Von Weitem hat der hohe Herr nichts von seiner Würde, seinem edlen Ansehen und seiner Standhaftigkeit eingebüßt. Von Nahem allerdings wird erschreckend deutlich, dass er in die Jahre gekommen ist – mehr als 300 Jahre St. Blasier Kloster- und Stadtgeschichte hat er an sich vorbeiziehen sehen: Blasius, Patron von Kuppelkirche und Domstadt. Auch an verschiedenen Standorten bis zum jetzigen Sockel im Brunnen inmitten des Domplatzes befand er sich bereits. Die möglicherweise langwierigen Vorbereitungen für eine Lebensverlängerung der Statue sind offenbar im Gange.

Name nicht völlig sicher

Die von Abt Augustin Fink (Herrschaftszeit von 1695 bis 1720) in Auftrag gegebene Heiligen-, Abt- oder Bischofsfigur wurde 1714 geschaffen und gehört zu den meistverehrten Erinnerungsstücken an die mönchische Vergangenheit. Es soll heute nicht umfänglich eingegangen werden auf die den Brunnenhüter umrankenden Fragen, beispielsweise die Frage nach seiner Namensgebung: Steht da wirklich Blasius oder doch Benedikt oder einfach nur eine anonyme Abt- oder Symbolfigur der rund 1000-jährigen Klosterzeit? Wer hat die eindrucksvolle Brunnengestalt geschaffen? Ein unbekannt gebliebener Künstler, die stark vermutete Werkstatt von Joseph Anton Schupp in Villingen, der Villinger Meister selber oder „nur“ ein Schüler?

Wechselnder Standort

Gesichert sind dagegen fünf Standorte der Skulptur: Als Schmuck eines Brunnens auf dem Platz vor dem 1768 zerstörten barocken Münster. Nach der Aufhebung der Abtei im 19. Jahrhundert in einer Anlage oberhalb der Friedrichstraße (ohne bisher gefundene Erklärung für diesen ungewöhnlichen Standort). Kurz nach 1900 für rund zehn Jahre als Brunnenzierde am unteren (also nördlichen) Ende des Domplatzes nahe der Albmauer, dann für knapp 50 Jahre in der jetzigen Andachtskapelle des Doms, ab 1957 wieder auf dem äußeren Domplatz oberhalb der Alb und seit 1987/88 im Mittelpunkt des Platzes mit der überraschenden rechteckigen Brunnenanlage.

Verantwortliche mit wachsamem Auge

Und nun kommt also der seit Jahren sich abzeichnende und fortschreitende Befund der durch Wetter und Wind verursachten Beeinträchtigungen an der für Blasius gehaltenen Statue. Die Außenstelle Waldshut des Staatlichen Hochbauamts Freiburg/Konstanz beobachtet die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit, zumal die Waldshuter Verantwortlichen weit offene Ohren für die Belange der staatlichen Besitzungen und Baupflichten (unter anderem der Dom und eben auch die Blasiusstatue) in St. Blasien haben.

Von Nahem zeigt sich eine verletzte Gestalt.
Von Nahem zeigt sich eine verletzte Gestalt. | Bild: Thomas Mutter

Unlängst haben Fachleute den Zustand von „Blasius“ fein säuberlich untersucht und fotografiert. Ein Gutachten soll die Schadensschwere und mögliche Maßnahmen darstellen. Die Optimisten ziehen keine Vergleiche zum inhaltlichen und zeitlichen Umfang der Untersuchungen und empfohlenen Abhilfen für die gesperrte untere Albtalstraße. Die Außenstelle Waldshut wird indes nur Gelder ausgeben können, die ihr zur Verfügung gestellt werden.

Ursprüngliche Überlegungen verworfen

Bei den ersten erkannten Schäden vor einigen Jahren tauchten auch gleich Überlegungen auf, die Originalstatue durch eine wetterabweisende Kopie zu ersetzen und die echte an einen würdigen, wettergeschützten Platz zu versetzen, oder aber das Original am Standort zu belassen und beispielsweise durch einen durchsichtigen Kasten zu schützen – Zukunftsmusik, für die irgendwann alle Betroffenen zusammen den Gleichklang abgeben sollten. In absehbarer Zeit muss erst einmal Blasius für einen langen Zeitraum „lebenstüchtig“ aufgerüstet werden.