Die Freiwillige Feuerwehr hat eine große Verantwortung – im Notfall müssen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte genau wissen was sie tun, und sich unbedingt auf das eigene Material verlassen können. Die Vorschriften werden immer strenger – immer mehr Arbeit haben die Ehrenamtlichen rund um die Einsätze zu leisten. Für Entlastung soll ein hauptamtlicher Gerätewart sorgen – Matthias Müller hat die neu geschaffene Stelle Anfang Oktober angetreten.

Breite Aufgabenpalette

Der neue Kollege werde die ehrenamtlichen Einsatzkräfte auf unterschiedliche Weise unterstützen, sagt Feuerwehrkommandant Frank Bercher. Nach einem Einsatz müssen die Einsatzkräfte oft möglichst schnell zurück an den Arbeitsplatz. Dann könnten Fahrzeuge und Einsatzmittel nicht immer gleich wieder einsatzbereit gemacht werden, nennt Bercher als Beispiel. Natürlich verfügt die Feuerwehr über mehr Atemschutzmasken oder andere Hilfsmittel. Gibt es aber mehrere Einsätze in kurzer Zeit, sind die Ressourcen schnell erschöpft.

Matthias Müller, der neue hauptamtliche Gerätewart der Freiwilligen Feuerwehr St. Blasien, muss dafür sorgen, dass Fahrzeuge und Material stets einsatzbereit sind. Die Schläuche und Atemschutzmasken müssen beispielsweise geprüft, geputzt und bei Bedarf repariert werden. Bilder: Sebastian Barthmes
Matthias Müller, der neue hauptamtliche Gerätewart der Freiwilligen Feuerwehr St. Blasien, muss dafür sorgen, dass Fahrzeuge und Material stets einsatzbereit sind. | Bild: Sebastian Barthmes

Ein hauptamtlicher Gerätewart sorge also dafür, dass Masken, Pumpen und Schläuche unverzüglich wieder genutzt werden können. Weil die Prüfintervalle in Zukunft eingehalten werden, können auch Defekte schneller entdeckt werden, sagt der Kommandant. Man könne frühzeitig reagieren und größere Schäden und teure Reparaturen unter Umständen vermeiden – das Material werde besser geschont und bleibe länger erhalten, wodurch die Stadt langfristig auch Geld sparen könne.

Die Technik werde immer komplizierter, „und die Einsatzzahlen explodieren“, sagt der Feuerwehrchef. Der neue hauptamtliche Kollege sei deshalb „ein unglaublicher Vorteil. Nicht nur für uns als Feuerwehr, sondern für die ganze Gemeinde“, betont Bercher.

Viel Erfahrung

Matthias Müller bringt viel Erfahrung mit. Der ausgebildete Feinwerkmechanikermeister ist seit 1991 Mitglied einer freiwilligen Feuerwehr und hat in der Vergangenheit beispielsweise auch im Sonderbau eines großen Unternehmens gearbeitet. Auch beruflich für die Feuerwehr zu arbeiten, sei schon lange sein Wunsch gewesen. 2011 konnte er ihn sich schließlich erfüllen: Er wurde hauptamtlicher Gerätewart in Weingarten, und nach einer Zwischenstation kam er 2015 in gleicher Funktion zur Feuerwehr Leinfelden-Echterdingen.

Gerätewart Matthias Müller entlastet seine Kollegen bei vielen Aufgaben: Die Schläuche und Atemschutzmasken müssen beispielsweise geprüft, geputzt und bei Bedarf repariert werden. | Bild: Sebastian Barthmes

Er habe die gleichen Qualifikationen wie seine Feuerwehrkameraden und auch die ehrenamtlichen Gerätewarte, erläutert der 49-Jährige. Als Hauptamtlicher kann er sich aber nun intensiv mit den vielen Aufgaben befassen, die die Freiwilligen nicht nur in St. Blasien immer mehr belasten. Prüftermine muss er immer im Blick haben, die zehn Fahrzeuge in St. Blasien, Menzenschwand und Albtal müssen für den TÜV vorbereitet und vorgeführt werden, die Geräte müssen nach den Einsätzen wieder einsatzbereit gemacht und in vorgeschriebenen Abständen geprüft werden. Haben die Einsatzkräfte einen Einsatz oder eine Übung hinter sich, prüft er zum Beispiel die Schläuche, repariert sie bei Bedarf und säubert sie. Die Atemluftflaschen müssen ebenfalls überprüft und gefüllt, die Atemschutzmasken getestet, gereinigt, desinfiziert und in Beutel verpackt werden.

Wichtig für Sicherheit

Spreizer sauber machen, Ablaufdatum der Fluchthauben, Trennscheiben und vieler weiterer Gebrauchsmaterialien überprüfen, die Motorsägen oder den Außenbordmotor des Feuerwehrbootes in bestimmten Abständen einmal starten, die Reifen der Fahrzeuge kontrollieren – die meisten Arbeiten werden im Hintergrund erledigt. Sie sind aber sehr wichtig für die Sicherheit der Einsatzkräfte und der Bevölkerung, denn „nichts schlimmer als ein Auto, das im Einsatzfall nicht anspringt oder ein Werkzeug, das nicht funktioniert, wenn man es braucht“, sagt Müller. Als Hauptamtlicher arbeitet er in enger Absprache mit der Feuerwehrführung und mit den anderen Einsatzkräften.

Bild: Sebastian Barthmes

Und natürlich wird er auch selbst als Einsatzkraft bei Alarmierungen ausrücken. Kleine Einsätze (zum Beispiel Öl binden, Notarzt eines Rettungshubschraubers zur Einsatzstelle fahren) werde Müller alleine während der Arbeitszeit übernehmen und so die Ehrenamtlichen zusätzlich entlasten. Darüber hinaus wird er auch als freiwilliger Feuerwehrmann ausrücken. Es sei ohnehin sehr wichtig mit der Einsatzmannschaft zu üben, um das hier übliche Vorgehen genau zu kennen, und „damit wir einfach eine Einheit sind“, sagt Matthias Müller.

Feuerwehren im Kreis

In jeder der 32 Kommunen des Landkreises gibt es eine Feuerwehr. Diese sind in 102 Abteilungen aufgeteilt. Außerdem gibt es in Landkreis fünf Werkfeuerwehren (Brauerei Rothaus in Grafenhausen; Sto AG in Stühlingen, H.C. Stark in Laufenburg, Novartis in Wehr und AWW in Wutöschingen). In den 32 Feuerwehren engagieren sich 3181 Aktive, davon 158 Frauen. In den Werkfeuerwehren sind 130 Männer und fünf Frauen aktiv. In den Jugendfeuerwehren engagieren sich 778 Jugendliche, davon sind 139 weiblich. In den Alters- und Ehrenabteilungen sind 1125 Männer und drei Frauen.