Nach fast 33 Jahren im ambulanten Dienst für pflegebedürftige Menschen ging die Altenpflegerin, Mentorin und Ausbilderin der Sozialstation St. Blasien, Ursula Jäger, in den Ruhestand. Sie blickt auf Zeiten mit großer Verantwortung zurück.

33 Jahre war Ursula Jäger im Dienste von pflegebedürftigen Menschen auf Achse.
33 Jahre war Ursula Jäger im Dienste von pflegebedürftigen Menschen auf Achse. | Bild: Cornelia Liebwein

1986 hat Ursula Jäger aus Brenden, eine examinierte Krankenschwester, als Altenpflegerin in der Sozialstation St. Blasien angefangen. Sie erinnert sich an die Anfänge: Behutsam kämmt die junge Ursula Jäger damals einer betagten Dame die Haare, sie streichelt ihr über die Wange und lächelt. Die beiden Frauen trennen drei Generationen und trotzdem verbindet sie ein vertrautes Verhältnis, sie lachen und scherzen miteinander.

Tätigkeiten, wie betagten, ihr fremden Menschen die Windeln wechseln, ihnen die Fußnägel schneiden, mit Wutausbrüchen demenzkranker Senioren klarkommen – und auch mit dem Tod derjenigen, für die sie da ist, konfrontiert zu werden, ist Jägers Alltag. „Oft wurden die eigenen Probleme dabei ganz klein“, erinnert sie sich.

Aufgaben verändern sich

Damals, erzählen sie und Pflegedienstleiterin Ulrike Stich, ging es hauptsächlich um pflegerische Leistungen und weniger um die Behandlungspflege, wie Insulin spritzen. Von Wundverbänden, Portversorgungen und anderem sei noch keine Rede gewesen. Mit dem Inkrafttreten der Pflegeversicherung 1995 habe sich das aber geändert. Außerdem seien der Spätdienst und die Pflegedokumentation eingeführt worden, die Ansprüche der Patienten seien gestiegen und vieles mehr, macht Stich klar.

Um das Jahr 1996, als Rolf Steinegger hauptamtlich die Geschäftsführung im Caritasverband übernommen hat, habe man händeringend Fachkräfte gesucht – Hauspflegehelferinnen habe es noch keine geben – und bald entschieden, Fachkräfte selbst auszubilden.

Vorreiterrolle

„Jetzt haben wir jemanden gebraucht, der sich der Sache angenommen hat“, fährt Ulrike Stich fort und erzählt, man habe sich an Ursula Jäger gewandt. Tatsächlich wissen nur wenige, betont Rolf Steinegger, dass die Sozialstationen in St. Blasien und in Waldshut, etwas später auch die in Bad Säckingen, die Ersten in der ambulanten Pflege in ganz Baden-Württemberg waren, die es gewagt haben, in die Ausbildung einzusteigen. Die Anerkennung dieses Systems habe man mit der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut als Modellprojekt erreicht und es sei unlängst ein außerordentliches Kompliment gewesen, als der jetzige Schulleiter Thomas Gehr sagte: „Haltet bloß an eurem Ausbildungskonzept fest, das ist ganz wichtig für uns, denn durch die ambulanten Schüler wird der Notendurchschnitt verbessert.“

Eine schwierige Zeit

„Damals aber“, hält Jäger dagegen, „war es eine schwierige Zeit, im Gegensatz zu den stationären wurden die Schüler der ambulanten Pflegeausbildung nicht respektiert.“ Selbst die Haltung der Lehrer ihnen gegenüber sei abweisend gewesen. Die Gabe ihres überaus bewussten Handelns, das umfassende Fachwissen, die gute Selbstorganisation und die besondere Fähigkeit des Umgangs mit Patienten gibt sie dann an ihre Schüler weiter, als sie sich vor 18 Jahren zur Mentorin und Ausbilderin weiterbilden lässt.

Betreuung von Neuen und Auszubildenden

14 Auszubildende habe Ursula Jäger seit 2000 bis heute ausgebildet, zählt Stich auf. Sie hat sich um zahlreiche Praktikanten von Kranken- und Altenpflegeschulen oder denen der Schulen vor Ort gekümmert, sich der Zividienstleistenden und Menschen im Frewilligen Sozialen Jahr angenommen, Tausende von Hausbesuchen absolviert und vieles mehr.

Zudem habe sie mit dem Erwerb der Zertifikation zur Praxisanleiterin in einem Einarbeitungskonzept die neuen Mitarbeiter eingearbeitet. Und das alles als Teilzeitkraft, betont Stich. Steinegger ergänzt: „Sie hat viele Menschen kennengelernt und in schweren Lebensphasen begleitet, sie war da, wenn es eng und dunkel wurde und hat viel von sich selber gegeben.“ So etwas könne man nicht nur als Job machen, sagt er zu der 63-Jährigen. „Da gaben Sie sich als Mensch, mit dem Herzen und mit ihrer Fachlichkeit rein.“