keinen Gewinn, überhaupt koste die Umsetzung des Winterkonzepts vor allem Geld. Die GVV-Gemeinden haben bereits an einigen Stellen Spendenkässchen aufgestellt, weitere sollen folgen. Auf diese Weise soll wenigstens ein kleiner Teil der Kosten gedeckt werden.

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Die Rücksichtnahme auf die Natur sei ihm aber wichtig, sagt Adrian Probst. Die meisten Menschen, so die Erfahrung, würden sich an die Regeln halten, sagt er. Diejenigen, die es nicht tun, spreche man freundlich an. Aber man werde zum Beispiel verstärkt auf die Skitourengeher zugehen, die von den ausgewiesenen Strecken abweichen und damit das Wild in seiner Winterruhe stören.