Suchtprävention spielt am Kolleg St. Blasien schon seit Langem eine große Rolle, jedes Jahr findet für die Neuntklässler ein Projekttag Drogen und Sucht statt. So auch jetzt wieder. Experten informierten über die medizinische und rechtliche Seite des Konsums von legalen und illegalen Drogen. Als besonderer Gast wurde Marco Deutschmann begrüßt, der wegen Drogenschmuggels sieben Jahre in deutschen und französischen Gefängnissen saß und über seine Erfahrungen berichtete.

Das Thema Drogen und Sucht hat verschiedene Aspekte, die zu beleuchten ein Anliegen von Lehrerin Chantal Behringer ist. Sie plante den Projekttag. An sechs Stationen, die die Neuntklässler in jeweils kleineren Gruppen durchliefen, informierten der St. Blasier Arzt Ludwig Gruhn über medizinische, Frank Stratz vom Polizeipräsidium Freiburg und zwei seiner Kolleginnen über rechtliche Aspekte des Drogenkonsums.

„Was haltet ihr von der Legalisierung von Cannabis?“ Das wollte Arzt Ludwig Gruhn von den Schülern wissen. Ein Vorteil wäre, dass dann ein Strecken des Stoffes nicht mehr erforderlich sei, hieß es beispielsweise. Cannabis werde aber kaum gestreckt, da die Konsumenten schnell abhängig werden sollten, hielt Gruhn dem entgegen. Und ein anderer Schüler gab zu bedenken, dass dann viel mehr konsumiert werde mit der Folge, dass mehr Menschen in die Kliniken müssten.

Mit dem Thema Legalisierung beschäftigte sich auch Frank Stratz. Sie werde nur Volljährige betreffen, wenn sie denn komme. Für Minderjährige seien Cannabisprodukte auch dann nicht legal, machte er deutlich. Zur rechtlichen Situation erklärte der Beamte, dass bei Minderjährigen, die bei nicht erlaubtem Konsum von Tabak und Alkohol erwischt würden, die Polizei die Möglichkeit habe, diese Stoffe zu beschlagnahmen und die Minderjährigen gegebenenfalls ihren Eltern zu überstellen.

Anders ist laut dem Beamten die Situation bei illegalen Drogen – es bestehe für die Polizei die Pflicht, alles anzuzeigen, klärte Frank Stratz auf. Und: Es erfolge eine Mitteilung an die Führerscheinstelle, was Folgen für den Erwerb des Führerscheins nach sich ziehen könne, betonte er.

Ein bewegtes Leben hat Marco Deutschmann bislang geführt. Nach Hauptschulabschluss und Ausbildung jobbte er zunächst und agierte dann als Drogenkurier. Mit 23 Jahren sei er in Paris erwischt worden und habe sieben Jahre lang in französischen und später in deutschen Gefängnissen gesessen. Aber er habe sich nicht aufgegeben, drei französische Schulabschlüsse gemacht und in Deutschland studiert, berichtete er.

Marco Deutschmann (links) saß wegen Drogenschmuggels sieben Jahre im Gefängnis. Er berichtete über seiner Erfahrungen.“Ich weiß, es endet böse“, warnte er vor Drogenkonsum.
Marco Deutschmann (links) saß wegen Drogenschmuggels sieben Jahre im Gefängnis. Er berichtete über seiner Erfahrungen.“Ich weiß, es endet böse“, warnte er vor Drogenkonsum. | Bild: Christiane Sahli

Heute ist Marco Deutschmann als Motivationstrainer und Lebensberater tätig. Die Schüler hatten viele Frage an Deutschmann: Hat er auch selber Drogen konsumiert? Das habe er nicht, denn er habe bei Kollegen gesehen, wie Kokain die Persönlichkeit negativ verändere, erklärte er. „Ich weiß, so etwas endet böse, davor möchte ich Euch bewahren“, sagte er. Viele Fragen hatten die Schüler auch zu den Gefängnisaufenthalten von Deutschmann. Ja, man könne dort Freundschaften schließen, antwortete er auf eine entsprechende Frage. Seine Freunde seien zumeist Mörder gewesen, weil diese direkt und offen seien, eine Art, die ihm sehr entgegenkomme.

Die Schulen erfahren nichts, wenn ein Schüler Hilfe sucht, betonte Peter Grimm von der Beratungsstelle Sucht, es bestehe eine Schweigepflicht für die Berater. Er informierte die jungen Menschen an diesem Vormittag über di Beratungsangebote. An zwei weiteren Stationen recherchierten die Schüler zu den Themen legale und illegale Drogen und erstellten Plakate mit ausführlichen Informationen.