Seit dem 19. Jahrhundert wird in Menzenschwand Fasnet gefeiert. Eine Narrenzunft gründete sich indes erst im Jahr 1963. In diesem Jahr feiert die Geißentäler Narrenzunft mit einem Jahr Verspätung ihr 55-jähriges Bestehen. Am 19. Januar steht ein Festtag mit Zunftmeisterempfang, Narrenmesse, Nachtumzug und einem Guggenmusikabend an.

Schon 1840 wurde in Fasnacht gefeiert

Bereits im Jahr 1840 wurde, wie Archivunterlagen zu entnehmen ist, in Menzenschwand Fasnet gefeiert. 1929 kam es dann im Gasthaus Waldeck zur Gründung eines Elferrates, um, wie es laut eines Protokollbucheintags heißt, „ein gut geordnetes Fasnachtstreiben zu erwirken und historische Sitten, wie in alter Zeit, wieder zu hegen und zu pflegen“. Es erschien eine Narrenzeitung und es wurde Fasnachtsveranstaltungen organisiert. Aufgrund der politischen Verhältnisse und des Zweiten Weltkrieges verpufften die Aktivitäten der Menzenschwander Narren allerdings schnell wieder.

Gründung der Zunft am 3. März 1963

Nach dem Krieg erschien 1947 erstmals wieder eine Narrenzeitung, 1954 wurde erneut ein Narrenrat ins Leben gerufen und die Fasnacht im Tal lebte wieder auf. Auf Initiative von Adolf Schlageter kam es dann am 3. März 1963 zur Gründung der Geißentäler Narrenzunft. Schon lange hatten die Menzenschwander den Spitznamen Geißentäler, da in fast jedem Stall im Ort eine Geiß, genannt auch die „Kuh des armen Mannes“, stand. Und so war Wahl des Namens der neuen Zunft kein Problem. Zum ersten Zunftmeister wurde Adolf Schlageter gewählt, ihm folgten im Laufe der Jahre Reinhold Schwörer, Gerd Bückner, Martin Halder, Peter Manns und Alexander Dietz nach. 2017 übernahm Kevin Schmidt das Amt des Zunftmeisters.

Satzung beschreibt das Zunftgewand

In der Satzung von 1969 wurde das Zunftgewand, das die Menzenschwander Narren 1969 erstmals trugen, wie folgt beschrieben: „Geschnitzte Holzmaske mit Geißenfell, Überziehjacke mit langen Ärmeln, Hose mit halblangen Beinen und rote Strümpfe/Handschuhe.“ Die Maske mit dem Geißenkopf trägt trotz der Hörner und dem Geißenbart menschliche Züge. Den Entwurf der Maske fertigte Narrenrat Richard Schäuble. 1986 wurde die Geißentäler Narrenzunft in den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte aufgenommen, der Beschluss zum Beitritt stammte allerdings bereits aus dem Jahr 1969.

Das könnte Sie auch interessieren

Heute gehören der Narrenzunft 44 aktive Hästräger und zehn Kinder an. Organisiert wird jedes Jahr die Fasnacht im Ort mit Narrenbaumstellen und anschließendem narrischen Konzert, Kinderfastnacht, Zunftabend, Preismaskenball, Fasnachtsverbrennung und einigem mehr. Auch bei Verstaltungen befreundeter Zünfte, unter anderem Umzüge, sind die Geißentäler Narren dabei.

Mäxle wanderte durch Gasthäuser

Etwas Besonderes hat es mit dem Mäxle, dem Maskottchen den Narren, auf sich: Die mit dem Häs der Zunft bekleidete Puppe wurde am Ende der Fasnet in einer Schatulle verstaut und einem Gastronomiebetriebe im Ort zur Aufbewahrung bis zur nächsten Saison übergeben. Eine Ehre für die Gastwirte, die aber auch mit Auflagen verbunden war. So heißt es unter anderem: „Die Schatulle ist im Haus oder einem ruhigen Ort zu deponieren und vor denjenigen Leute zu schützen, die das ganze Jahr über Fasnet machen.“ Und weiter: „Das Öffnen und Herumzeigen der Schatulle an nicht autorisierte Personen ist bei saumäßiger Bestrafung verboten. Ausnahmen: Feuersbrunst oder höhere Gewalt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Der Gastwirt, der das „Mäxle“ aufbewahrte, verpflichtete sich, die Narren zu Beginn der neuen Fasnachtssaison zu einem Narrenfrühstück einzuladen. Angesichts der Tatsache, dass es im Ort immer weniger Gastwirtschaften gibt, nahm man aber inzwischen von diesem Brauch Abstand.