„Der Domplatz ist schon jetzt immer wieder bevölkert“, sagt Endres. Und dieses Zufallspublikum, wie er es nennt, spende auch gerne Applaus, was für die Darsteller auf der Bühne und die vielen Helfer im Hintergrund sehr wichtig sei.

Das Projekt Domfestspiele ist komplex: Über viele Monate hat sich das Stück entwickelt und die verschiedenen Gruppen probten jeweils getrennt und natürlich zunächst nicht auf der Bühne. Und trotzdem müsse am Schluss alle zusammenpassen, alle Vorbereitungen müssten miteinander vernetzt sein, sagt Endres.

Intensiv proben derzeit die Jugendlichen und alle anderen Darsteller auf der Bühne vor dem Dom.
Intensiv proben derzeit die Jugendlichen und alle anderen Darsteller auf der Bühne vor dem Dom. | Bild: Sebastian Barthmes

Eigenes Stück für "Säulen der Hoffnung"

Tanz und Musik sind wichtig für das Stück, ohne musikalische Leitung (Michael Neymeyer) „geht gar nichts“, sagt der Regisseur. Eigens für „Säulen der Hoffnung“ habe er Stücke komponiert. Dann beobachtete Neymeyer, wie die Tänzerinnen die Kompositionen umsetzten, und reagierte auf Unstimmigkeiten oder Schwierigkeiten. „Es gibt circa 25 Fassungen des Feuertanzes“, sagt Neymeyer, wobei die Änderungen immer in enger Absprache mit Endres erfolgten.

Zusammenspiel vieler Faktoren

Überhaupt hat jede Änderung Auswirkungen auf etliche andere Bereiche. Auch der Leiter der Technik, Hanskarl Link, und Produktionsleiter Johann Meier müssen immer reagieren: Welche Ideen, die zuvor in den Proberäumen oft geübt wurden, können auf der Bühne nun doch nicht so umgesetzt werden? Wie müssen Ton und Licht umprogrammiert werden, damit die Projektion auf die Domfassade optimal zu sehen ist?

Hanskarl Link (Technik), Meier (Produktionsleitung), Wolfgang Endres (Buch und Regie) und Michael Neymeyer (Kompositionen, Chorleitung), von links.
Hanskarl Link (Technik), Meier (Produktionsleitung), Wolfgang Endres (Buch und Regie) und Michael Neymeyer (Kompositionen, Chorleitung), von links. | Bild: Sebastian Barthmes

Viele Stunden haben sich die Verantwortlichen beispielsweise über den Einsatz der Mikrofone Gedanken gemacht. Nun steht die Technik zur Verfügung und die Pläne müssen den Stresstest bestehen. Reicht die Zeit, damit ein Darsteller das Mikrofon weiterreichen kann, schaffen es die Darsteller, die in mehrere Rollen schlüpfen müssen, das Kostüm zu wechseln, um rechtzeitig wieder auf der Bühne zu stehen?

„Es wird so sein, dass man an verschiedenen Stellen nachbessern muss“, sagt Link. Natürlich wäre es besser gewesen, Technik und Bühne früher zur Verfügung zu haben. Doch um den Etat einzuhalten, wurde die Mietzeit für das teure und moderne Material möglichst kurz gehalten.

Eigenes Drehbuch für die Technik

Auch das Licht ist sehr wichtig für die Inszenierung, erläutert Link. Denn der Ton könne nicht immer so gesteuert werden, dass der Blick der Zuschauer automatisch in die richtige Richtung gelenkt wird. Also müssen Darsteller, die gerade sprechen, mit einem Scheinwerfer optisch hervorgehoben werden.

Deshalb sei eigens ein Technikdrehbuch erarbeitet worden und über Funk werden während der Aufführung Anweisungen erteilt, damit zum Beispiel Darsteller rechtzeitig auf die Bühne geschickt werden, sich das Hauptportal des Doms im richtigen Moment öffnet oder die Fassade des mächtigen Kirchenbaus im vorgegebenen Moment in Flammen aufgeht, zur Bibliothek wird oder sozusagen den Blick ins Innere öffnet.

In jeder Abteilung werde kompetent gearbeitet, „daher nehme ich die Gelassenheit“, sagt Regisseur Wolfgang Endres. All die vielen Freiwilligen hätten das Gespür, Verantwortung zu übernehmen. Wenn etwas zu tun sei, werde es besprochen und von Mitgliedern des großen Teams erledigt.

Das Besondere an dem großen und komplexen Projekt sei, dass das Interesse über die Theaterarbeit hinaus gehe. Die Festspielgemeinschaft sei längst zu einer großen Familie geworden.