Einen Gast aus China, Mexiko, Russland oder Korea mit am Tisch sitzen haben? Diese spannende Erfahrung können Familien und Ehepaare in St. Blasien und Umgebung, aber auch von weiter her, machen, wenn sie sich als Gastfamilie für Kollegschüler zur Verfügung stellen. Derzeit läuft die Suche, in den Pfingstferien könnten Interessierte zum ersten Mal Internatsschüler aus dem Ausland bei sich aufnehmen. „Das ist nichts Neues, aber es sind wesentlich mehr Schüler als früher“, sagt Internatsleiterin Marlies Woerz zur Frage der Unterbringung von Schülern aus dem Ausland in den Ferien. Wessen Familie in Europa lebe, der verbringe die Ferien bei den Eltern, erzählt Woerz. Und einige Schüler können auch mit Klassenkameraden zu deren Familien fahren. Aber die Rückmeldungen von Eltern auf die regelmäßige Anfrage im Sommerbrief des Kollegs seien rückläufig. „Wir wollen nicht, dass die Kinder selbst bei ihren Klassenkameraden fragen müssen, das ist unsere Aufgabe“, betont Woerz.

Besonders die Oster- und Weihnachtsferien seien ein Problem, daher wolle man nun in die Offensive gehen. Denn das Kolleg wird von Kindern und Jugendlichen aus 25 Nationen besucht, nicht jeder kann da in den kürzeren Ferien in die Heimat reisen. Schön wäre es, so Marlies Woerz, wenn die Gastgeber zu echten Gastfamilien werden und sich gute Beziehungen zu den Gastschülern entwickelten. Das sei auch schon häufig vorgekommen. „Es ist ideal, wenn die Kinder deutsche Familien und Kultur kennenlernen und sich willkommen fühlen“, sagt Woerz. Ein besonderes Programm werde nicht erwartet, die Schüler seien hochzufrieden, wenn sie den normalen Familienalltag mitleben könnten. Vermittelt werden im Übrigen nur Schülerinnen und Schüler ab der 9. oder 10. Klasse, also im Alter von 15 und 16 Jahren, die auch schon eine gewisse Selbstständigkeit haben.

Wer sich als Gastfamilie melden möchte, muss mit einem Vorbesuch durch die Internatsleiterin oder ihre Kollegen rechnen. „Wir müssen wissen, wo die Kinder hinkommen“, betont Marlies Woerz, schließlich haben die Eltern sie in die Obhut des Kollegs gegeben. Und die höre selbstverständlich auch in den Ferien nicht auf. Die Kinder sind alle krankenversichert, ihre Visa gelten für den Schengen-Raum. Einem gemeinsamen Ausflug ins Elsass steht also nichts im Wege. Zudem zahlt das Kolleg einen Tagessatz und erstattet die Auslagen, jeder Schüler hat zudem ein Taschengeld dabei. Und auch wenn es zwischenmenschlich hapern sollte, ist das Kolleg für Fragen offen, wie Marlies Woerz versichert. Gastfamilien sollen ein Merkblatt und das Elternhandbuch des Kollegs bekommen sowie die Handynummer von ihr oder Pater Mertes, falls es dringende Fragen gibt. „Die Internatsregeln gelten nicht eins zu eins“, beruhigt Woerz, ein Gastschüler dürfe in den Ferien durchaus auch einmal später zu Bett gehen als in der Schule. Keine Toleranz gebe es aber bei Zigaretten, Alkohol und Drogen. „Ein Gästezimmer wäre schön“, wünscht sich Marlies Woerz von den Gastfamilien, wenn gleichaltrige Kinder gleichen Geschlechts vorhanden sind, könnten die Schüler auch mit ihnen gemeinsam im Zimmer untergebracht werden. „Wir müssen wissen, dass die Familie sich auch kümmert“, nennt sie das wichtigste Kriterium. Und auch Interesse an einem längerfristigen Austausch ist willkommen: Woerz plant einen Adressaustausch zwischen Gast- und Blutsfamilien. Verlängerte Wochenenden, regt sie an, seien im Übrigen eine gute Möglichkeit für einen ersten Besuch der Gastschüler in den Familien, um sich gegenseitig kennenzulernen.