St. Georgen Neue Ausstellung im Schwarzen Tor: Als der Kaiser dem Auerhahn nachstellte

Kaiser Wilhelm II. jagte regelmäßig um St. Georgen. Wolfgang Göbel kennt auch die Anekdoten um diese Besuche.

Seit 30 Jahren ist das Schwarze Tor Heimatmuseum. Jetzt ist dieser Umstand Anlass für eine Ausstellung in der ehemaligen Scheune. Sie greift die Zeit auf, als Kaiser Wilhelm II. zur Auerhahnjagd nach St. Georgen gekommen ist. "Wir haben auf die Teilnahme am Tag des Denkmals verzichtet, dafür wird die Ausstellung am Sonntag am Naturparkmarkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht", so der Vorsitzende des Museumsvereins, Hubert Urstöger. Mit initiiert haben die Ausstellung Hermann Bauknecht, Hubert Urstöger und vor allem Wolfgang Göbel. Die Ausstellung ist ab dem 17. September noch an den nachfolgenden Sonntagen bis zum 15. Oktober geöffnet.

Seit 30 Jahren wohnt Göbel in St. Georgen und hat sich umfänglich mit der Stadtgeschichte befasst. Mit dieser Ausstellung soll die Geschichte der Auerhahnjagd auf der heutigen Gemarkung von St. Georgen dargestellt werden. Wolfgang Göbel hat in halbjähriger, mühevoller Kleinarbeit Puzzlestücke zusammengetragen. Als große Schwierigkeit stellte sich die Recherche nach Dokumenten zur Auerhahnjagd von Kaiser Wilhelm II. und der fürstlichen Familie in Donaueschingen dar. Zeitzeugen aus dieser Zeit sind nicht mehr vorhanden. Der Brigachbote war ab 1903 die erste St. Georgener Zeitung. So war Göbel auf die Erzählungen von Nachkommen jener Personen angewiesen, die die fürstlich-kaiserlichen Begegnungen erlebt hatten.

Im Brigachbote und im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv in Donaueschingen wurde Wolfgang Göbel fündig, wobei das Fürstenbergische Archiv selbst erst durch Göbels Recherche verlässliche Nachweise zur Auerhahnjagd erhalten hat. Wolfgang Göbel hat ein Gespür für Altes. So lacht er heute darüber, dass manche Gespräche zwei bis drei Stunden gedauert haben. "So viel Kaffee wie da, habe ich nicht in meinem Leben getrunken", sagt er schmunzelnd.

Zahlreiche Dokumente, vor allem alte historische Bilder sind in der Ausstellung zu sehen. Wolfgang Göbel erläutert an einer Karte, wo sich die kaiserlichen Unterkünfte und Jagdgebiete befanden. Und was wäre lebendige Geschichte ohne lustige Begebenheiten, die von Verwandten, der kaiserlichen Gastgeber innerhalb der Familie weitererzählt wurden. Da gibt es die Geschichte von Oberjäger Dold. Bevor dieser die Oberjägerbeförderung erhielt, war er ein bekannter Wilddieb. Landschaftlich sind der Raum St. Georgen, Langenschiltach, Peterzell, Oberkirnach und Reichenbach beschrieben. Beim Waldhüter Pfaff stand das Kaiserbett in der Stube. War der hohe Besuch nicht da, schlief die Oma im Bett, weiß Wolfgang Göbel.

1903 spielte sich am Bahnhof in St. Georgen eine dramatische Szene ab, als die Pferde vor dem kaiserlichen Jagdwagen scheuten. Die anwesende Bevölkerung habe laut Brigachbote lautstark Hurrarufe abgegeben. Fatal, denn die Pferde gerieten in Panik. Nur durch das beherzte Eingreifen mutiger Männer und des Kutschers sei Schlimmeres verhindert worden.

Im "Kaiserzimmer"

Kaiser Wilhelm II. ist zehn Jahre lang ein- bis zweimal in den Raum St. Georgen zur Auerhahnjagd gekommen. Das war ab der Zeit der Jahrhundertwende 1899/1900. Aufzeichnungen darüber sind an offiziellen Stellen eher spärlich. Dafür können die Nachkommen der Beherbergungsfamilien mit etlichen Geschichten und Begebenheiten aufwarten. Bereits Tage zuvor durfte niemand mehr das Jagdgebiet betreten. Geschlafen hat der Kaiser in einem der zahlreichen Zimmer, welche bei Privatpersonen oder in Gasthäusern zur Verfügung standen. Noch heute werden diese Räume als "Kaiserzimmer" bezeichnet. (wm)

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