Als „Hobbygärtner“ hatte sich ein 21-jähriger Auszubildender aus der Region St. Blasien betätigt: In seiner Wohnung hatte er acht Cannabispflanzen mit 742 Konsumeinheiten gezogen. Wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge musste er sich daher vor dem Amtsgericht St. Blasien verantworten. Die Direktorin des Gerichtes, Susanne Lämmlin-Daun, verwarnte den jungen Mann, zudem muss er etliche Auflagen erfüllen.

Bei Hausdurchsuchung aufgeflogen

Eine, wie es Richterin Lämmlin-Daun bezeichnete, kleine Gärtnerei hatte der junge Mann betrieben. In seiner Wohnung hatte er acht Cannabispflanzen gezogen, die, so der Untersuchungsbericht des Landeskriminalamtes, 201 Gramm Marihuana mit einem Wirkstoffgehalt von 10,6 Prozent und 742 Konsumeinheiten ergaben. Aufgeflogen war die ganze Sache bei einer Hausdurchsuchung, als die Wohnung des jungen Mannes nach einer Auseinandersetzung mit seinem Bruder von der Polizei unter die Lupe genommen worden war.

Mit 17 Jahren angefangen

Der Angeklagte räumte die Tat unumwunden ein. Er habe, berichtete er, mit 17 begonnen, Cannabis zu konsumieren, anfangs wenig, später immer mehr. Von härteren Drogen habe er aber nach kurzem Konsum wegen Nebenwirkungen Abstand genommen. Nach einer Zeit der Abstinenz habe er dann im Frühjahr 2020 wieder zu Cannabis gegriffen und sei auf die Idee gekommen, die entsprechenden Pflanzen selbst anzubauen. Aber nur für den eigenen Bedarf, betonte er. Die Hausdurchsuchung durch die Polizei, bei der die Cannabispfanzen dann entdeckt wurden, brachte die Wende. Danach habe er nicht mehr konsumiert, so der junge Mann. „Ich bin gottfroh, dass es so gekommen ist“, sagte er, denn er habe wegen der Angst, aufzufliegen, unter großem Druck gestanden und niemanden mehr in seine Wohnung gelassen.

Auf eigene Initiative hatte der Angeklagte in der Folgezeit mehrere Gespräche mit der Fachstelle Sucht in Waldshut geführt und legte dem Gericht einen Abstinenznachweis vor, seit Oktober des vergangenen Jahres hat er demnach keine Drogen mehr konsumiert. Zudem bemühe er sich, bislang leider vergeblich, um eine psychologische Behandlung. Derzeit sei es aber sehr schwierig, einen Termin zu bekommen, so der junge Mann. Er wolle sich aber weiterhin bemühen, versicherte er.

Staatsanwältin Christina Siegfried sprach sich unter Berücksichtigung, dass der junge Mann jetzt zwar einen recht erwachsenen Eindruck mache, die Tat aber bereits ein Jahr zurückliege, für die Anwendung von Jugendstrafrecht aus. Sie beantragte eine Verwarnung, die Verpflichtung des jungen Mannes zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs Sucht, Urinkontrollen, die Kontantaktaufnahme zu einem Psychotherapeuten sowie ein Geldauflage von 1000 Euro.

Mehrere Auflagen

Verteidiger Philipp Rinklin wies daraufhin, dass es sich bei Marihuana um eine weiche Droge handele und die von seinem Mandanten gezüchteten Pflanzen nicht in den Verkehr gelangten. Ferner betonte er, dass die Grenze zur nicht geringen Menge nicht im übertriebenen Maß überschritten worden sei. Und: Der Angeklagte sei sich bewusst geworden, dass es so nicht weitergehen könne und wolle in eine psychologische Behandlung einsteigen.

Richterin Lämmlin-Daun verwarnte den jungen Mann, er muss zudem 1000 Euro an die Fachstelle Sucht zahlen, drei Beratungstermine bei dieser Fachstelle wahrnehmen, zwei Urinproben nach Weisung des Gesundheitsamtes abgeben und bis Ende September den Beginn einer Psychotherapie oder das Bemühen um eine solche Therapie nachweisen.

Der junge Mann sei in beruflicher Hinsicht zwar sehr zielstrebig unterwegs, aufgrund seiner sonstigen Lebensumstände könne er aber nicht mit einem Erwachsenen gleichgestellt werden, begründete sie die Anwendung von Jugendstrafrecht. Die Richterin sah davon ab, dem 21-Jährigen die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen, da in der nächsten Zeit erhebliche Kosten, unter anderem für die Urinproben, auf ihn zukommen.