Auf eine kleine Erfolgsgeschichte können dieser Tage Barbara Scholz von der Caritas, die ehrenamtlichen Helferinnen und vor allem auch die Besucher des Frühstückstreffs für psychisch belastete Menschen in St. Blasien zurückblicken. Seit Oktober 2014 und damit seit fünf Jahren gibt es nun jeden zweiten Mittwoch diese Möglichkeit, sich im zentral gelegenen Theophil-Lamy-Haus zu einem günstigen Frühstück zu treffen.

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„Vor fünf Jahren waren wir ein ganz kleiner Kreis“, erinnert sich Barbara Scholz im Frühstückstreff. Aus den anfangs vier bis fünf Besuchern ist inzwischen ein fester Stamm von um die 20 Frauen und Männern geworden, die sich schon immer auf ihr vierzehntägiges Treffen freuen. Fünf bis sechs Ehrenamtliche unterstützen Scholz, die als Teamleiterin des Teams Mitte der Gemeindepsychiatrie das Angebot ins Leben gerufen hat. Unter ihnen ist auch Bärbel Maniezzo, die „Frau der ersten Stunde“, wie Scholz sagt. „Ich habe damals aufgehört zu arbeiten, habe von dem Frühstückstreff gelesen und gedacht, ich schau mal, was da so abgeht“, erzählt die resolute Frau vom Beginn ihres ehrenamtlichen Einsatzes.

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Und offensichtlich hat ihr gefallen, was abging, denn sie ist immer noch engagiert dabei. „Ich habe gerne Leute um mich herum“, erklärt Maniezzo. Es sei eine schöne Sache für die Menschen, wenn sie durch den Frühstückstreff zusammengeführt würden: „Es geht um die Gemeinsamkeit, es dürfen nicht nur psychisch Kranke kommen. Hier ist ein Miteinander“, lobt sie die regelmäßigen Treffen. Dazu passt auch, dass mittlerweile nicht nur gemeinsam gefrühstückt, sondern danach auch noch gespielt wird.

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Die gute Gemeinschaft betonen auch die Besucher im Gespräch. Ihre Namen möchten Sie jedoch lieber nicht in der Zeitung lesen. „Es ist schön, dass es hier so wenige Erwartungen gibt, dass man einfach so sein kann, wie man ist, und dass das akzeptiert wird“, sagt etwa eine Teilnehmerin. Zum Teil ergäben sich auch private Kontakte über den Frühstückstreff hinaus. Denn nicht nur aus St. Blasien kommen Besucher, auch Bürger aus Häusern, Todtmoos oder Höchenschwand, für die andere Angebote schwer zu erreichen sind, gehören fest zur Gruppe.

Ein stabile Gruppe

„Es ist eine sehr stabile Gruppe, aber auch offen“, betont Barbara Scholz, eine Anmeldung sei nicht nötig, ebenso wenig brauche es eine psychiatrische Diagnose. Wer einfach mal vorbeischauen möchte, sich vielleicht einsam fühlt und Interesse an Gemeinschaft hat, ist willkommen. Eine Besucherin etwa berichtet, sie sei früher zu einer anderen Gruppe gegangen. Als diese zerbrach, habe sie befürchtet, kein Angebot mehr zu finden. Beim Frühstückstreff fühle sie sich nun wohl. Und auch die Ehrenamtlichen erzählen, dass sie nach den gemeinsamen Vormittagen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. „Ich finde es ganz toll, wie die Menschen hier aufeinander zugehen, einander helfen“, betont etwa eine ehrenamtliche Helferin.

Kleiner Beitrag für Frühstück

Für die Frühstückszutaten wie Brötchen oder Kaffee zahlen die Besucherinnen und Besucher einen kleinen Beitrag, eine Preisliste und ein Kässchen stehen bereit. Inzwischen bringt aber auch immer mal jemand etwas für alle mit, etwa einen selbstgebackenen Kuchen, Marmelade oder Blumen aus dem Garten zur Dekoration der Frühstückstafel. Und auch beim Aufdecken oder Abwaschen sind alle beteiligt, inzwischen haben sich sogar schon Spezialisten herausgebildet.

Jährlich ein gemeinsames Grillfest

Ohne den Teilnehmer etwa, der so gut die Spülmaschine bedienen kann, sei sie aufgeschmissen, gesteht Scholz schmunzelnd. Von dem, was im Frühstückskässchen übrig bleibt, macht die Gruppe jährlich ein gemeinsames Grillfest. Und in diesem Jahr gab es sogar erstmals einen ganz besonderen Ausflug: Dank einer Spende über 500 Euro von den Soldaten der Domfestspiele ging es zur Bootstour auf den Schluchsee, inklusive Vesper auf dem Unterkrummenhof.

Fahrt nach Bernau als Wunsch

Gefragt nach ihren Wünschen für die Zukunft, lachen die Teilnehmer: „Noch einmal 500 Euro für einen Ausflug“. Aber auch ein konkreter Vorschlag für eine günstigere gemeinsame Unternehmung fällt einer Besucherin aus Bernau ein: Es könnten doch einmal alle nach Bernau kommen, und sie könnte dann die tollen lokalen Museen und den schönen Kurpark vorstellen. Vielleicht findet sich ja auch dafür ein Sponsor. Barbara Scholz könnte sich zudem eine Ausweitung des Frühstückstreffs auf wöchentliche Termine vorstellen, aber momentan sei das von der Arbeit her nicht zu schaffen.

Der Frühstückstreff

Der Frühstückstreff findet – außer an Feiertagen – jeden zweiten Mittwochvormittag von 9 bis 11.30 Uhr im Theophil-Lamy-Haus, Im Frongarten 2, in St. Blasien statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, für das Frühstück wird ein kleiner Kostenbeitrag erhoben. Die nächsten Termine sind 30. Oktober, 13. sowie 27. November, 11. Dezember. Kontakt: Caritasverband Hochrhein, Barbara Scholz, Telefon 07751/80 11 33, per E-Mail (barbara.scholz@caritas-Hochrhein.de).