Das Museum „Le Petit Salon“ ist um eine Attraktion reicher: Seit Kurzem ist dort ein Originalgemälde eines der beiden Winterhalterbrüder zu sehen, eine Leihgabe aus Liechtenstein. Das sei eine Sensation, sagt die Vorsitzende des Vereins Winterhalter in Menzenschwand, Elisabeth Kaiser, denn das Gemälde wurde noch nie ausgestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kurz vor Ostern erreichte eines der Mitglieder des Vereins der Anruf eines Mannes aus Liechtenstein. Er teilte mit, dass sich in seinem Besitz ein nicht datiertes und nicht signiertes Winterhaltergemälde befinde. Er fragte, ob der Verein Interesse daran habe, das Gemälde entweder zu kaufen oder zu leihen, sagt Kaiser. Natürlich hatte der Verein Interesse, und so begannen langwierige Verhandlungen – Klima und Sicherheit im kleinen Museum in Menzenschwand spielten dabei eine große Rolle. Schließlich einigten sich beide Seiten auf einen Leihvertrag über die Dauer von drei Jahren.

Experte untersucht Gemälde

Der Verein verpflichtete sich im Gegenzug, eine Expertise erstellen zu lassen. Für diese konnte Eugéne Barilo von Reisberg gewonnen werden. Er sei der wohl weltweit führende Experte in Sachen Winterhalter, der auch immer wieder Expertisen für große Auktionshäuser wie Christie's und Sotheby's anfertigt, sagt Kaiser. Bereits nach einer ersten kurzen Prüfung war sich der Experte sicher, dass es sich um ein Original handelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Ob dieses von Franz Xaver oder Hermann Winterhalter stammt, konnte er zunächst aber nicht sagen. Die ausführliche Expertise wird in einigen Wochen erwartet. Barilo von Reisfeld konnte sich daran erinnern, dass das Bild im Jahr 1972 in Stuttgart verkauft worden war. Unterlagen des Leihgebers bestätigen dies. Unklar ist auch noch, wen das Gemälde darstellt. Anhand von Vergleichsbildern ist sich Elisabeth Kaiser allerdings ziemlich sicher, dass es sich um Kaiserin Eugénie, die Ehefrau von Napoleon III. handelt. Dafür spreche auch die Tatsache, dass die Abgebildete eine Mantilla, ein spanisches Schleichertuch trägt. Und Kaiserin Eugénie war Spanierin, sagte sie.

Kurioser Weg zum Leihgeber

Am 15. September machte sich Elisabeth Kaiser gemeinsam mit Bernd Coenen-Lehmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden, auf den Weg, um das Bild in der Villa des Leihgebers in Vorderarlberg in Österreich abzuholen. Kurios sei, wie der Leihgeber an das Bild gekommen ist, erzählt die Vorsitzende. Er hatte im Jahr 1995 die Villa in Österreich samt Inventar gekauft – und dazu gehörte eben auch das Gemälde.

Das könnte Sie auch interessieren

Für den Transport, den Kaiser und Coenen-Lehmann mit dem Privatauto bewältigten, hatte man eigens eine Transportkiste anfertigen lassen. Ein Kunsttransport sei in diesem speziellen Fall angesichts der Größe des Bildes, der geringen Entfernung und der Tatsache, dass mit Klimaschwankungen nicht zu rechnen gewesen sei, nicht erforderlich, sagt Elisabeth Kaiser. Natürlich hatte der Verein den Transport versichert, betont sie.

Vorzug für das Winterhaltermuseum

„Es ist eine Sensation, dass das Bild, das zuvor noch nie ausgestellt worden war, nun im Museum in Menzenschwand zu sehen ist“, sagt Elisabeth Kaiser. Man sei „bollestolz“, das Bild nun präsentieren zu können, es bedeute eine Aufwertung des Museums. Und noch auf eines ist man sehr stolz: Auf das Vertrauen, dass der Leihgeber dem Verein entgegenbrachte. Der habe das Bild dem kleinen Menzenschwander Verein angeboten, da es ihm wichtig sei, dass es wertgeschätzt und auch wirklich öffentlich zugänglich gemacht wird. Das wäre in großen Museen nicht zwangsläufig der Fall.