Die Schullandschaft in der Region St. Blasien könnte noch vielfältiger werden. Das jedenfalls ist das Ziel von Gert Poeg und Katharina Samson aus Dachsberg, die am Samstag ihr Konzept für eine freie Schule vorstellen wollen. Dabei hoffen sie auf möglichst viele Mitstreiter, die mit ihnen die Idee verwirklichen.

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„Bei unserer täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erleben wir, dass es eine zunehmende Zahl gibt, die aus den engen Rastern der regulären Bildungsangebote fallen, und dann leider ’auffällig’ werden“, sagt Gert Poeg. In Baden-Württemberg und in ganz Deutschland wachse die Zahl der Eltern, „die für ihre Kinder eine Schule möchten, die ihre individuellen Talente und Potenziale sehen und fördern“. Deshalb sehe er auch einen Bedarf in der Region St. Blasien.

Vorbeugend arbeiten

„Wir wollen vorbeugend arbeiten“, sagt Poeg, der, wie auch seine Partnerin Katharina Samson, in einem Schulprojekt in St. Märgen tätig ist. „Alle Kinder haben ganz schnell ADHS. Wenn man ihnen aber das passende Angebot macht, sind sie oft nicht mehr so auffällig“, sagt er.

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Leistungsdruck soll es in der von dem Paar initiierten Schule nicht geben, denn der sei nicht sinnvoll. Noten werde es nicht geben, erläutert der Erlebnis- und Theaterpädagoge Poeg. Es werde geschriebene Zeugnisse geben, denn man wolle „mehr würdigen als bewerten“. Unterrichtet werden die Kinder in jahrgangsübergreifenden Gruppen, die Kinder sollen sich gegenseitig unterstützen können – mindestens eine Lehrerin oder ein Lehrer ist für den Start nötig.

"Wir wollen starke Kinder"

„Wir wollen starke Kinder“, sagt der Initiator. Das soziale Miteinander und die Kreativität seien dafür notwendig – die moderne Gesellschaft brauche kreative Menschen, „die innovative Wege finden, die Lösungen sehen“. In der Schule werde das Theaterspiel, die Malerei und überhaupt die praktische Arbeit ein wichtiger Aspekt sein.

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Aber die Schule solle langfristig mehr sein: Sie solle ein Ort werden, an dem auch außerhalb des Unterrichts Angebote stattfinden. Er denkt dabei an Musik oder verschiedene Kurse und auch an Feste. Poeg: „Es soll ein soziales Zentrum sein, in dem Bildung sehr breit zu sehen ist.“ Er denkt vor allem an Familien, denn in dem Bereich bestehe eine Lücke in der Region.

Weg zur Realisierung ist weit

Ihr Konzept haben Poeg und Katharina Samson, die studierte Pädagogin und ebenfalls Spiel- und Theaterpädagogin ist, bereits St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst vorgestellt. „Ich würde sagen, er war sehr aufgeschlossen“, sagt Poeg. Der Weg bis zur Realisierung ist dennoch noch weit: Das Konzept muss ein besonderes pädagogisches Interesse aufweisen, um überhaupt vom Regierungspräsidium staatlich anerkannt zu werden, in der die Schulpflicht erfüllt werden kann, erklärt Gert Poeg. Die „kleine, familiäre Schule“ soll zunächst als Grundschule starten und dann weiter zur weiterführenden Schule ausgebaut werden.

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Und ohne Mitstreiter, die auch die Anschubfinanzierung und überhaupt den Aufbau mit viel Idealismus stemmen, gehe es sowieso nicht. Eine staatlich anerkannte Schule in freier Trägerschaft müsse die ersten drei Jahre ohne Zuschüsse auskommen, sagt er. Danach habe sie allerdings ein Recht auf eine hohe staatliche Förderung.

Am Samstag wollen die beiden Initiatoren nun sehen, ob es wirklich Interesse an einer Vereinsgründung gibt. Aber Poeg ist optimistisch: „Es kann sehr schnell gehen“, ist er überzeugt.