Wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung musste sich ein Gastwirt vor dem Amtsgericht St. Blasien verantworten. Im Verlauf der Hauptverhandlung stellte sich das Geschehen etwas anders dar als im Anklagesatz niedergelegt. Richterin Susanne Lämmlin-Daun stellte das Verfahren daher ein, der Angeklagte muss ein Schmerzensgeld in Höhe von 600 Euro an den Geschädigten zahlen.

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Im April 2018 war es vor der Pension des Angeklagten zu einem Vorfall gekommen, dessen Ausgangspunkt eine noch ausstehende Lohnforderung der Verlobten des Geschädigten in Höhe von 50 Euro war. Im Rahmen der Auseinandersetzung soll es dann zu Tätlichkeiten seitens des Angeklagten gekommen sein, er soll den gehbehinderten Geschädigten mit dessen Gehstock geschlagen und ihn als „Schwuchtel“ beschimpft haben, so der Anklagesatz. Ausweislich des ärztlichen Attestes hat der Geschädigte bei diesem Vorfall mehrere Blutergüsse erlitten.

Angeklagter schildert Geschehen anders

Der Pensionswirt räumte die Beleidigung ein, stellte das weitere Geschehen aber völlig anders dar. Im Rahmen der zunächst verbalen Auseinandersetzung habe der Geschädigte seinen Gehstock gehoben, den er daraufhin festgehalten habe, berichtete der Angeklagte. Es sei dann zu einer Rangelei gekommen, in deren Folge er selbst eine Verletzung an der Lippe erlitten habe. Geschlagen habe er den Geschädigten aber nie, beteuerte er, weder mit den Fäusten noch mit dem Stock.

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Als nicht ganz einfach erwies sich die Vernehmung des Geschädigten, da dieser nur gebrochen Deutsch spricht. Im Wesentlichen bestätigte er die Angaben des Angeklagten. Im Rahmen der Rangelei um den Stock habe er nach dem Angeklagten geschlagen und ihn an der Lippe getroffen. Der Angeklagte habe auch mit der Hand nach ihm geschlagen, ihn aber nicht getroffen.

Differenzen zwischen Aussagen

Eine andere Sprache spricht dagegen das polizeiliche Vernehmungsprotokoll, ausweislich dessen der Geschädigte von Schlägen mit dem Stock berichtet hatte. Für die Differenzen zwischen den beiden Aussagen hatte der Geschädigte keine Erklärung. Oberstaatsanwalt Christian Lorenz hatte allerdings eine Vermutung: Verständigungsschwierigkeiten seien möglicherweise der Grund für die Divergenz, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Polizeibeamte den Vorfall so zu Papier gebracht habe, wie er ihn verstanden habe.

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Aber wie sollte sich das tatsächliche Geschehen nun aufklären lassen? Oberstaatsanwalt Christian Lorenz hatte die zündende Idee: Er regte an, die Geschehnisse nachzustellen, und übernahm selbst die Rolle des Angeklagten. Danach ließ sich nicht mehr ausschließen, dass sich der Vorfall tatsächlich anders abgespielt hatte als im Anklagesatz dargelegt. Richterin Susanne Lämmlin-Daun stellte das Verfahren daher mit Zustimmung der übrigen Prozess-Beteiligten ein, erlegte dem Angeklagten aber auf, an seinen Kontrahenten 600 Euro als Schmerzensgeld und Ausgleich für vorgerichtlich entstandene Kosten zu zahlen.