Bernhard Marx, künstlerischer Leiter der Domkonzerte in St. Blasien und erzbischöflicher Orgelinspektor, hat die Orgel in Höchenschwand begutachtet. Einerseits wollte er sich wegen einer Renovierung, die dort fällig wird, informieren. Dazu hatte er einen Ortstermin mit Bauingenieur Markus Sieber vom Hochbauamt Waldshut, zuständig für Vermögen und Bau des Landes Baden-Württemberg, erklärt er und fügt an: Bei der Höchenschwander Orgel und manchen anderen sei der Staat baupflichtig. Andererseits müssten sämtliche Orgeln der Erzdiözese Freiburg in Sachen Brandschutz auf den Sicherheitsstand von 2019 gebracht werden. Man befürchtet, dass das Kulturgut ein Raub der Flammen werden könnte.

Die Schwarzorgel im Dom kennt Bernhard Marx als Musiker und auch als erzbischöflicher Orgelinspektor gut.
Die Schwarzorgel im Dom kennt Bernhard Marx als Musiker und auch als erzbischöflicher Orgelinspektor gut. | Bild: Cornelia Liebwein

Seit mehr als 30 Jahren betreut Bernhard Marx die Orgeln von ungefähr 130 Pfarreien in den Dekanaten Breisach-Neuenburg, Waldshut und Wiesental und auch die der Seelsorgeeinheit St. Blasius. „So wahr mir Gott helfe“, schwor er 1987 und hob die Hand, um zu versprechen, seine Kraft dem Wohle der Pfarreien zu widmen. Als einer der etwa zehn Orgelinspektoren der Erzdiözese begleitet er Neubauten und Restaurierungen, wie etwa die Renovierung der Domorgel im Jahr 1997, die Restaurierungen in Hierbach sowie Ibach oder den Neubau der Orgel in Menzenschwand.

„Oder ich werde gerufen, wenn eine Orgel Probleme macht. Dann muss ich sie mir anschauen und entscheiden.“ Wie in jüngster Zeit immer wieder, weil verschiedene Orgeln vom Schimmel befallen sind. Weil man die Kirchen stark abgedichtet hat, um Heizkosten zu sparen, fehle den Instrumenten die Luftzirkulation und das gebe dem Schimmel Nahrung, erklärt Marx.

Orgeln seien ein Kulturgut, das es immer geben werde und das ständig gepflegt und gewartet werden müsse, sagt er. Diese beeindruckenden Bauwerke voll imposanter Größe und Klangfülle sind sein Leben. Schon im Alter von neun Jahren lernte er die Kunst des Klavierspielens. Als 13-Jähriger setzte er sich an den Orgeltisch und sammelte als Organist in zahlreichen Kirchen und Kathedralen in der Heimat und auf internationalem Parkett viel Erfahrung.

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Er präsentierte sein herausragendes Können in Paris in der Kathedrale Notre Dame, im St. Blasier Dom oder anderswo, auf Konzertreisen, während direkt übertragenen Rundfunkmessen, im Hochschuldienst seit vielen Jahrzehnten oder bei vielen weiteren Gelegenheiten. „Ich habe bestimmt schon 5000 Orgeln gespielt“, schätzt Marx.

Jede Orgel sei ein Unikat und werde für den Raum gemacht, in dem sie steht. Bis eine Orgel gebaut sei, würden Tausende von Stunden vergehen. „Und wenn man was Gutes haben will, muss man ordentlich Geld in die Hand nehmen – da sprechen wir von den Kosten eines Eigenheims – und einen sehr guten Orgelbauer aussuchen, dann hält sie 300 Jahre und länger. Habe ich aber konstruktive Mängel von Beginn an oder billiges Material, das rächt sich bitter“, erklärt er wissend. „Doch“, klagt er, „das verstehen manche Pfarrer und viele Stiftungsräte nicht. Viele sehen: ‚Die ist 40 000 Euro billiger, die nehmen wir‘“.

Entschließt sich die Pfarrgemeinde zum Bau einer neuen Orgel oder zur Restaurierung, schreibe er den Auftrag aus. Eine sehr gute Firma habe eine Fertigungstiefe von 93 Prozent, sie mache also praktisch alles selbst und hole nur den Motor und das Licht von einer anderen Firma. Anders sehe das bei einer Zweimannfirma aus, diese könne das nicht so machen.

Die Orgel wird nicht untergehen, ist er sich sicher, aber sie wird durch die geplante Zusammenlegung der Pfarreien und den daraus folgenden Rückgang der Gottesdienste weniger gespielt werden. Stattdessen werde die Orgel als Konzertinstrument wieder mehr in den Fokus rücken. Gebe es in absehbarer Zeit weniger Messen, sei mehr Platz, um Orgelkonzerte zu veranstalten. „Dass man einen Raum zum Klingen bringt, dass man in der Liturgie oder im Konzert Menschen durch Musik berühren kann“, das fasziniere ihn an der Orgel. Manchmal könne die Musik weiterhelfen, wenn das Wort aufhört.

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