Nicht zum ersten Mal hatte ein mehrfach vorbestrafter junger Mann seine Lebensgefährtin geschlagen und musste sich daher erneut wegen Körperverletzung und Nötigung vor dem Amtsgericht verantworten. In Hinblick auf die positive Entwicklung, die der Mann in den vergangenen Monaten genommen hat, setzte Richterin Susanne Lämmlin-Daun die Freiheitsstrafe von acht Monaten zur Bewährung aus.

Angeklagter mit mehreren Vorstrafen

Mehrere Vorstrafen schlagen bei dem Angeklagten zu Buche. Zuletzt wurde er im Mai 2018 durch Urteil des Amtsgerichts St. Blasien zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er seine Lebensgefährtin körperlich misshandelt hatte. Nur knapp einem Monat später, Anfang Juni, kam es zu einem weiteren Vorfall. In alkoholisierten Zustand versetzte der junge Mann seiner Lebensgefährtin einen Faustschlag und warf diese, obwohl sie das erst wenige Monate alte gemeinsame Kind auf dem Arm hatte, zu Boden und schlug weiter auf die am Boden Liegende ein. Sodann verließ er die Wohnung. Als er später zurückkam, fand er die Wohnungstür verschlossen vor. Er forderte seine Lebensgefährtin laut Anklage daraufhin auf: „Blöde Kuh, mach die Tür auf, sonst bringe ich Dich um“.

Arbeitslosigkeit und häufiger Streit

Aufgrund seiner Alkoholisierung könne er sich an den Vorfall nicht mehr genau erinnern, sagte der Angeklagte, räumte aber ein: „So muss es gewesen sein“. Er berichtete von einem schwierigen Jahr, geprägt durch Arbeitslosigkeit und häufigen Streit mit seiner Lebensgefährtin. In dieser Zeit habe er auch Alkohol und Marihuana konsumiert, räumte der Mann unumwunden ein. Aber: „Die Probleme rechtfertigen nicht, was geschehen ist“, zeigte er sich einsichtig. Seit dem in Rede stehende Vorfall habe er keinen Alkohol mehr getrunken, den Marihuanakonsum habe er Ende 2018 eingestellt. Zudem habe er therapeutische Hilfe in Anspruch genommen, was sehr hilfreich gewesen sei. Und die Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin sei noch für dieses Jahr geplant. Der junge Mann berichtete weiter, dass er seit einigen Wochen eine Arbeitsstelle habe, die im viel Freude mache. Und er plane, in dem Bereich, in dem er jetzt arbeite, eine Ausbildung zu beginnen, sagte er weiter.

Positiver Bewährungsverlauf

Seine Bewährungshelferin berichtete von einen positiven Bewährungsverlauf, nicht zuletzt durch die Arbeitsstelle laufe alles in guten Bahnen. Und seit eine Familienhelferin die Familie, zu der neben den beiden gemeinsamen Kindern auch ein Kind der Lebensgefährtin aus einer früheren Beziehung gehört, gehe es stetig bergauf. Dies bestätigte die Familienhelferin, die die Familie seit dem Sommer 2018 betreut. Der Angeklagte sei inzwischen ausgeglichen, die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin eng. „Beide sind auf einem guten Weg“, sagte die Familienhelferin.

Freiheitsstrafe auf Bewährung

Dass der Angeklagte nicht ohne eine Freiheitsstrafe davonkommen würde, darüber waren sich Richterin, Staatsanwältin und Verteidigerin einig. Als nicht ganz einfach erwies sich angesichts der Vorfälle in der Vergangenheit dagegen die Frage nach der Strafaussetzung zur Bewährung. Die Richterin setzte die Vollstreckung der von ihr verhängten Freiheitsstrafe von acht Monaten letztendlich zur Bewährung aus, was auch dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung entsprach. In Hinblick auf den Bewährungsbruch nicht einmal einem Monat nach dem vorangegangenen Urteil gäbe es an sich keine Bewährung mehr, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung. Aber: Angesichts der von Bewährungs- und Familienhelferin geschilderten positiven Entwicklung wäre es fatal, den Angeklagten zu diesem Zeitpunkt ins Gefängnis zu stecken. Denn dann würde die positive Entwicklung unterbrochen. Eines machte sie dem Mann aber unmissverständlich klar: „Ein drittes Mal gibt es kein Nachsehen. Bei einem weiteren Delikt ist wirklich Schluss, da reicht schon was Kleines“. Richterin Lämmlin-Daum gab dem Angeklagten zudem auf, weiterhin die Unterstützung der Familienhelferin in Anspruch zu nehmen, zudem ist ihm der Konsum von Alkohol und Drogen untersagt, ein Verstoß stelle einen Bewährungsbruch dar. Der Mann muss sich vier Urinkontrollen unterziehen.