Im Februar hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, dass Bernau den Klimaschutzpakt des Landes unterstützen will. Stromproduktion für den eigenen Bedarf würde dazu „sehr gut passen“, sagte Gemeinderat Manfred Franz in der jüngsten öffentlichen Ratssitzung. Wie andere Mitglieder des Gremiums auch, würde er – trotz der derzeit schwierigen Finanzsituation – möglichst bald Photovoltaikanlagen auf einigen Gebäuden der Gemeinden installieren lassen.

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Das wichtigste Argument der Befürworter lautet: Die Anlagen machen sich in wenigen Jahren bezahlt und helfen über viele Jahre, Kosten einzusparen. Die Gemeinde hatte das Unternehmen Energiedienst beauftragt, Dächer mit Blick auf mögliche Photovoltaikanlagen zu untersuchen. Das Ergebnis stellte Thomas Rasilier vor. Die Kommune besitze etliche Gebäude, die aber nicht alle in Frage kommen, da deren Dächer beispielsweise zu sehr im Schatten liegen oder möglicherweise saniert werden müssen.

Schule, Kurhaus und Klärwerk

Schließlich einigte man sich darauf, die Schule, das Kurhaus und das Klärwerk genau zu betrachten, sagte Bürgermeister Alexander Schönemann. Rasilier untersuchte, ob die Dächer günstig ausgerichtet sind, wie groß der Ertrag sein könnte, wie viel Strom jeweils in dem Gebäude verbraucht wird und wie groß die Investition wäre. Wirtschaftlich könnte auf allen drei Gebäuden eine solche Anlage betrieben werden, sagte der Fachmann.

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Auf dem Dach der Hans-Thoma-Schule wäre eine Anlagengröße von 9,9 Kilowatt peak (kWp) möglich (Kaufpreis circa 16.800 Euro brutto). Der gesamte Jahresstromverbrauch der Schule liege bei 35.600 Kilowattstunden (kWh). Von den rund 9770 selbst produzierten Kilowattstunden könnten etwa 79 Prozent auch selbst genutzt werden. Der Kostenvorteil gegenüber dem Kauf der insgesamt benötigten Strommenge würde pro Jahr bei rund 600 bis knapp 800 Euro liegen.

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Deutlich größer wäre der Vorteil bei Anlagen auf dem Kurhaus und auf dem Klärwerk, da dort auch der Stromverbrauch größer sei. Für das Kurhausdach empfiehlt der Fachmann eine Anlagengröße von 29,7 kWp (Kaufpreis circa 34 700 Euro brutto). Wenn überhaupt, sei auch nur dort ein Batteriespeicher sinnvoll, um den Strombedarf der umliegenden Straßenbeleuchtung und die Grundlast bei Abendveranstaltungen sicherstellen zu können. Circa 61 Prozent des produzierten Stroms könnte die Gemeinde auch direkt nutzen und bis zu circa 2500 Euro jährlich einsparen. Verbraucht werden dort pro Jahr 42.000 kWh Strom.

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Empfehlenswert sei auch auf dem Dach des Klärwerkes eine Anlagengröße von 29,7 kWp (Kaufpreis circa 35 300 Euro brutto), sagte der Diplom-Ingenieur. Dort verbrauche die Gemeinde 60.000 kWh Strom pro Jahr, wobei der Verbrauch gleichmäßig über den Tag hinweg verteilt sei. Circa 53,6 Prozent des produzierten Stroms könnte die Gemeinde auch selber nutzen, die jährliche Einsparung würde der Berechnung nach bis zu ungefähr 300 Euro ausmachen. Die Idee, dass die Gemeinde mit Anlagen auf eigenen Dächern Strom produziert, gefiel den Ratsmitgliedern grundsätzlich. Dennoch bleiben viele Fragen, die zu klären sind: Die Statik der Dächer müsste beispielsweise geprüft werden. Und würden die Grundschüler gefährdet werden, weil der Schnee auf solchen Anlagen schneller rutscht?

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Der Nachhaltigkeit und der Wirtschaftlichkeit wegen würden mehrere Gemeinderäte gerne möglichst schnell solche Anlagen betreiben, denn die Gemeinde würde nicht nur nach zehn Jahren Geld verdienen, sondern zum Beispiel auch den Schülern anschaulich machen, was Nachhaltigkeit bedeutet, sagte Gemeinderat Friedhelm Bork. Angesichts der positiven Stimmung werde er mit Rechnungsamtsleiter Martin Haarbeck besprechen, ob die Gemeinde die Investitionen derzeit stemmen könnte.