Vor knapp einem Jahr wurde das Hans-Thoma-Kunstmuseum als eines von vieren ausgewählt für das Förderprogramm „Digitaler Wandel an nichtstaatlichen Museen im ländlichen Raum“. In der jüngsten Sitzung des Bernauer Gemeinderates stellten Museumsleiterin Margit Köpfer und Hannes Honeck von der Kunsthalle Baden-Baden dem Gremium nun das laufende Projekt vor.

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„Bei der Digitalisierung haben wir uns auf die Thoma-Preisträger gestürzt“, erläuterte Köpfer. Es handele sich bei den Werken dieser Künstler um eine riesige Sammlung, die Besucher des Museums könnten gar nicht alle kennen. Hannes Honeck betonte, dass es sich aus kunsthistorischer Sicht um eine ganz herausragende Sammlung handele. Da die Räume des Museums, die die Sammlung zeigen, sowieso aus allen Nähten platzen, gebe es keinen Platz, umfangreiche Informationen zu Werken und Künstlern vor Ort anzubringen, sagte Margit Köpfer weiter. Außerdem müsse auch der Hans-Thoma-Preis Teil der Vermittlung sein, viele Besucher wüssten nichts über diese Auszeichnung.

Im Chat mit den Künstlern

Als eine Art Chat mit den Künstlern haben sich Köpfer und Honeck das Ergebnis ihres Projektes vorgestellt. Zunächst als „Speeddating“ (Honeck) mit den Künstlern. Sei ein Besucher dann näher an Künstler und Werk interessiert, soll er digital auf Tuchfühlung gehen können. Bis Juni diesen Jahres, so hoffen Köpfer und Honeck, soll ein erster funktionsfähiger Prototyp mit je zwei lebenden und zwei bereits verstorbenen Künstlern fertig werden. Vorarbeiten dafür sind schon einige geleistet, wie der Bericht der Museumsleiterin zeigte: in den vergangenen zwölf Monaten habe es immer wieder Treffen mit Medien- und Filmgesellschaften sowie Fortbildungen gegeben, Studierende der Universität Freiburg hätten in einem Seminar Material zu den Künstlern recherchiert und Texte geschrieben. Und mit der Thoma-Preisträgerin 2019, Christa Näher, sei auch schon Videomaterial gedreht worden.

Geschichten zu den Preisträgern

Genau am Tag der Gemeinderatssitzung seien auch „Die Klangerfinder“ zu Gast gewesen, erzählte Köpfer. Mit dem Stuttgarter Atelier möchte das Museum zusammenarbeiten, um den digitalen Museumsführer weiter zu gestalten. Einen spielerischen Zugang, so Hannes Honeck, wünsche man sich für das Ganze. So soll etwa auf Menschen aus Bernau zugegangen werden, die Geschichten zu den Preisträgern oder zu ihren Werken erzählen können, die Besucher dann später im Museum anhören können. Bis zur nächsten Verleihung des Hans-Thoma-Preises im Sommer 2021 soll der digitale Museumsführer so weit fertig sein, dass er öffentlich präsentiert werden kann. Zunächst allerdings mit etwa zehn Künstlerinnen und Künstlern. Darum legt Margit Köpfer auch großen Wert darauf, dass die entstehende digitale Form immer weiter mit Informationen befüllt werden kann, ohne jedes Mal einen Spezialisten zu benötigen. Nach und nach sollen dann weitere Preisträger und ihre Werke erfasst werden, irgendwann sogar das Archiv.

Die Kosten kalkulieren

„Junge Leute nutzen Handys, wird es eine App geben“, wollte Gemeinderat Manfred Franz in diesem Zusammenhang wissen. Das komme auf die Bildauswahl an, sagte Hannes Honeck. Zunächst solle etwas entwickelt werden, das im Museum genutzt werden kann. Denn je nach dem, wer die Rechte an den unterschiedlichen Bildern habe, müsse man auch die Kosten kalkulieren. Die letzten zehn Preisträger, die alle noch leben, würden der Verwendung der Bilder zustimmen, erklärte er. Bei bereits verstorbenen Künstlern müssten die Erben ausfindig gemacht werden. „Wir werden mit den Sachen, die nicht so konstenintensiv sind, anfangen“, betonte Margit Köpfer.

Der Höchstsatz der Förderung für das gesamte Projekt beträgt 40.000 Euro, 6000 Euro müsste die Gemeinde in diesem Fall dazugeben. „Die Eigenmittel sind nur ein kleiner Teil“, freute sich Bürgermeister Alexander Schönemann über die Möglichkeit, die geringe Fläche des Museums digital zu erweitern. Auch Daniel Gooß äußerte sich positiv zu dem Projekt. Liane Schmidt wollte wissen, ob der digitale Museumsführer später auch für andere Zielgruppen erweiterbar sei, etwa für Kinder und Jugendliche. Hannes Honeck erklärte, momentan stelle man sich eine Art fiktiven Chat mit den jeweiligen Künstlern vor. Dieser sei dann je nach Sprache auf verschiedene Zielgruppen anpassbar. „Mehr geht immer“, so Honeck weiter.