Das dritte Konzert der Reihe der internationalen Domkonzerte St. Blasien dieses Sommers bestritt der künstlerische Leiter Bernhard Marx selbst. Im Programm hatte er Orgelwerke vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, darunter mit Hector Berlioz einen für dieses Instrument eher untypischen Komponisten. Das Offertorium des Franzosen André Raison, entstanden zu Ehren des Sonnenkönigs, zeigt, so Marx in seiner kurzen Einführung zu Beginn des Konzertes, den Glanz französischer Orgelmusik, die mehr Wert legt auf das Spiel der Farben als auf die Struktur. Tatsächlich reiht der Komponist in bunter Folge Idee an Idee, liedhafte, legato geführte Themen mit einfacher Begleitung treten im Wechsel mit Staccatophrasen auf. Am Ende steht mit großem Pomp das „Vive le Roy“ – es lebe der König.

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Bachs Choralvorspiel „Schmücke dich, o liebe Seele“ ist dagegen ein ruhig dahingleitendes, lyrisches Kleinod, das die Melodie mit reichem Zierrat schmückt, wobei Marx durch unterschiedliche Klangfarben die einzelnen Stimmverläufe deutlich voneinander abhob und dem Stück dadurch ein quasi inneres Leuchten verlieh. Die folgende Toccata, BWV 566 dagegen prunkte mit Pedalvirtuosität und Klangfülle, wobei die erste Fuge ein eher verspieltes Thema angibt, die zweite einen kraftvollen, sich am Ende mächtig steigernden Charakter ausprägt.

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Mendelssohns VI. Sonate exponiert zu Beginn vollgriffig den Choral „Vater unser im Himmelreich“, um daran fünf Variationen anzuschließen. Diese führen das Choralthema durch die einzelnen Stimmen, angefangen von der mit einem sanften Rinnsal begleiteten Oberstimmenmelodie, die sich zur kräftigeren Akkordmelodie ausweitet, über die Mittellage mit deutlich voneinander abgesetzten Begleitphrasen bis zur mit quirligen hohen Begleitstimmen versehenen Melodie im Pedal und zum mächtig gesteigerten, rauschenden Schluss. Die „Fuga“ setzt ganz charakteristisch im polyphonen Nacheinander der Stimmen ein, während im weiteren Verlauf die polyphone Struktur zur harmonischen Klangwirkung verschmilzt. Das abschließende „Andante“ ist ein ausgesprochen gefühlvolles Gebet.

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Passend zu diesem weichen Abschluss folgte die „Ländliche Serenade an die Madonna über das Thema der römischen Pifferari“ aus der Feder von Hector Berlioz, eine idyllische Hirtenweise mit Dudelsackanklängen. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt Berlioz den starken Eindruck, den die reizvolle Zusammenstellung von tiefen Basspfeifen mit ihren einfachen Harmonien, der Melodie in der Mittellage und der quirligen Verzierungen der hohen Flöten in diesen munteren Weisen zunächst in Rom und dann bei seinem Ausflug in die wilden Berge der Abruzzen auf ihn gemacht hatte.

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Marx beschloss sein Programm mit den drei Fantasiestücken op. 54 von Louis Vierne aus dem Jahr 1926. Das erste, „Impromptu“, bietet den mehrfach ausgespielten, äußerst wirkungsvollen Kontrast zwischen wie aus dem Nichts aufsteigenden Melodiekaskaden und einer dräuenden Akkordfolge über unstetem Untergrund. Das zweite, „Etoile du Soir“, ist ein impressionistischer Traum aus langgezogenen, absteigenden Tönen, die sich wie Lichtpunkte aneinanderreihen, ohne zu verlöschen. „Carillon de Westminster“ schließlich imitiert das weltberühmte Glockengeläut von Big Ben. Mit einer hohen Ostinatophrase im Hintergrund ertönt der bekannte Viertelstundenschlag, den der Komponist mit einem Nachklang aus zwei Akkorden als wiederkehrendem Fundament versieht. Als Zugabe zum Dank für den anhaltenden Applaus kredenzte Marx noch einen seiner bereits aus früheren Domkonzertreihen bekannten volkstümlich-fröhlichen „Rausschmeißer“.