Die Spannung steigt in St. Blasien, am Sonntag in einer Woche werden Bürgermeister Adrian Probst sowie das Organisationsteam die Teilnehmer des Internationalen Bildhauersymposiums in der Stadt willkommen heißen. Ab Montag, 26. August, tönt dann wieder der vertraute Klang der Motorsägen durch den Ort, wenn sich Holzstämme vor den Augen der Interessierten in die unterschiedlichsten Skulpturen verwandeln. Wir stellen die Künstler und ihre Werke vor.

Judith Franke aus Thüringen
Judith Franke aus Thüringen | Bild: privat
  • Judith Franke: „Manchmal ist das Warten geschenkte Zeit oder das Hoffen auf etwas Zukünftiges. Wir wissen oft nicht, worauf wir warten, aber wir warten immerzu.“ Diesen Text hat Judith Franke ihrer Skulptur zur Seite gestellt, mit der sie am Bildhauersymposium in St. Blasien teilnehmen wird. Darstellen wird sie eine Frau, die wartend auf einer Bank sitzt.
Dieses nachdenkliche Werk soll beim Holzbildhauersymposium in St. Blasien entstehen.
Dieses nachdenkliche Werk soll beim Holzbildhauersymposium in St. Blasien entstehen. | Bild: Judith Frank

Judith Franke hat schon an etlichen Symposien und Ausstellung teilgenommen, in St. Blasien ist sie jedoch das erste Mal zu Gast. Die gebürtige Thüringerin, die dort auch als freie Künstlerin lebt und arbeitet, hat zuerst eine Ausbildung zur Flechtwerkgestalterin absolviert. Dann hat sie sich auf einer mehrmonatigen USA-Reise in dortigen Flechttechniken, vor allem der Naturvölker, weitergebildet.

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Es folgten ein drei Semester langes Studium in Museologie und eine dreijährige Ausbildung an der Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Oberammergau. Seit 2010, so schreibt sie in ihrem Internetauftritt, arbeitet sie nun in ihrem Atelier in Wurzbach.

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Außer Skulpturen aus Holz schafft sie geflochtene Gebilde, auch in Ton hat sie schon gearbeitet. In ihrem Blog schildert sie zudem lebhaft und humorvoll das Leben einer freien Künstlerin mit seinen Licht- und Schattenseiten, etwa die Verletzung, die sie sich zugezogen hat, als ihr eine eigene Skulptur auf den Fuß fiel, oder den Vogel, der trotz lauter Arbeiten in ihr Atelier eingezogen ist. Zuletzt war sie beim Kunstsommer Nordhalben mit einer Arbeit zu sehen.

Michelina Consalvo aus Italien
Michelina Consalvo aus Italien | Bild: privat
  • Michelina Consalvo: Auch die Italienerin Michelina Consalvo wird zum ersten Mal in St. Blasien zu Gast sein. Sie ist auf Sizilien geboren und lebt und arbeitet in Capurso bei Bari. Sie arbeitet in Holz und Stein, hat aber auch schon an einem Schneeskulpturenfestival in Pontebba teilgenommen. Die meisten Symposien und Ausstellungen, an denen sie beteiligt war, fanden in Italien, Frankreich oder Spanien statt, etwa im Frühjahr dieses Jahres das Festival de Sculpture Camille Claudel in La Bresse in Frankreich. Ihre Ausbildung hat sie überwiegend in Bari absolviert, dazu gehörten auch Kurse in Design, Grafik und Malerei.
„Der Schlaf der Chrysalis“ lautet der Titel der Skulptur von Michelina Consalvo aus Italien. Wie ein Schmetterling ist die menschliche Figur in einen Kokon eingesponnen.
„Der Schlaf der Chrysalis“ lautet der Titel der Skulptur von Michelina Consalvo aus Italien. Wie ein Schmetterling ist die menschliche Figur in einen Kokon eingesponnen. | Bild: Michelina Consalvo

„Der Schlaf der Chrysalis“ lautet der Titel ihrer Skulptur, die sie in St. Blasien schaffen will. Eine menschliche Figur, die noch überwiegend in einer Art Kokon steckt, nur der Kopf und die Schultern schauen heraus. Der Beschreibung ihrer Arbeit hat sie ein Zitat von Laotse vorangestellt: „Was für die Puppe das Ende der Welt ist, nennt die Welt einen Schmetterling.“

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In dem vierphasigen Prozess auf dem Weg vom Ei zum Schmetterling, so schreibt Michelina Consalvo, ist die Umwandlung in der Puppe der Prozess, dem eine besondere Mystik innewohne: aus der Raupe, erdig-kriechend, werde ein Schmetterling, wunderbar flüchtig. Darin sieht sie eine Parallele zum Leben des Menschen: Seine Existenz sei wie der Schlaf in einer Puppe, in der die Transformation vom Irdischen zum Spirituellen stattfinde – eine Lebensphase, in der er sich auf die spirituelle Transformation vorbereite. „Tod ist kein Ende – er wird zum Schmetterling“, schließt sie in ihrer Beschreibung.