Herr Haenssler, Sie sind rund um Wehr und Schopfheim immer wieder auf der Bühne zu hören. Jetzt waren Sie bei den Meisterkursen und durften sogar als Solist beim Abschlusskonzert spielen. Kommt bald der internationale Erfolg?

Also ich sehe das jetzt noch nicht so, dass der internationale Erfolg direkt um die Ecke ist. Das ist schon eine ganz andere Liga und beinhaltet auch Dinge wie zum Beispiel, Aufnahmen zu produzieren. Ich bin zwar bereits mit Orchestern auf Tour gewesen, aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man mit dem Jugendorchester oder mit den Berliner Philharmonikern reist. Einen kleinen Überblick und erste Eindrücke konnte ich aber bereits sammeln. Außerdem besteht ein großer Unterschied zwischen einer Tour mit einer Gruppe und als Solist. Die Solistenkarriere kann man auch eigentlich gar nicht planen. Ich denke, das ist einfach sehr viel Glückssache und steht auch mit guten Beziehungen eng in Zusammenhang. Mir macht es aber auf jeden Fall Spaß, im Orchester zu spielen, auch wenn es nicht unbedingt mein Lebenswunsch ist – gerne würde ich unterrichten und Kammermusik machen, also in einem Quartett spielen.

Wie kamen Sie zum Geigespielen?

Nach der Teilnahme an einer Musikalischen Früherziehung habe ich mir zu meinem sechsten Geburtstag eine Geige gewünscht. Ich weiß auch nicht, wieso, aber dieser Wunsch war irgendwie da. Vielleicht bin ich durch meinen Bruder, der früher Geige gespielt hat, darauf gekommen. Jedenfalls hat mich meine Familie immer unterstützt – mein Vater spielt ein wenig Gitarre und hat mich damit oftmals begleitet, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Die Musik war auch immer schon ein bisschen um mich herum. In der Waldorfschule Schopfheim bin ich schließlich dem Schulorchester beigetreten. Von da an hat sich das Musizieren so nach und nach ergeben und das Niveau wurde langsam, aber sicher angezogen. So konnte ich schließlich auch führende Rollen in einem Orchester, wie die des Konzertmeisters, also der ersten Geige, besetzen, was mir viel geholfen hat. Denn es ist eine sehr wichtige Erfahrung, zu erleben, wie so ein großer Orchesterapparat funktioniert und reagiert. Beim Orchester der Basler Musikschule hätte ich auch wieder solo spielen können, bekam dann aber Pfeiffersches Drüsenfieber und musste ersetzt werden. Es ist in den Jugendorchestern also auch ab und an ein Konkurrenzkampf zu spüren. Der dürfte bei Berufsorchestern aber noch einmal deutlich stärker sein.

Ist die Konkurrenz groß?

Gerade bei Geigen ist das immer so eine Sache. Beispielsweise habe ich beim Hochschulorchester in Zürich mitgespielt und dann übt man in der Probe irgendwelche Paganini-Capricen und alle wollen so ein bisschen zeigen, was sie können.

Ist man bei Meisterkursen angesichts der Teilnehmer aus vielen verschiedenen Ländern eingeschüchtert?

Eigentlich nicht. Ich habe jetzt bereits einige Meisterkurse hinter mir – um die sieben Stück dürften es sein – und die sind meist international besetzt. Da legt sich die Nervosität mit der Zeit.

Werden bei Meisterkursen Kontakte für die Zukunft geknüpft?

Ja auf jeden Fall. Es ist bei Meisterkursen auch immer ein sehr wichtiges Element, Leute kennen zu lernen – das macht auch einfach Spaß. Es kommt außerdem auch durchaus vor, dass man sich irgendwann wieder trifft und dann zusammen Musik macht, beziehungsweise irgendwo spielt.

Wie ist die Lernatmosphäre bei den Meisterkursen hier in St. Blasien?

Es ist schon sehr locker. Beide Professoren, die mich unterrichten, sind sehr nett und üben hilfreiche und konstruktive Kritik. Es werden auch keine Vorgaben gemacht, also keine Interpretation eines Stücks verlangt oder Ähnliches, sodass der Unterricht meist auf Augenhöhe verläuft. Außerdem finde ich die Gegend hier auch ziemlich geeignet, weil man nicht so viel abschweift – nicht viel Stadtlärm, dafür schöne Natur und viel Kultur, gerade im Bereich der Klassik.

Wie sind Sie auf die Meisterkurse aufmerksam geworden?

Zum ersten Meisterkurs bin ich über meine Lehrer gekommen. Den Kurs in St. Blasien habe ich im Internet gefunden und selbst organisiert – früher sind manchmal noch meine Eltern mitgekommen, jetzt fahre ich alleine zu den Kursen, was die Erfahrung noch etwas wertvoller macht.

Nehmen die Meisterkurse viel Zeit in Anspruch?

Ja. Also ich war jetzt ja nur die Woche da und habe es geschafft, dass ich nur an einem Tag im Unterricht in der Musikhochschule Zürich fehle. Es ist vom Zeitaufwand, inklusive üben, mit einer üblichen Arbeitswoche vergleichbar, aber wenn man sich im Vorfeld etwas organisiert, bekommt man das schon kompensiert.

Lohnt sich die Teilnahme?

Ja auf jeden Fall. Dass ich hier auch vor Musikern vorspielen kann – das bringt immer unglaublich viel. Solche Situationen muss man einfach oft erleben, damit man routinierter wird und mit der Situation gelassener umgehen kann – das ist sehr wesentlich.

Was werden die nächsten Schritte in ihrer musikalischen Karriere sein?

Erst einmal möchte ich das Studium beenden. Am liebsten würde ich ein Quartett schon während dem Studium formieren, da habe ich mich jetzt allerdings noch nicht so ganz orientiert. Es ist doch sehr wichtig, dass es menschlich stimmt – gerade beim Streichquartett ist es sehr oft auch dieses Klischee, dass man sehr schnell auseinandergeht. Ansonsten bin ich weiterhin beim Schweizer Jugendsinfonieorchester als Zuzügler aktiv – da habe ich beispielsweise am Sonntag ein Konzert in der Schweiz. In der Region um Schopfheim habe ich leider derzeit nichts geplant, weil ich eben gerade mit dem Studium ziemlich beschäftigt bin. Außerdem bräuchte ich dann einen Klavierpartner – mit einer Geige ist es ziemlich schwierig, ein ganzes Recital, also ein Solokonzert, zu füllen. Es wäre auch – nichts für Ungut – aber es ist schon langweilig für das Publikum. Man braucht dann schon noch so etwas wie eine Sonate.

Zur Person

Gregor Haenssler (20) ist gebürtiger Lörracher. Bereits als Kind genoss er die Musikalische Früherziehung. Im Alter von sechs Jahren erhielt er seinen ersten Violinenunterricht an der Musikschule Lörrach. Als Zwölfjähriger gründete er sein erstes Streicherquartett. Er ist Preisträger vieler Jugendwettbewerbe. Haenssler studiert Klassik an der Züricher Hochschule der Künste.