Seit vier Jahren steht Alfred Thoma aus Amrigschwand der Jagdhornbläsergruppe St. Blasien des Badischen Jäger Kreisvereins Waldshut als Präsident vor, Rudolf Maier aus Bernau ist deren musikalischer Leiter. Der aparte Klang der Hörner ist auch an diesem Montag bis weit in den Ort zu hören. Rudolf Maier leitet wie immer den Übungsabend, der in den kalten Monaten immer montags ab 19.30 Uhr im Theophil-Lamy-Haus stattfindet, in den Sommermonaten abwechselnd bei einem anderen Bläserkameraden in Bernau, St. Blasien, Höchenschwand, Menzenschwand, Todtmoos, Herrischried, Waldshut oder Bonndorf.

Dabei legt er besonderen Wert auf das notengerechte Vortragen der Stücke. Beim Kommando „drei, vier“ führen die Musiker das Horn elegant an den Mund. „Blasen wir mal halbe Töne“, fordert er auf. Da das Jagdhorn ohne Hilfsmittel wie Klappen und Ventile auskommt, liegt es am Spieler selbst, wie gut er die Töne aus dem Instrument locken kann.

Maier jedoch stellt fest: „Ihr habt einen zu langsamen Takt“. Nach einer Weile sagt er: „Stimmenmäßig sind wir durch. Es sind sechs Leute und sechs Stimmen“, bemängelt er. Daheim müssten auch mal die langen Töne geübt werden, nicht nur die Viertel- oder Achteltöne. Kurze Zeit später aber sind alle Hörner in harmonischem Klang vereint.

Die Stimmen des Fürst-Plesshorns vermitteln einen kräftigen, runden Klangeindruck. Die Bläser des wesentlich größeren, mit einem Innendurchmesser von bis zu 50 Zentimeter geformten Parforcehorn gestalten dynamische Unterschiede, wobei der Klangcharakter vom weichen, runden Ton bis hin zum rauen, klirrenden Schmettern reicht. „Horn spielen erfordert keine Vorkenntnisse“, meint Präsident Alfred Thoma. Eine gewisse Musikalität sollten zukünftige Hornbläser allerdings mitbringen. Das Spielen des Jagdhorns mit nur fünf Naturtönen verlangte auch von jedem der Anwesenden als angehendem Bläser sehr viel Übung, Tongefühl, Geduld und Ausdauer.

Was dann an diesem Abend erklingt, ist Jagdmusik von einst bis zur Gegenwart, Jagdsignale und jagdliche Volkslieder, Fanfaren und Märsche, am Rande gewürzt mit einem Plausch. „Der Vollernter bei mir im Wald“, klagt eine Bläserin, „hat das ganze Wild aufgescheucht“.

Im Gespräch mit dem Ensemble denkt man unweigerlich an Tannennadelduft, der plötzlich in der Nase kitzelt. Auch wenn das Jagdhorn im Ensemble geradezu konzertant gespielt wird, die Anfänge stammen aus der Jagd. „Etwa zur Verständigung der Jäger untereinander bei einer Treibjagd“, so eine Bläserin über die Kommunikation im Vor-Handyzeitalter. Außerdem gibt es bestimmte musikalische Traditionen, wie etwa Signale zur Begrüßung, wenn ein Stück erlegt ist oder das gemütliche Beisammensein zum Ende der Jagd beginnt. Die Begrüßung wird normalerweise vor einer Jagd gespielt, das Halali danach.

Gleichzeitig legen die Bläser Wert darauf, mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass Jäger wahllos Tiere töten. „Denn das stimmt nicht“, sagen sie empört. „Die Jäger sorgen dafür, dass der Wald erhalten bleibt.“ Sie haben eine feste Quote für jede Tierart, mehr als diese Anzahl darf nicht geschossen werden, ansonsten drohen empfindliche Strafen. „Gäbe es keine Jäger, gäbe es zu viele Tiere, die dem Wald schaden würden“.

Muss man Jäger sein, um bei der Gruppe mitblasen zu können? Eine der Bläserinnen verneint das und erklärt: „Ich habe keinen Jagdschein, das Jagdhorn habe ich von meinem Vater geerbt“. Neuzugänge seien immer willkommen, wirbt Alfred Thoma. Anfänger würden mit Sonderproben Schritt für Schritt zum Chor herangeführt werden. Einige brächten ihr Instrument schon mit, andere würden eines vom Verein nehmen. Eineinhalb Jahre Zeit, so gibt er vor, müssten sich die Neueinsteiger schon lassen, bis sie es könnten. Die Jagdhornbläsergruppe St. Blasien setzt ihre Hörner nicht nur als Signalinstrumente bei der Jagd ein, sondern auch bei Hubertusmessen, wie unlängst in den Pfarrkirchen, im August bei der Schlemmermeile in Höchenschwand und bei weiteren Veranstaltungen.