Die ärztliche Versorgung stellt die Kommunen im ländlichen Raum vor immer größere Probleme. In St. Blasien will Bürgermeister Adrian Probst einen Anreiz für Ärzte bieten, sich dort niederzulassen. Das Gebäude soll auf dem Areal der ehemaligen Güterabfertigung entstehen. Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum sei ein Megathema für die Kommunen, sagte Probst. Es gelte, in nächster Zeit viele Themen anzugehen, ein Ärztehaus sei nur einer der Bausteine zur Sicherstellung der Versorgung.

Erster Entwurf

Für das geplante Ärztehaus habe man mit Bauträger Gernot Pöpperl aus Freiburg einen Investor gefunden. In einer Infoveranstaltung stellten Architekt Hans-Rudolf Kirchner und Bauträger Gernot Pöpperl nun Vertretern des Gesundheitswesens aus der Region und Gemeinderäten einen ersten Entwurf des Gebäudes vor. Ziel sei es zunächst gewesen, das Gebäude, für das die alte Güterabfertigung und ein benachbartes leer stehendes Gebäude abgerissen werden sollen, der Umgebung anzupassen.

Arzt und Zahnarzt sollen einziehen

Entstehen soll ein Gebäude mit zwei durch ein Treppenhaus mit Lift verbundenen Baukörpern. Untergebracht werden sollen dort eine Geschäftsstelle der AOK und eine Arztpraxis mit rund 125 Quadratmetern Fläche sowie eine Zahnarztpraxis auf einer Fläche von 250 Quadratmetern. Darüber hinaus sollen sechs Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern entstehen.

Auf Bedürfnisse der Ärzte eingehen

Praxen und Wohnungen sollen vorrangig verkauft werden, sagte Pöpperl auf eine Frage aus dem Zuhörerraum. Aber: Viele junge Ärzte, insbesondere Ärztinnen, seien nicht bereit, eine Praxis aufzubauen, gab der in St. Blasien praktizierende Arzt Winfried Bull zu bedenken. Es gelte, auf die Bedürfnisse der Interessenten einzugehen, das Unternehmerische stehe nicht im Vordergrund, sagte Bürgermeister Probst. Auch die Kommune sei gefragt, so der Rathauschef weiter. Er brachte die Städtebauförderung ins Gespräch.

Mehr Wohnhaus als Ärztehaus

Hautärztin Birgit Marion Kübler merkte kritisch an, bei dem Vorhaben handele es sich mehr um ein Wohnhaus und weniger um ein Ärztehaus. Die Planung sei offen, statt Wohnungen könnten auch Arztpraxen entstehen, hielt Bürgermeister Probst dem entgegen. Pöpperl ergänzte, sein Wunsch sei es, alle Stockwerke mit Praxen zu belegen. Er habe mehr erwartet, zeigte sich Bull enttäuscht und bezweifelte Synergieeffekte bei einer Belegung der Praxen mit einem Allgemeinmediziner und einem Zahnarzt. Es gelte, zunächst erste Bausteine einzufügen, erklärte Probst, das Projekt könne nicht alles lösen. Die konzeptionelle Gestaltung sei die Aufgabe von allen.

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Das Problem, Fachärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen, sprach Hautärztin Kübler an. Fachärzte seien nicht bereit, aus den Städten in den ländlichen Raum zu wechseln. Eine Alternative zu Komplettpraxen brachte Holger Strauss, der an Praxisräumen im Ärztehaus Interesse zeigte, ins Gespräch. Mit Praxen mit Mischnutzung könnte Fachärzten die Möglichkeit eröffnet werden, stunden- oder tageweise in St. Blasien zu praktizieren. Aber wer trägt das unternehmerische Risiko, wenn Fachärzte nur zeitweise nach St. Blasien kommen? Und wie ist es mit Personal? Fragen, die Bull aufwarf – un Fragen, die noch offen bleiben.

Zu wenige Stellplätze

Die Gemeinderäte Peter Schneider (CDU) und Klaus Dudarewitsch (SPD) äußerten sich überaus positiv zu dem Projekt. Ein Ärztehaus habe schon lange auf der Wunschliste des Gemeinderats gestanden, sagte Schneider. Er äußerte allerdings angesichts der vorgesehenen 15 Stellplätze Bedenken: Zu wenig für dieses Projekt, lautet seine Meinung. Als ersten Schritt, der Sogwirkung entfalten könnte, lobte der Geschäftsführer des Radon-Revital-Bades, Bernhard Meyer, das Vorhaben. Als wertvoll bezeichnete Bürgermeister Adrian Probst die Diskussion des Abends. Es gelte nun, Konzeptionelles anzustoßen und den Austausch in Hinblick auf die Konzeption eines Ärztehauses weiterzuführen.