Hunde, Katzen, Vögel oder andere Haustiere sind für die Besitzer oft über Jahre hinweg vertraute, enge Gefährten. Hat der kleine Freund gesundheitliche Probleme, ist häufig auch der Besuch in der Tierarztpraxis nötig. In St. Blasien kümmern sich die Veterinärmediziner Diethard Rüger und Marina Dietsche in der Kleintierpraxis Rüger um die Tiere.

Die Spezialgebiete

Der Praxisalltag ist für Tierarzt Diethard Rüger nie Routine. Dass es genau dieser Beruf sein soll, entschied er im Laufe seiner Zivildienstzeit, erzählt der 37-Jährige. Seine Spezialgebiete sind die Bildgebung, die Innere Medizin sowie die Dermatologie. Die seiner Kollegin Marina Dietsche sind Chirurgie, alle Arten von Zahnbehandlungen und die Heimtiere, bald wird ein weiterer Kollege hinzukommen, der sich mit Vögeln und Reptilien bestens auskennt.

Das exotischste Tier in Behandlung

„Mein exotischstes Tier, das ich bisher behandelt habe, war ohne Frage ein Axolotl, ein amphibisches Tier, bei dem sich die meisten Körperteile vollständig regenerieren, also nachwachsen können“, verrät Tierarzt Rüger. Es habe sich um ein abgebissenes Vorderbein gehandelt, an dem die Wunde chirurgisch so korrigiert werden musste, dass das Bein wieder ordentlich nachwachsen konnte. Auch Hühner würden manchmal in der Praxis vorbeigebracht werden, fügt er an.

Teilweise Aufenthalte in Kliniken nötig

Wer die Praxis mit seinem Tier betritt, hofft auf Hilfe. Doch es gibt verschiedene Gründe, die manchmal auch eine stationäre Behandlung nötig machen. „Patienten, die über längere Zeit eine Infusions- also Flüssigkeitstherapie benötigen, Patienten deren Besitzer zu Hause zwingend nötige Medikamente nicht geben können oder Tiere, die Medikamente benötigen, die es als Tabletten zum Eingeben gar nicht gibt, überweisen wir an die Kollegen in einer Klinik“, zählt Tierarzt Rüger auf. Auch gebe es Tiere, die so krank sind, dass sie eine engmaschige Überwachung benötigen und dann als Intensivpatienten in die Klinik müssten.

Emotionale Situationen

Für viele Menschen gehören ihre Haustiere zur Familie. Umso bedrückender ist es für sie, wenn ihr Tier unheilbar erkrankt. „Einem Besitzer raten zu müssen, das Tier einschläfern zu lassen, ist eine der Aufgaben in meinem Beruf, die ich natürlich nie gerne mache und die auch mir emotional immer nahe geht“, sagt der Tierarzt. „Dennoch habe ich in der Regel den nötigen, emotionalen Abstand zu meinem Patienten und das tiermedizinische Wissen, die Situation rational beurteilen zu können“, fährt er fort. „Damit kann ich entscheiden, ob es noch sinnvolle Therapieoptionen gibt, um das Leiden meines Patienten tierschutzgerecht zu lindern und Lebensqualität zurückzugeben oder die Euthanasie die wirklich einzige Erlösung für meinen Patienten darstellt.“

Es habe tatsächlich auch schon Fälle gegeben, in denen auch ihm die Tränen gekommen seien. „Aber den Besitzern kann ich am besten helfen, wenn ich ihnen in dieser schweren Situation eine ruhige, sichere, zuverlässige Stütze und ein Entscheidungshelfer bin mit der nötigen Ruhe und Empathie, ohne übermäßig emotional zu werden.“

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Wer in der schweren Stunde dabei sein soll, beantwortet er aus der Sicht seiner Patienten, für die er in erster Linie da ist. „Ich denke, zumindest bis das Tier in Narkose ist, also nichts mehr von seiner Umgebung bewusst wahrnimmt, sollten die Besitzer versuchen, dabei zu sein.“ Die letzten Minuten des Lebens sollte kein Tier alleine, lediglich mit dem Tierarzt, und ohne seinen Besitzer verbringen, ist er überzeugt. „Wenn die Besitzer beim eigentlichen Vorgang der Euthanasie nicht dabei sein können oder wollen, kann ich das verstehen und denke, dass es auch für das Tier keine Rolle mehr spielt, schließlich ist es zu diesem Zeitpunkt schon in Narkose und bekommt nichts mehr mit.“

Was am Ende kommt

Ist das Tier gestorben, kann der Tierkörper von der Tierkörperbeseitigungsanstalt (TKBA) abgeholt werden, an einen Tierfriedhof oder Tierkrematorium übergeben werden – mit oder ohne Ascherückführung – oder auch auf dem eigenen Grund und Boden beigesetzt werden. Für die Bestattung auf dem eigenen Grundstück müssten aber einige Voraussetzungen erfüllt sein, gibt Rüger zu bedenken. Es dürfe sich um kein Wasser- oder Naturschutzgebiet handeln, das Tier dürfe keine anzeige- oder meldepflichtige Erkrankung gehabt haben, das Grab müsse mindestens zwei Meter von öffentlichen Wegen oder Plätzen entfernt sein und es müsse mindestens 50 Zentimeter tief sein, informiert der Tierarzt.