Mit der Vernehmung von drei weiteren Zeugen ist das Hauptverfahren gegen eine inzwischen freigestellte Führungskraft des Radon Revital Bads fortgesetzt worden. Die Angeklagte muss sich wegen des Vorwurfs der Untreue vor dem Amtsgericht St. Blasien verantworten, sie bestreitet die Vorwürfe.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, in der Zeit von Anfang 2016 bis April 2018 Tageseinnahmen des Bades in Höhe von rund 18.000 Euro veruntreut zu haben. Nach dem ehemaligen Geschäftsführer kam nun ein Zeuge zu Wort, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft den entsprechenden Prüfbericht angefertigt hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Er berichtete, dass bis Ende 2017 ein Fehlbetrag von etwas mehr als 100.000 Euro aufgelaufen sei. „Bei ordnungsgemäßem Rechnungswesen hätte die Differenz früher auffallen müssen“, fuhr er fort. Und: Auf Mängel im Buchungssystem sei die Differenz mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit nicht zurückzuführen. Die einzige Erklärung des Zeugen: „Es müssen Bareinnahmen fehlen.“ Wie diese abhanden gekommen sein könnten, vermochte er nicht zu sagen, mehrere Personen hätten Zugang zu den Einnahmen gehabt.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf die Frage von Richterin Susanne Lämmlin-Daun erklärte der Prüfer, im Juli 2017, als die Angeklagte Urlaub gehabt habe, seien die Tageseinnahmen, anders als von der Angeklagten, von einer Mitarbeiterin tagesgenau abgerechnet und zur Bank gebracht worden. In dieser Zeit habe die Abrechnung gestimmt.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei der Prüfung der Konten der Angeklagten hatte der Zeuge im fraglichen Zeitraum Bareinzahlungen in Höhe von knapp 46.000 Euro festgestellt. Die Einzahlungen könnten nicht auf eine Rückerstattung von Auslagen, die die Angeklagte für das Bad getätigt hatte, zurückgeführt werden. Noch eines bezeichnete der Zeuge als auffällig: Nach dem Bekanntwerden des Fehlbetrages habe die Angeklagte nur noch geringe Beträge auf ihre Konten eingezahlt.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Buchhalterin des Radonbades, das der Stadt St. Blasien gehört, bestätigte die Aussage des Zeugen, dass die Fehlbeträge schon „viel, viel früher“ hätten auffallen müssen. Tatsächlich sei die Differenz aber erst nach einem Wechsel des Sachbearbeiters des Steuerberatungsbüros aufgefallen.

Das könnte Sie auch interessieren

Zum Prozedere im Bad führte sie aus, die Einnahmen seien von der jeweiligen Schicht mit entsprechenden Belegen in einen Umschlag gelegt und dieser in einem Tresor deponiert worden. Ob der Tresor verschlossen worden sei, könne sie nicht sagen. Ebenso wenig, ob die Umschläge tatsächlich in den Tresor gebracht, das Geld dort unbefugt entnommen worden oder auf dem Weg zur Bank verschwunden sei.

Ganze Umschläge verschwinden

Tatsache sei aber, dass ganze Umschläge samt Inhalt verschwunden seien. Eines betonte die Zeugin ausdrücklich: Sie wolle der Angeklagte, die sie als Seele des Bades bezeichnete, nicht unterstellen, dass sie das Geld genommen habe. Und noch etwas: „Die Angeklagte war bei der Aufklärung dabei, hat auf die Aufdeckung aktiv hingearbeitet und nichts vertuscht, ganz im Gegenteil.“ Auf die Frage, wer noch für die Tat infrage kommen könnte, erklärte die Zeugin, zu dem Raum mit dem Tresor hätten verschiedene Personen, unter anderem Reinigungskräfte, Zugang gehabt.

Mahnungen und Pfändungen

Die Sachbearbeiterin der Kriminalpolizei berichtete, dass es nach dem Bekanntwerden des Fehlbetrages nur noch geringe Differenzen gegeben habe. Bei der Durchsuchung der Wohnung der Angeklagten habe sie ein Chaos in deren Unterlagen festgestellt, zahlreiche seit Monaten nicht geöffnete Briefe, Pfändungen des Finanzamtes, Mahnungen sowie etliche Zahlungen an Inkassounternehmen. Und aufgefallen waren der Zeugin, wie sie sagte, ungewöhnlich viele private Käufe über das Internet. Sie habe den Eindruck gehabt, die Angeklagte befinde sich in finanziellen Schwierigkeiten und sei allgemein überfordert.

Diebstahl hatte System

Was die Bareinzahlungen betrifft, hatte die Angeklagte nach Angaben der Kriminalbeamtin von Einnahmen aus der Ferienwohnung gesprochen, deren Höhe aber nicht mit der an die Stadt gemeldeten Zahlen übereinstimmte. Und von Einkünften aus einem Nebenjob der Angeklagten in der Nachbarschaft und Darlehensrückzahlungen der Schwiegermutter, von denen die Angeklagte im Verlauf der Hauptverhandlung berichtet hatte, sei nicht die Rede gewesen. Wie auch der Buchprüfer erklärte die Zeugin, dass während eines Urlaubs der Angeklagten die Abrechnungen gestimmt hätten. Und noch etwas: Dem, der etwas hätte abzweigen wollen, habe man es leicht gemacht. „Wer auch immer es war, es hatte System“, fasste die Zeugin zusammen.