Der Sanagarten ist ein Juwel, erhaltenswert aber stark sanierungsbedürftig – und ein teures Projekt. Seit Jahren bemühen sich Freiwillige darum, die Anlage wieder in altem Glanz erscheinen zu lassen. Es gibt konkrete Pläne, die aber nur mit Hilfe von Sponsoren, Zuschüssen und Eigenmitteln der Stadt umgesetzt werden können. Und genau das ist das Problem, vor dem die Gemeinderäte angesichts der finanziellen Situation der Stadt stehen: Soll ein Planungsauftrag vergeben werden, auch wenn die Finanzierung noch nicht gesichert ist?

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Lang diskutierten die Gemeinderäte am Dienstag in öffentlicher Sitzung. Es gab Argumente für und gegen eine Ausschreibung zu diesem Zeitpunkt. Schließlich fiel die Entscheidung, vor der Auftragsvergabe zunächst wichtige Fragen zu klären.

„Viel, viel Energie wurde bisher in den Sanagarten investiert, in Gespräche und Planungen“, sagte Bürgermeister Adrian Probst zu Beginn der Diskussion. Und die Anlage sei wichtig. Die Frage sei allerdings, wie man einen machbaren Finanzierungsplan aufstellen könne, zumal Fördermittelgeber – das Denkmalamt und auch Stiftungen – eigentlich davon ausgehen, dass zunächst die Stadt in Vorleistung trete. Aber das könne St. Blasien derzeit nicht leisten.

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Über mehrere Jahre verteilt könne die Kommune höchstens 200.000 Euro für das Großprojekt aufbringen und die vom Förderverein angepeilten 100.000 Euro seien auch „ein echtes Wort“, so Probst. Könne man angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen einen Planungsauftrag für den ersten Bauabschnitt erteilen und damit eine Verpflichtung über etwa 50.000 Euro eingehen, ohne zu wissen, ob alle Bauabschnitte auch finanziert werden könnten, fragte er und zeigte sich skeptisch.

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Das Thema „juckt uns sehr in einer Situation, in der wir im dicken Nebel der Ungewissheit fahren“, sagte Gemeinderat Thomas Mutter. Zwei Möglichkeiten sehe er: Man könne stehenbleiben und warten, bis sich der Nebel verzogen hat, oder aber man fahre behutsam weiter. Er empfehle, vorsichtig und auf Sicht das Projekt weiter zu verfolgen, also den Planungsauftrag jetzt zu vergeben. Eine Entscheidung über die Verwirklichung des ersten Bauabschnittes müsse sowieso erst im Frühjahr fallen. Aber der Auftrag zur Planung sei ein ganz wichtiges Signal, dass man das Projekt ernst nehme.

Gemeinderat Christoph von Ascheraden, der auch Vorsitzender des Fördervereins Sanagarten ist, sieht in dem Planungsauftrag sogar eine historische Entscheidung. Treffe man die nicht, würden sich auch mögliche Geldgeber zurückziehen. Und dann, so befürchtet er, sei die Sanierung des Sanagartens über viele Jahre nicht mehr möglich.

Sorge um Finanzierung

Kritisch sahen die anstehende Entscheidung mehrere Gemeinderatsmitglieder. Frank Defrenne sagte, es sei eine Freude, den Sanagarten genießen zu können. Aber ein Planungsauftrag sei nicht nur eine Entscheidung über 50.000 Euro, sondern eigentlich über die gesamten 200.000 Euro, die von der Stadt beigesteuert werden müssten. Aber das Geld habe man nicht. Seiner Meinung nach müsste ein Projekt bis zum Schluss finanziert sein, schließlich könne man nicht zwischendurch die Arbeiten beenden.

Auch Fabian Schmidt sagte, „wir wissen nicht, wie wir den Haushalt darstellen sollen“ und angesichts der Coronaviruskrise könne man auch nicht voraussagen, welche Herausforderungen noch auf die Stadt zukommen. Er sprach sich deshalb auch für eine Verschiebung der Entscheidung aus.

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Die Planung stehe ja eigentlich, 50.000 Euro würden also sicher nicht nötig werden. Aber man könnte in Absprache mit den bisherigen Planern sicher noch günstiger vorankommen: Jetzt könnte man den Plan und die Kostenschätzung aktualisieren sowie die Ausschreibung vorbereiten. Diese Leistung werde wohl nicht mehr als 10.000 Euro kosten. An anstehendes Gespräch mit verschiedenen möglichen Geldgebern werde hoffentlich größere Sicherheit in Bezug auch Zuschüsse bringen. Danach könnte man tatsächlich Aufträge vergeben. Zwei Varianten stellte Probst schließlich zur Abstimmung: Zunächst alle offenen Fragen klären und dann Verpflichtungen eingehen, womit man auch ein klares Bekenntnis abgeben würde, oder 50.000 Euro bereitstellen, die wichtigen Fragen klären und dann – sollten die Bedingungen stimmen – einen Planungsauftrag erteilen. Die Mehrheit stimmte für die die vorsichtigere Variante.