Den Schulabschluss in der Tasche – was nun? Wer sich nach der Schulzeit für das Gemeinwohl engagieren möchte, für den kann das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) eine gute Antwort sein. FSJler Joshua Derwahl aus Christchurch (Neuseeland) spricht über seine diesbezügliche Entscheidung, die er nach dem Abitur getroffen hat, und die Chance, zu diesem Dienst am Kolleg St. Blasien angenommen worden zu sein.

Ein Auswanderer kehrt zurück

Er habe im vergangenen Jahr in Neuseeland das Abi gemacht und vor dem Studium noch ein Jahr nach Deutschland gewollt, verrät er. Dann schweifen seine Gedanken ab zu seiner Familie, mit der er 2011 nach Neuseeland ging. „Ich war noch ein halbes Jahr von der fünften Klasse im Hölderlin-Gymnasium in Heidelberg, als ich dann mit meinen Eltern und vier Brüdern auswanderte“. Der Rest der Verwandtschaft blieb in Deutschland, verstreut in Köln, Frankfurt, Kiel oder München.

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Seine Mutter half ihm dabei, das Kolleg als Einsatzort für den Freiwilligendienst ausfindig zu machen und in einem Gespräch per Skype konnte sich der stellvertretende Internatsleiter Joachim Stahl von Joshua Derwahl ein Bild machen. Aufgeweckte Augen blicken unter einer lockigen Haarpracht hervor, während er in einem behaglichen Raum am Schreibtisch sitzt. Er sei dabei, ein Übergabeprotokoll zu schreiben, erläutert er.

Hilfe bei den Hausaufgaben

Derwahl arbeitet sowohl im Internat wie auch im Externat mit, hilft am frühen Nachmittag den externen Schülern bei den Hausaufgaben und betreut sie – hauptsächlich Fünftklässler. Im Internat geht er den Erziehern der Gruppe 1 zur Hand, überwacht etwa das Studium der Sechst- bis Neuntklässler und hilft, wo er kann.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr kann als Praxistest für den angepeilten Berufszweig dienen oder auch zu Alternativen inspirieren. Es ist in vielen verschiedenen Bereichen möglich: in der Kinderbetreuung, in der Altenpflege, beim Rettungsdienst, am Theater, im Museum oder im Sportverein, um nur einige der Einsatzfelder zu nennen.

Kinderbetreuung sei etwas, was er in Neuseeland bereits in Feriencamps gemacht habe, sagt Derwahl. Die Schüler des Kollegs profitieren von dem jungen Mann mit dem verschmitzten Lächeln, und für Derwahl ist es eine Arbeit, die ihm Spaß macht. Ein FSJ können in Deutschland junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren machen. Es dauert zwischen sechs und 18 Monaten, in Ausnahmen auch 24 Monate.

Großer Traum: Musik studieren

Tag für Tag ist die Arbeit am Kolleg nun seit Januar der Lebensmittelpunkt des ausgewanderten Deutschen. So sehr die Tätigkeit seinen Alltag derzeit auch bereichert – wenn seine Zeit als Freiwilliger im Dezember vorbei ist, will der 19-Jährige sich einem Studium in Neuseeland widmen. Er ist ein begabter, überzeugter Musiker und möchte nächstes Jahr damit beginnen, Musik zu studieren.

Joshua Derwahl (rechts) als Gitarrist und Sänger in Aktion am Freitag vor Pfingsten am Kolleg. Nach dem Ende des FSJ will er in Neuseeland ein Musikstudium beginnen.
Joshua Derwahl (rechts) als Gitarrist und Sänger in Aktion am Freitag vor Pfingsten am Kolleg. Nach dem Ende des FSJ will er in Neuseeland ein Musikstudium beginnen. | Bild: Cornelia Liebwein

Seit knapp zehn Jahren spielt er Schlagzeug und, so erzählt er, favorisiere insbesondere Jazz oder alles, was mit Rhythmus zu tun hat. Gitarrenspielen und Singen seien zwei weitere Leidenschaften von ihm, und wer sich vor einiger Zeit in den Straßen in Christchurch aufhielt, konnte ihn als Straßenmusiker hören.