Nach stehenden Ovationen, drei Zugaben und jeder Menge gegenseitiger enthusiastischer Reaktionen sowohl aus dem Publikum als auch von der Bühne herab, ging der Abend mit „The Music of Hans Zimmer & More – A Celebration of Film Music“ vor dem St. Blasier Dom zu Ende.

In den Weltraum entführte das Orchester seine Zuhörer mit der Filmmusik zu „Interstellar“ und grandiosen Farb- und Technikeffekten.
In den Weltraum entführte das Orchester seine Zuhörer mit der Filmmusik zu „Interstellar“ und grandiosen Farb- und Technikeffekten. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Pünktlich hatte das große Symphonieorchester der Republik Weißrussland aus Minsk samt Chor unter der Leitung von Yuri Karavaev Platz genommen, die Nebelmaschinen rechts und links der Bühne begannen ihr unermüdliches Geschäft, auf den beiden großen Leinwänden rechts und links zu Häupten der Musiker, die stets parallel dieselben Motive zeigten, kämpfte sich zu den Klängen der Titelmusik von „Fluch der Karibik“ das Schiff von Piratenkapitän Jack Sparrow durch die Fluten – der Beginn einer rundum beeindruckenden Show mit fantastischen Bildschnitten, ausgewählten punktuellen Filmeinspielungen und Sequenzen mit Projektionen, die die Vielfalt der Musik Hans Zimmers eindrücklich unterstrich.

Eine fantastische Gesamtwirkung erzielten Live-Orchester, Chor, Solisten sowie Licht- und Bildtechnik im Zusammenschnitt bekannter Titel aus der Feder von Filmmusikkomponist Hans Zimmer am St. Blasier Dom.
Eine fantastische Gesamtwirkung erzielten Live-Orchester, Chor, Solisten sowie Licht- und Bildtechnik im Zusammenschnitt bekannter Titel aus der Feder von Filmmusikkomponist Hans Zimmer am St. Blasier Dom. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Die Zuhörer erfuhren auch durch die vier Gesangssolisten, die sich mitunter gleichzeitig als Ansager und Moderatoren mit deutschen und englischen Beiträgen hören ließen, Details zu Leben und Werk Zimmers, etwa, dass der in Frankfurt geborene Komponist nie Noten lesen lernte, dafür aber sein Klavier auch gerne mal als Baukasten betrachtete, oder dass er seinen Durchbruch einem Anti-Apartheid-Song verdankte.

Sein kompositorisches Vorbild sei Ennio Morricone gewesen, dessen Soundtrack zum Filmhit „Spiel mir das Lied vom Tod“ er mit zwölf Jahren hörte. Sein erstes Musik-Video, in dem er als Keyboarder zu sehen ist, war der Titel „Video killed the Radio Star“ von den Buggles, den die Solisten gleich vom Publikum mitsingen ließen und so die Stimmung im nächtlich kühlen St. Blasien anheizten. Für seine erste Arbeit mit Regisseur Barry Levinson, den Filmhit „Rain Man“, erhielt er gleich eine Oscar-Nominierung, der mit „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ sofort der nächste folgte. Aus diesem Film gab es dann auch wieder Musik zu hören und dazu die Gesichter der beiden Titelhelden zu sehen.

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Auch bei der Musik zum Monumentalfilm „Gladiator“ aus dem Jahr 2000 wurden immer wieder markante Großaufnahmen der Gesichter der agierenden Personen eingeblendet, während für „Interstellar“ von 2014 mit grandiosen Farb- und Technikeffekten das Publikum auf eine Fahrt durch den Weltraum mitgenommen wurde. In der Zwischenzeit war es langsam Nacht geworden vor dem Dom, so dass der leichte Lilastich der Beleuchtung seine Wirkung tat. Auch die aus dem Nebel mitunter auftauchenden Lichtstrahlen zu beiden Seiten der Leinwände mit ihrem korrespondierenden Gegenpart von der oberen Bühnenmitte her konnten so zum folgenden Medley aus einigen der inzwischen gut 150 Produktionen Zimmers ihr atmosphärisches Spiel treiben.

Spiel mit einer Großstadtsilhouette

Vor allem den suggestiven Bildern von „Inception“, mit verschneitem Bergmassiv, dem grafischen Spiel mit einer Großstadtsilhouette, deren Häuserfluchten gespiegelt auf dem Kopf wiederkehren, immer wieder unterbrochen durch die lapidare Darstellung eines sich drehenden Kreisels, verhalf die Musik zu grandioser emotionaler Kraft.

Erdgeschichte im Zeitraffer

Nach der Pause wurde es lebhaft, laut und gewalttätig, zunächst mit der zum Mitschwingen animierenden Musik von „König der Löwen“, dann mit einem teilweise beängstigend und furchteinflößend wirkenden Überblick über die diversen Superhelden Spiderman, Superman und Batman. Mit dem starken Kontrast einer anmutigen Cellokantilene, Geigenschmelz und Flötengezwitscher, aber auch großer Majestät und Würde, präsentierte sich in „Planet Earth“ die Erdgeschichte im Zeitraffer, bevor die Ästhetik der verstörenden Symbiose einer choralartigen Musik zu Bildern eines Bombenangriffs „Pearl Harbor“ in Erinnerung rief. Zur Schlussapotheose schließlich vereinigten sich nochmals alle vier Solisten mit Chor und Orchester in der Musik zum „Da Vinci Code“, bei den Zugaben – allesamt Wiederholungen aus dem zuvor Gehörten – schwenkten einige Chormitglieder Lichter im sanften Rhythmus der Musik, was im Publikum sogleich mit den Handylampen beantwortet wurde.