Die 16 Bildhauer verwirklichen bis zum Samstag ihre Entwürfe. Wem die Passanten derzeit über die Schulter schauen können, beschreibt unsere Serie.

  • Michael Weick: Nummer vier, Jahrgang 1951, ist gebürtiger Ulmer, aufgewachsen in Freiburg, und lebt heute als Rentner in Backnang. Beim Holzbildhauersymposium in St. Blasien ist er kein Neuling, 2013 war er schon dabei. „Bei der Auswahl und Gestaltung meiner Objekte wird meine Ingenieurausbildung deutlich. Technische Formen begeistern mich mehr als zum Beispiel Tierfiguren“, sagt Weick. Holz sei viel zu schade, um daraus Brennholz zu machen, meinte er in den Neunzigern, als er sich anschickte, sein Grundstück von einer Anzahl alter Fichten zu befreien.
    <p>Michael Weick hat seine Skulptur aufgrund des ihm zur Verfügung stehenden Stamms gegenüber dem Entwurf vollkommen neu berechnet.</p>

    Michael Weick hat seine Skulptur aufgrund des ihm zur Verfügung stehenden Stamms gegenüber dem Entwurf vollkommen neu berechnet.

    | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Damals begann er mit der gerade beschafften Kettensäge, Holzskulpturen zu formen und hat inzwischen den Umgang mit Holz zu einer seiner großen Leidenschaften gemacht. Dabei fühlt er sich nach wie vor in einer Entwicklungsphase. Aktuell hat Weick seine Skulptur, die den Titel „Ringverbund“ trägt, vollkommen neu berechnet, um den Entwurf an den vorhandenen Stamm anzupassen. Die zugrunde gelegte Geometrie hat sich verschoben, weil der Stamm dünner ist als erwartet.

Nach dem Motto „klein, aber fein“, meint er, habe er die Konzeption gerafft, von 1,80 auf 1,20 Meter in der Höhe, da der Durchmesser der gleich groß angelegten Ringe sich aus der Stammdicke ergibt und folglich indirekt auch die Höhe der Skulptur abhängig von den Ringen ist. Einen Ring hatte Weick am Dienstagnachmittag bereits freigelegt, als Bernd Ruderisch vorbeikam, der es bedauerte, diesen Moment verpasst zu haben, wenn der Ring plötzlich frei beweglich im Stamm hängt. Dennoch wird er diesen Moment vielleicht in den kommenden Tagen erleben können, denn Weicks Skulptur besteht aus vier Ringen, wobei zwei ineinander greifen.

  • Reinhard Osiander: Schnell kommt Reinhard Osiander (Nummer sechs) mit seinem „Volkstanz“ vorwärts. Hatte am Dienstagmittag noch der Knabe allein den Arbeitsplatz bevölkert, so zeichneten sich am Nachmittag die Konturen seiner Partnerin auf dem zweiten Sockel ab, wobei der Künstler dank ihrer unabhängigen Standflächen die Beiden nach Belieben einander zuordnen kann. Eine Idee, die der Künstler offenbar amüsant fand, als er darauf angesprochen wurde. So zeigte er sich denn auch zufrieden mit seiner Arbeit, aber auch die Organisation des Symposiums lobte er. Auch dass die Zuschauer und Anwohner so interessiert seien, sich keiner beschwere über den Lärm der Sägen, empfinde er als sehr angenehm.
    <p>Schon recht weit war Reinhard Osiander mit seinem tanzenden Paar am Dienstagnachmittag.</p>

    Schon recht weit war Reinhard Osiander mit seinem tanzenden Paar am Dienstagnachmittag.

    | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Sein Tänzer hat schon eine braune Hose bekommen, und der Künstler erklärt, er male immer gern zwischendurch seine Figuren an, das finde er viel anschaulicher und inspirierend beim Weiterarbeiten. Osiander ist 1967 in Bobingen geboren, absolvierte seine Holzbildhauerausbildung in Berchtesgaden und studierte an der Hochschule für Künste in Bremen, wo er zeitweilig auch als Lehrbeauftragter tätig war. Seinen Kunstwerken wird gern die Erinnerung an die heile Welt der Jugend im südlichen Bayern attestiert. Osiander sagt, wenn er darauf angesprochen wird, ob er seine Figuren nicht ein wenig an den Entstehungsort Südschwarzwald anpassen wolle: „Nein, nein, die bleiben schon bayerisch, sie stammen ja auch von mir."

  • NaruoNishimura: Nummer neun, aus Kyoto in Japan, Jahrgang 1966, nennt die Skulptur, die er in St. Blasien gestaltet, „The Cube“. Aus bereits von den Organisatoren vorbereiteten Balken hatte er zunächst Würfel abgesägt, die er dann so bearbeitete, dass er sie zu zwei Kugeln zusammenfügen kann. Nishimura arbeitet nicht nur mit Holz, auch Steine oder Metall verwendet er für seine Arbeiten. Manchmal zeichne und male er auch, erzählt er. Immer wieder sei er in anderen Ländern unterwegs. In diesem Jahr sei er beispielsweise in der Schweiz, in Tschechien und auch in Finnland bei Symposien zu Gast. Sehr oft sei er aber auch in verschiedenen Ländern Asiens unterwegs. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit unterrichtet der Bildhauer gelegentlich.
    <p>Naruo Nishimura bei der Arbeit in St. Blasien.</p>

    Naruo Nishimura bei der Arbeit in St. Blasien.

    | Bild: Sebastian Barthmes
  • Roger Löscherbach: Der Künstler (Nummer 14 im Booklet) freut sich diebisch darüber, von vielen Passanten neben seinem kopfstehenden Fotografen fotografiert zu werden. „Die Leute, die hierher kommen, fotografieren alles“, meint er trocken, „ich wollte da einen Perspektivwechsel einbringen, sie aus ihrer gewohnten Position herauskatapultieren.“ So entstehe über den ungewohnten Blickwinkel die Möglichkeit, über das Warum des Fotografierens nachzudenken, denn allzu oft verfalle man als Tourist in einer Stadt in gedankenloses Ablichten von Sehenswürdigkeiten. „Hier bekommen diejenigen, die fotografieren, ihr umgedrehtes Spiegelbild vorgehalten“, ergänzt Löcherbach.
    <p>Roger Löcherbach freut sich diebisch darüber, von Passanten neben seinem kopfstehenden Fotografen fotografiert zu werden.</p>

    Roger Löcherbach freut sich diebisch darüber, von Passanten neben seinem kopfstehenden Fotografen fotografiert zu werden.

    | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Der 1963 im Westerwald geborenen Künstler studierte in Mainz und Münster und lebt seit 1998 freischaffend als Bildhauer in Essen. Die Skulpturen sind aus einem Stamm gehauen, wobei er gern Haltung und Gestik seiner Figuren aus der Wuchsform entwickelt. Auch in St. Blasien hat er seinen Entwurf aufgrund der Beschaffenheit seines Stammes leicht abgeändert. „Weil der Stamm so riesig und so dick ist, werde ich einen Teil davon hinten stehen lassen, sodass nur die Füße meines Fotografen oben herausschauen“, erklärt Löcherbach. Die Armhaltung differiere zum Beispiel etwas gegenüber dem Entwurf.

„So ist die Ausarbeitung zwar etwas kniffliger geworden“, räumt der Künstler ein, aber die Haltung, die er nun gewählt habe, entspreche mehr seiner persönlichen instinktiven Haltung beim Fotografieren. Löcherbach betrachtet seine Skulpturen, nahezu ausschließlich Menschen, dann als fertig, wenn sie für ihn stimmig erscheinen. Das kann direkt im Rohzustand nach der Bearbeitung mit der Kettensäge sein oder aber auch nach der Weiterbearbeitung mit dem Schnitzeisen oder dem Schmirgelpapier. Ebenso handhabt er die Detailausarbeitung. So kann die Figur ihre Wirkung durchaus allein durch Haltung oder Form der Silhouette entfalten, ohne dass Gesicht oder Hände deutlich ausgearbeitet sind. An Gesicht und Händen seines Fotografen jedenfalls hat er schon ganz schön „friemelige Arbeit“ hinter sich, wie er betonte.