Das Radon Revital Bad ist eine wichtige Einrichtung der Stadt St. Blasien – und sie steckt in der Krise. Mit der Hilfe eines Restrukturierungsprogramms soll die GmbH zukunftsfähig gemacht werden. Man werde in alle Richtungen überlegen, hatte Bürgermeister Adrian Probst schon im Herbst gesagt. Nun hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eine erste Entscheidung getroffen: Die Radon-Therapie wird beendet.

Die Wannen für die Radontherapie werden ab Mai nicht mehr benötigt.
Die Wannen für die Radontherapie werden ab Mai nicht mehr benötigt. | Bild: Christiane Sahli

Beenden oder aussetzen – schon die Diskussion über die Begriffe hat gezeigt, dass es sich nicht um irgendein Thema handelt, Emotionen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Ohne Radon-Therapie fehle dem Bad das Herz, das Alleinstellungsmerkmal, hatten die Gemeinderäte Christoph von Ascheraden und Thomas Mutter argumentiert. Letztlich hatte aber eine Gemeinderatsmehrheit der Wirtschaftlichkeit ein größeres Gewicht beigemessen.

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Bürgermeister Adrian Probst und Bad-Geschäftsführer Rene Morar hatten zuvor die einzelnen Phasen des Restrukturierungsprogramms vorgestellt und mehrere Handlungsfelder benannt: Man werde alternative Eigentümer- und Betriebsmodelle (zum Beispiel Pacht, Verkauf, Managementvertrag) überprüfen. Es soll ein „engmaschiges Berichtswesen“ aufgebaut werden, um immer einen Überblick über die Entwicklung des Unternehmens zu haben. Erschwert werde die Arbeit derzeit auch dadurch, dass viele Mitarbeiter mit einem nur geringen Zeitkontingent beschäftigt werden. Das soll verändert werden, angestrebt werden mehr halbe und Vollzeitstellen. Außerdem soll eine „gesunde Kommunikationskultur im Team“ und dessen Aufbau neu gestaltet werden.

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Wichtig sei auch die Analyse des gesamten Angebots, erläuterte Morar. Das Ziel laute: „weitere und bessere Deckungsbeiträge“ zu erreichen. Die Physiotherapie könne beispielsweise ausgebaut werden, die Radon-Therapie, die den geringsten Deckungsbeitrag beisteuere, habe keine Zukunft. Das liege nicht nur an der Wirtschaftlichkeit, erläuterte Morar, sondern derzeit vor allem auch an der Radonkonzentration im Wasser. Die Quelle sei zwar 2028 saniert worden, was aber keinen dauerhaften Erfolg brachte – die Konzentration nimmt seit Jahren ab und liege derzeit unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwert.

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Fachleute hätten Zweifel, ob die Situation verbessert werden könnte. Zwar sei es möglich, für viel Geld eine neue Quelle zu erschließen, sagte der Geschäftsführer. Aber auch damit könne man nur eine Hoffnung verbinden, dass sich die Radonkonzentration bessert. Die Aussichten seien aber schlecht. Auf alle Fälle müsse man die Preisstruktur überarbeiten, denn in allen Bereichen sei das Radon Revital Bad günstiger als die Mitbewerber in der Region. Man müsse Preismodelle entwickeln, um auch die Verteilung der Besucher besser zu steuern. Schwächer ausgelastete Zeiten sollten attraktiver werden und damit Zeiten, in denen die Kapazitätsgrenze erreicht wird, entlasten.

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Christoph von Ascheraden beantragte, das Radon-Angebot nicht zu beenden, sondern auszusetzen. Außerdem sollte ein Expertengremium einberufen werden, um weitere Chancen für eine Zukunft der Radon-Therapie zu erörtern. Mit dem Ende der speziellen Therapie falle ein „Herzstück dieses Bades und seines Zuspruchs weg“, sagte Thomas Mutter. Das sieht Morar anders: Betrachte er das gesamte Angebotsspektrum, spiele die Radon-Therapie keine große Rolle. Von Ascheradens Antrag stimmten vier Gemeinderatsmitglieder zu, neun lehnten ihn ab.

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Es sei „fast vermessen“ zu sagen, der Gemeinderat entscheide, ohne vorher fachlichen Rat eingeholt zu haben, sagte Diethard Rüger. Und Fabian Schmidt betonte zwar die Bedeutung des Bades für Stadt und Region, auf die Entwicklung der Betriebsergebnisse müsse man aber reagieren, da die Verluste immer von der Stadt ausgeglichen werden müssten. Der schlechte Deckungsbeitrag der Radon-Therapie lasse für ihn nur einen Schluss zu: Sie müsse eingestellt werden, damit das Bad insgesamt eine Zukunft habe.

Die Entscheidung: Den vorgeschlagenen Schritten stimmte der Gemeinderat bei einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen zu.