St. Blasien Wolfram Uhrig über seine Arbeit als Prädikant: "Ich bin ein Kind der Kirche"

Wolfram Uhrig aus St. Blasien ist seit 40 Jahren als Prädikant im evangelischen Dekanat Waldshut tätig. Was ein Prädikant macht und wie er zu dieser Aufgabe gekommen ist, verrät er im Interview.

Herr Uhrig, wie kam es dazu, dass sie sich in der evangelischen Kirche engagieren?

Seit Kindesbeinen bin ich ein Kind der Kirche. Ich war in der evangelischen Jugendarbeit und christlichen Studentenverbindung tätig und war Kirchenvorstand.

Wie wird man Prädikant?

Der Kirchengemeinderat mit seinem Vorsitzenden schlägt eine ihm geeignet erscheinende Person dem Dekan vor. Dieser führt mit dem Vorgeschlagenen ein Gespräch, hört den Kirchengemeinderat an und legt dann dem Bischof eine Stellungnahme vor. Ist diese Stellungnahme positiv, entscheidet der Bischof und beruft nach der Ausbildung den Vorgeschlagenen ins Prädikantenamt.

Bitte schildern Sie Ihren Weg zum Prädikanten.

Gleich als ich 1977 nach St. Blasien kam, wurde ich von Pfarrer Becker gefragt, ob ich mich für das Amt des Prädikanten zur Verfügung stellen wolle, damals hieß das noch Lektor. Dann wurde ich 1978 nach meiner Ausbildung zum Prädikanten von Landesbischof Wolfgang Heidland in das Amt berufen und seither alle sechs Jahre darin bestätigt.

Was muss ein Prädikant mitbringen, um ernannt zu werden?

Die Voraussetzung, dass er über biblische und theologische Kenntnisse verfügt, eine rhetorische Begabung hat und das Wissen, wie eine Predigt aufgebaut ist. Ich wurde von meinem Vater – einem Politiker und Lehrer – sprachlich didaktisch ausgebildet. Er hat mir beigebracht, wie man spricht und betont.

Unterscheiden sich die sakralen Aufgaben eines Prädikanten von denen eines Pfarrers?

Ein Prädikant darf alles, was ein Pfarrer im Gottesdienst in der evangelischen Kirche darf. Darunter fällt das Taufen, das heilige Abendmahl, also die Sakramentsverwaltung, Trauungen und Bestattungen. Was ich alles schon gemacht habe. Von einem guten Bekannten habe ich dessen Frau beerdigt und ihn selber ein paar Jahre später in zweiter Ehe verheiratet. Besonders schön sind die Taufen. Ich habe den größten Teil meiner Enkel taufen dürfen.

Sind Sie nur in der Gemeinde tätig?

Eine meiner schönen Aufgaben besteht darin, dass ich an sehr vielen ökumenischen Gottesdiensten, wie etwa am Hans-Thoma-Tag seit etwa 15 Jahren, regelmäßig die Predigt halten darf. So habe ich im gesamten Kirchenbezirk, in Bonndorf, Grafenhausen, Tiengen, Todtmoos, Herrischried Gottesdienste gehalten. Ich bin Prädikant des Kirchenbezirks, nicht Prädikant der Kirchengemeinde und der Dekanin unterstellt und nicht dem hiesigen Pfarrer. Der Schwerpunkt meiner Dienste liegt natürlich schon hier in der Raumschaft.

Obwohl inzwischen 40 Jahre vergangen sind, wie haben Sie Ihren ersten selbst gehaltenen Gottesdienst erlebt?

Ich erinnere mich, dass ich sehr aufgeregt war, was ich auch heute noch bin. Auch wenn es mir häufig gelingt, die Gemeinde zum Lachen zu bringen und es heißt Evangelium der frohen Botschaft – einen Gottesdienst zu halten ist das ernsteste, was man für meine Begriffe an Reden halten kann.

Erinnern Sie sich an Ihren schönsten Gottesdienst?

Besonders schöne Gottesdienste waren es, wenn eine meiner Töchter Orgel gespielt und eine andere mit Flöte begleitet hat.

Fragen: Cornelia Liebwein

Zur Person

Wolfram Uhrig (69) ist Zahnarzt und lebt seit 1977 mit seiner Ehefrau Edeltraut in St. Blasien. Sie sind Eltern von drei erwachsenen Töchtern und Großeltern von sechs Enkelkindern. Wolfram Uhrig ließ sich 1978 zum Prädikanten ausbilden. Neben seiner Tätigkeit als Zahnarzt leitet er seither bis zu zehn Gottesdienste im Jahr.

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