Mit einem vielfältigen Programm sollte das Fürstabt Gerbert-Jahr in St. Blasien gefeiert werden – es musste verschoben werden. Die Bedeutung des großen St. Blasier Klostervorstehers reicht aber weit über die Domstadt hinaus. Deshalb regte das Erzbistum Freiburg eine Ausstellung an, die zusammen mit dem Augustinermuseum in Freiburg und in Kooperation mit dem Museum des Benediktinerstifts St. Paul entstanden ist.

Ganz besondere Exponate sollen dort zu sehen sein, kündigt Kurator Guido Linke an. Leihgeber sind das Benediktinerstift St. Paul in Österreich, wo das Kloster St. Blasien sozusagen fortbesteht, unterschiedliche Einrichtungen des Erzbistums Freiburg, verschiedene staatliche Stellen, katholische Gemeinden in der Region und natürlich die Seelsorgeeinheit St. Blasien sowie das Kolleg St. Blasien.

Der Dom wird die Besucher der Ausstellung empfangen.
Der Dom wird die Besucher der Ausstellung empfangen. | Bild: Sebastian Barthmes

Der Dom, das Wahrzeichen St. Blasiens, empfängt die Besucher im Ausstellungssaal des Augustinermuseums. „Die Abtei St. Blasien und Fürstabt Martin II. Gerbert“ ist die erste von elf Stationen der Ausstellung „Der Schatz der Mönche – Leben und Forschen im Kloster St. Blasien“, die eigentlich am 28. November eröffnet und bis zum 11. April gezeigt werden sollte. Ab wann die bislang teuerste vom Augustinermuseum realisierte Produktion zu sehen sein wird, sei aber noch ungewiss, sagte der Leiter der städtischen Museen, Tilmann von Stockhausen.

Gerbert war ein Büchermensch

„Gerbert war ein Büchermensch“, sagt Kurator Guido Linke. Die Herausforderung sei also gewesen, einen Menschen zu präsentieren „der vor allem Schriften“ hinterlassen habe. Entstanden ist eine Ausstellung, die tiefe Einblicke in die Geschichte des Benediktinerklosters St. Blasien und in das Wirken des wohl bekanntesten Klostervorstehers gibt.

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Die Besucher erfahren von einer gefälschten Urkunde, die das Fundament für die Rechte der Abtei bildeten, zu sehen sind zum Beispiel die Reliquien des seligen Reginberts aus dem St. Blasier Dom oder ein Bernauer Missale (Messbuch) das gleichzeitig der älteste Existenznachweis für den Ort Bernau ist, wie Linke erklärt.

Wertvolle Werke aus dem Mittelalter

Der damalige Abt habe es mit Zehntzahlungen aus der Pfarrei machen lassen – die Menschen bezahlten also das heute wertvolle Buch selbst. Auch das älteste nachweislich im St. Blasien Kloster entstandene Buch wird in der Ausstellung zu sehen sein – überhaupt könne man etliche ganz wertvolle mittelalterliche Werke zeigen, sagt der Kurator.

Etwa drei Jahre wurde am Konzept der Ausstellung gearbeitet. Monate ist es auch schon her, seit die Mitarbeiter der zentralen Werkstätten der Freiburger städtischen Museen mit ihrer Arbeit angefangen haben, um die Exponate ins richtige Licht zu rücken. Angesichts der kulturhistorisch wertvollen Gegenstände habe man natürlich auch auf die Sicherheit achten müssen – für die ebenfalls wertvolle Kopie des Adelheidkreuzes haben die zentralen Werkstätten eigens eine sichere Konstruktion angefertigt.

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Die Besucher lernen die wichtigsten Werke von Fürstabt Martin Gerbert kennen, die vor allem in der Musikwissenschaft noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein als Standardwerke galten. Gezeigt werden auch persönliche Gegenstände von Gerbert, zum Beispiel ein Schulbuch, dass er noch als Klosterbibliothekar verfasst hatte.

Diplomatisches Geschick

Die Ausstellungsmacher erzählen vom diplomatischen Geschick, um das Wohlwollen der Mächtigen zu bekommen oder zu behalten. Auch wenn die St. Blasier Mönche nicht immer erfolgreich waren – das Benediktinerkloster wurde nie eine reichsunmittelbare Abtei – konnten sie ihre Position lange absichern.

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Und sie hatten ein gutes Gespür für die politische Entwicklung: Rechtzeitig schafften sie ihre Schätze aus St. Blasien nach Klingnau, weil sie befürchteten, ihr Hab und Gut könnte an Baden fallen, sagt Linke. Und nachdem sie in einem leerstehenden Kloster in Kärnten ein neues Zuhause fanden, holten sie ihre Schätze aus der Schweiz nach. So bestehe im Stift St. Paul das St. Blasier Benediktinerkloster fort, sagt der Ausstellungsmacher. Auf die Weise seien wichtige Zeugnisse erhalten geblieben. Als Beispiel nennt er mittelalterliche Schriften, die zum Fundament der modernen Textkritik gehören.

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