Heutzutage sind 185 Jahre ein tiefer Atemzug der Zeit. So lange ist es her, dass in der einstigen Baumwollspinnerei St. Blasien in der verlassenen Klosteranlage nach der Vertreibung der Benediktinermönche die „erste praktisch brauchbare Wasserturbine“ (so eine Fachpublikation) eingesetzt wurde. Es war der erste „Auftritt“ dieses Maschinentyps deutschlandweit.

Der Erfinder

Entwickelt hatte sie der französische Ingenieur Benoît Fourneyron (1802 bis 1867), der St. Blasien somit an den Anfang der Erfolgsgeschichte des europäischen Turbinenbaus stellte. Jahrzehnte, bevor an Stromerzeugung zu denken war, kam der St. Blasier Spinnerei die Fourneyron-Turbine zu Hilfe. Die Lage der Siedlung an der Alb mit den Wasserzuläufen aus den Bergen eignete sich als Standort besonders, weil hier eine Fallhöhe von 108 Metern zur Verfügung stand.

Die Funktionsweise

Eine der bedeutenden gedruckten Enzyklopädien, auch im Zeitalter des Internets noch immer nicht zu verachten, erklärt diese damals neuartige Turbine so: „Das Wasser fließt von innen nach außen, der Durchfluss wird mit einem Zylinderschieber geregelt; sie arbeitet im Gegensatz zu den Stoßrädern auch, wenn das Laufrad überflutet wird (bei Hochwasser)“.

Die Werte

In diesem Lexikon-Artikel wird der Standort der Wasserturbine in der Baumwollspinnerei des Freiherrn von Eichthal in St. Blasien eigens und namentlich erwähnt, ebenso ihr Wirkungsgrad mit 80 Prozent und rund 40 PS. Mit einem Laufraddurchmesser von 55 Zentimetern und der, gemäß Fachmeinung, ungewöhnlich hohen Drehzahl von 2300 Umdrehungen pro Minute erbrachte sie eine Leistung von 25 Kilowatt. Der Name St. Blasiens bekam seine Einträge in Geschichts- und Wissenschaftsbüchern, also nicht nur wegen des benediktinischen Jahrtausends, sondern auch wegen seiner mehr oder weniger zufälligen Beiträge zur industriellen Entwicklung.

Bahnbrechende Entwicklung

Diese neuartige Turbine des in Saint-Etienne geborenen französischen Ingenieurs war erst zwei Jahre vor der Installation im Jahr 1834 in der örtlichen Spinnerei patentiert worden. In einem Fachartikel wird die Ansicht vertreten, dass die bahnbrechende Entwicklung „in St. Blasien ihre Deutschland-Premiere erlebte“. Die Spinnerei-Turbine beschränkte sich übrigens ein halbes Jahrhundert lang auf die Lieferung mechanischer Energie.

Im Museum

Für Maschinen, technische Geräte und wegweisende Erfindungen gehört es zu den höchsten Anerkennungen und Auszeichnungen, ins Deutsche Museum in München aufgenommen zu werden. Dort ist die „St. Blasier“ Turbine ausgestellt (wegen Sanierung des Gebäudebereichs derzeit aber nicht zu sehen), deren System, das sei am Rande erwähnt, eine Nachfolge für die Turbinen der Niagarafälle gefunden hat.